Leistungsdrang: Die nächste Welle mit EN-B

Blacklight. Angeblich mit Gleitzahl 10. Foto: U-Turn
Der Drang nach mehr Leistung macht sich immer mehr auch in den unteren Schirmklassen bemerkbar. In diesem Jahr wird es dazu sicher noch einige Diskussionen geben. Denn unverkennbar "rüsten" die Hersteller auch in der EN-B-Klasse immer weiter auf und werben schon jetzt großspurig für kommende Leistungsmodelle. Hierzu nur drei Beispiele:

  • U-Turn kündigt für Frühjahr/Sommer den Blacklight an. Der Schirm ist mit sehr langen "Stäbchen" ausgestattet, um eine hohe Profiltreue zu gewährleisten. Damit soll der Schirm angeblich eine Gleitzahl von 10 erreichen.
  • Gradient bringt in Kürze den Nevada auf den Markt. Der Schirm soll als High-End EN-B oberhalb der Golden 3 platziert sein und durch den Einsatz von Doppeldiagonalen, die gleich 4 Zellen überspannen, wie beim Aspen 4, mit rund einem Drittel weniger Leinenmeter auskommen, was auch einen deutlichen Zuwachs bei der Gleitzahl erwarten lässt.
  • Triple Seven nimmt für seinen neuen Rook (mit Haifischnase) den Marketing-Mund auch sehr voll und spricht vom leistungsstärksten Schirm der Klasse.
Wahrscheinlich werden weitere Hersteller bald folgen. Fraglich ist, ob diese Entwicklung tatsächlich dem Gleitschirmfliegen als Breitensport so zuträglich ist. Sicher werden sich einige Piloten, die von ihrem Können noch nicht soweit sind, verleiten lassen, einen Leistungsschirm aus der angeblich so sicheren EN-B-Klasse zu wählen - und sich dann wundern, wenn sie plötzlich über das kleine Landefeld hinaussegeln, in das sie sich sonst problemlos hineinbasteln konnten.

Und andere, die ihren Flugspaß nicht mehr am eigenen Erleben messen, sondern mehr an den Punkten, mit denen sie in den Online-Contests auftauchen, werden noch gefrusteter dreinblicken, weil doch so viele andere mit den High-End-Kappen in der "Standardklasse" plötzlich Strecken von über 100 oder sogar weit über 200 km mit einem EN-B abspulen.

Frust ist allerdings ein schlechter Berater. Entweder treibt er einen dazu, Dinge zu tun, die man mit dem Gleitschirm lieber bleiben lässt (z.B. bei grenzwertigen Bedingungen zu fliegen). Oder er treibt einen dazu, der "frustenden" Situation auszuweichen - will sagen: das Fliegen möglicherweise ganz aufzugeben.

Eine der größten Herausforderungen für den Gleitschirmsport in dieser Zeit ist es, dem Fluggenuss wieder einen höheren Stellenwert zu geben als der Kilometerreiterei.
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