Unsichtbare Frontgefahren

30er Böen am Bausenberg nach plötzlichem Windsprung.
Sonntag mittag war ich mal wieder am Bausenberg. Der Task 2 der Moselopen war abgesagt worden wegen aufziehender Front mit starkem Wind. Auf dem Weg zurück nach Bonn kam ich auf der A61 am Bausenberg vorbei. Die Fahnen am Rasthof Brohltal standen gut. Aus Neugier, wie es wohl am Startplatz wäre, bin ich in Niederzissen abgefahren und stand wenig später am Startplatz. Den Schirm ließ ich  eingepackt. Die Lage war mir nicht geheuer.

Abwarten war angesagt, zudem wollte ich nochmal die Windwerte im Internet checken. Barweiler zeigte zu dem Zeitpunkt 14 kmh Grundwind und (oha!) 29er Böen aus SW. Eine halbe Stunde zuvor hatte mir Ralf B. von 40er Böen aus West in Klüsserath berichtet. Am Startplatz Bausenberg herrschte zu dem Zeitpunkt 10-15 kmh SO-Wind. Die sichtbaren Windräder weiter im Westen zeigten SSW. Wann würde die Front mit ihrem Windsprung wohl am Bausenberg ankommen, fragte ich mich. Könnte man zuvor vielleicht noch ein bisschen Soaren, um beim ersten Auffrischen des Windes noch sicher landen zu gehen?

Der Himmel zeigte ein weitgehend einheitliches Grau. Keine auffällige Veränderung im Wolkenbild, die eine herannahende Front anzeigen würde.

Irgendwie schien es mir, als drehten die Windräder jetzt einen Ticken schneller. Oder war es nur Einbildung? Das Wolkenbild unveränderter hoher Stratus. Der Wind am Startplatz drehte auf Ost. Seltsam. Nicht lange, dann ging es sehr schnell. Plötzlich blies der Wind von hinten (Nord), wie es häufiger passiert, wenn vor dem Bausenberg sich eine Thermikblase löst. Doch dieser Rückenwind hielt länger an als die gewöhnlichen 10 bis 15 Sekunden, bis die Blase die Starthöhe erreicht hat. Ich ging geistig in Hab-Acht-Stellung. Keine 30 Sekunden später heftiges Blätterrauschen. Die Windfahne sprang mit einem Mal herum auf SW und eine erste 30-er Böe zog durch. Weitere folgten, eine kräftiger als die andere. Die Front war da - nur mit Wind, ohne Regen.

Altocumulus als Frontanzeiger.
(Bild bearbeitet, um die Strukturen herauszustellen)
Beim Runterwandern schaute ich wieder die Wolken an. Jetzt erst, ca. 5 Minuten nach der ersten Hammerböe, war auch am Himmel davon etwas zu sehen. In die hohen einheitsgrauen Stratus waren jetzt kleine Altocumulus eingelagert. Ein typischen Zeichen für Labilisierung. Hier war es nur ein relativ schmaler Streifen - von unten gut sichtbar, aber in der Ferne leicht zu übersehen.

Für mich war das ganze mal wieder ein Aha-Erlebnis mit dem Wetter. Mit Fronten ist einfach nicht zu spaßen. Und wer glaubt, man könnte diese immer kommen sehen und ihnen entfliehen, sollte sich mit diesem Beitrag eines Besseren belehren lassen. Eine Lage kann innerhalb von einer Minute fast unangekündigt von scheinbar sicher zu lebengsgefährlich unfliegbar umschalten.

Angekündigte Fronten in der Tagesprognose, starke Böen in den Windmesswerten im Internet, subtile Änderungen in der Drehung der Windräder (Richtung / Stärke), "Störungen" im ansonsten einheitlichen Wolkenbild - all das sollte einen Piloten wachsam werden lassen.

Eine Stunde später meldete Barweiler übrigens 32 kmh Grundwind mit 54er Böen...

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1 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Immer diese Tücken des Wetters ;-)
Im Moment auch wieder lustig zuzusehen: Mo, 30.04.2012 14:00, Rheinlandpfalz, Mosel, laut Radar zieht Regen von Süden auf, aber Windkarten zeigen kräftigen Nordostwind an. Da ist die Atmosphäre ziemlich uneinheitlich. Bei dem Windsprung möchte ich nicht in der Luft sein.