Höhenfronteffekte

Am vergangenen Sonntag waren einige Piloten in der Eifelregion fliegen. Die meisten machten dabei die Erfahrung einer schwammigen, "seltsamen" Luft, bei der man sich nicht gerade wohl fühlt. Ein Pilot beschrieb mir in einer Mail seine Erlebnisse von Bremm und fragte nach einer möglichen Interpretation (Namen der Piloten anonymisiert):

"Heute hatten wir in Bremm eine knifflige Situation. Als ich gegen 13 Uhr am Landeplatz ankam, wehte der Wind aus SW mit ca. 3 Bft. Es waren 7 Piloten in der Luft mit z.T. deutlicher Überhöhung bis zu 500 m. Aus der Bodenperspektive konnte man erkennen, dass es auch stark thermisch war. Am Landeplatz sammelte ich 3 gelandete Piloten ein, da ich gerade auf dem Weg zum Startplatz war. R. war noch recht aufgelöst und voller Adrenalin. Er erzählte mir von seiner Landung und der “eigenartigen Situation” in der Luft. Er hätte mit seinem Sigma in der Düse knapp über Grund mehrfach heftige Klapper von beiden Seiten und zudem frontal bekommen. Das Ganze geschah so kurz über Grund, dass wenig Zeit zum Handeln blieb. Andere sprachen auch von einem Fullstall. Ich selber habe es nicht gesehen, da ich wenige Minuten später am Landeplatz mit meinem Auto ankam. Er blieb, Gott sei Dank, unverletzt und hatte für den Rest des Tages (?) aber genug vom Fliegen.
Als ich dann am Start war wehte der Wind aus SSW mit ca. 3-4 Bft, zeitweise kamen kräftige Böen deutlich über 30 km/h aus SW - W. Der zwischenzeitig aufgelockerte Himmel zog sich wieder zu. Zwischendurch immer wieder kräftige thermische Ablösungen. Die restlichen Piloten folgten dem Herdentrieb und gingen, nachdem J. zur Landung ansetzte, gegen 14 Uhr auch runter.
Anschließend flog bis ca. 16 Uhr niemand, bis sich die Lage vermeintlich beruhigte und ich startete. Es ging vor dem Startplatz hoch und runter. Der Wind weht aus SW - W mit ca. 3 Bft. Als ich Richtung Landeplatz auf Gratniveau flog drehte sich mein rechtes Flügelende immer leicht nach hinten und ich wurde vom Hang “weggedrückt“. Es wurde ein kurzer Flug, da ich mich schnell zur Landung entschloss. Ab ca. 100 m über Grund hatte ich keine Vorwärtsfahrt mehr und wurde mit 4,2 m/s nach unten gespült . Dies geschah glücklicherweise genau über dem Landeplatz. Da ich unter einem 1er Flügel hing, hatte ich keinen Klapper und konnte unversehrt landen. Der Rest der Startwilligen packte nach dieser Landung die Sachen und fuhren heim.
Es muss sich um einen ausgeprägten Leerotor gehandelt haben, der auch schon am Mittag für starke Turbulenzen am Landeplatz gesorgt hatte. Verträgt Bremm nun einen Westeinschlag?"
Ich schrieb ihm dazu folgendes:
Eine Ferndiagnose fällt mir schwer. Grundsätzlich kann ich nur sagen, dass der Sonntag nicht nur in Bremm mit "seltsamer" Luft aufwarten konnte. W. berichtete mir von einer Achterbahnfahrt in Graach. Ich selbst war am Bausenberg, wo es auch ungewohnt ruppig für diese Jahreszeit war. Erst am Nachmittag hat es sich etwas beruhigt, als die Wolkendecke zuzog.

Was ich am Bausenberg beobachtet habe war, dass nach Auflösung des Hochnebels gegen 12.30 Uhr die Thermik deutlich ansprang. Ich bin in einer guten Phase raus, ein paar mal hin und her, mit rauf und runterspülen, bis ich doch bald Landen musst. Am Bausenberg hatte der Wind da aber noch einen deutlichen SO-Einschlag. Am Startplatz sorgte das für Turbulenzen, die Hartmut aus 1 Meter Höhe mit einem Klapper wieder runterspülten (nichts passiert). Danach ist erst einmal keiner mehr gestartet.

Dann kam dieses Wolkenband, im Grunde eine kleine (Höhen-)Front, nur nicht eindeutig bis zum Boden wirksam. Man konnte aber gut die Altocumulus (s. Bild, Foto: K. Geitner) erkennen, die typische Hebungsvorgänge anzeigen. Davor war zudem etwas tiefer ein schmaler "verwischter" Wolkenstreifen, wie er an der Grenze von Windscherungen auftreten kann. Zu der Zeit zogen auch einige heftige Böen durch. Ich habe den anderen Jungs am Startplatz dann gesagt, sie sollten sich nur etwas gedulden, bis diese Wolkenfront erkennbar über uns weggezogen. Dann würde der Wind (typischer Windsprung bei Frontdurchgang) von SO auf S-SW drehen und hoffentlich fliegbar sein. So kam es lehrbuchmäßig auch. Alle sind später sauber gestartet, H. konnte sogar noch fast eine Stunde fliegen.

Sicherlich war in Bremm diese Front auch wirksam und hat für entsprechende Unruhe in der Luft gesorgt. Die Düse am Landeplatz kann das freilich nicht schlüssig erklären. Da passt eher der Blick auf die Westwindkomponente. Da direkt hinter dem LP das Ellenbachtal von der Mosel "abbiegt", ist es denkbar, dass ein deutlicher SW-Wind im Moseltal etwas kanalisiert wird und dann geradezu um die Ecke zum Ellenbachtal rauscht. Wenn Du dann relativ nah am Gelände fliegst, hängst Du natürlich voll in dieser Düse bzw. sinkst in sie hinein, weil natürlich nach unten der Talquerschnitt auch noch abnimmt.

Was Deine Erfahrung mit dem Wegdrücken vom Hang betrifft: Das kann schon ein Effekt des Seitenwindes sein. Bei Seitenwind kann ein Hang, der deutliche Vorsprünge oder Rinnen hat (was bei Bremm ja zutrifft), hinter solchen "senkrechten" Kanten auch senkrechte Wirbel bzw. Walzen erzeugen, die dann durch unterschiedliche Wirbelgeschwindigkeit der Luft einen Schirm über seine Spannweite schon deutlich verbiegen können. Zugleich können diese Wirbel, die wie Säulen vor dem Hang stehen, dich natürlich auch wegdrücken.
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2 Kommentare:

Theo hat gesagt…

Zu Südost am Bausenberg:

Wenn man möglichst weit oben im Hang startet, entgeht man den Leerotoren, wie mir im Januar Fliegerfreund B. V. eindrucksvoll demonstriert hat.

Dimitri hat gesagt…

Ich bin kurz nach 14.00 uhr am Bausenberg gestartet,und mehr als eine halbe Stunde in recht ruhigen Bedingungen geflogen. Zu diesem zeitpunkt waren fast alle Piloten in der Luft. Nachdem ich aber den SW Einschlag bemerkt habe bin ich sicherheitshalber zum Landen gegangen. Alles in allem aber ein wirklich schöner Flug (und die ersten Punkte für die Vereinsmeisterschaft eingesackt).
Gruss
Dimitri