Toller Blauthermik-Temp (+Nachtrag 17.04)

Der für heute prognostizierte Temp über der Eifel (Quelle: NOAA) zeigt, wie - zumindest von der Theorie her - ein perfekter Blauthermik-Streckenflugtag aussieht: Die Basis liegt hoch bei 1800 bis 2000m. Da oben kein markanter Inversionsdeckel liegt, werden die Thermiken dort langsam und nicht turbulent "auslaufen". Der Wind ist im gesamten Thermikraum eher schwach und somit auch nicht turbulent.

Ein bisschen Temp-Wissen: Woher weiß ich, dass Blauthermik herrscht? Die Abkühlungsgerade meiner Thermikblase (blaue Linie), die von der Bodentemperatur parallel zu den Linien der trockenadiabatischen Abkühlung aufsteigt, schneidet meine rote Temperaturkurve früher als der graue Graph des Wasserdampfgehaltes (Sättigungsverhältnis), der von der grünen Taupunktkurve ausgeht und parallel zur den Geraden gleicher Sättigungsgehalte aufsteigt.

Einige Piloten haben sich heute in Boppard verabredet, um von dort aus gemeinsam auf Strecke zu gehen. Ich bin selber gespannt, wie am Ende des Tages der Abgleich der Theorie mit der Praxis aussieht.

Der nächste gute Streckenflugtag könnte übrigens - nach schwachem Frontdurchgang am Dienstag - schon am Mittwoch wieder anstehen, dann allerdings bei etwas stärkerem Wind aus NW-N. Den Prognosen nach könnte es wieder Basishöhen um 1800m geben - mit 3/8 flachen Cumuli markiert. Ein wenig Unsicherheit hinsichtlich der Güte besteht noch angesichts einer relativ kräftig ausgeprägten Zirrus-Schicht, die aber im Tagesverlauf schwächer werden sollte.

Nachtrag vom 17.4.: Die Streckenflieger, die am Montag extra nach Boppard gefahren sind, um dort diesen Tag auszunutzen, wurden herb enttäuscht. Der Grundwind an diesem Tag war so schwach, dass keiner den Einstieg in eine kräftige, durchziehende Thermik schaffte. Kräftige Thermik stammt in Boppard i.d.R. vom gegenüberliegenden Rheinufer (Filsen). Wenn der Wind diese Thermik nicht über den Rhein an den Hang versetzt wird, bleibt sie in kaum erreichbarer Ferne.
Merke: Bei Schwachwindbedingungen in den Mittelgebirgen per Hangstart erfolgreich in die Luft und in die Höhe zu kommen, gleicht einem Glücksspiel. Dies gilt besonders für Osthänge wie Boppard, die schon früh nicht mehr in der Sonne liegen und somit kaum noch eigene Thermik liefern.
Gelegentlich ist Boppard bei sehr schwachem Grundwind dennoch fliegbar. Dies trifft normalerweise nur im Winter zu, wenn die Wassertemperatur des Rheins über der Lufttemperatur liegt. Dann kann der Rhein als großflächige Thermikquelle dienen, deren Warmluftblase in der Flussschleife auch schon von schwachem Wind an den Hang gedrückt wird und dort auslöst.
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