DHV warnt vor Steilspirale beim Mistral 6

Kürzlich ist es am Kandel zu einem tödlichen Unfall gekommen. Eine wohl durchaus erfahrene Pilotin leitete mit ihrem Swing Mistral 6 eine Steilspirale ein und spiralte dann mit hohen Sinkwerten bis zum Aufschlag. Warum sie es nicht schaffte, die Steilspirale aktiv auszuleiten, ob sie vielleicht früh einen Blackout hat, wird sich kaum noch nachprüfen lassen. Allerdings ist eines auffällig: Schon vor einem Jahr kam es zu einem ganz ähnlichen Unfall mit einem Mistral 6. In zwei anderen Fällen konnten sich Piloten gerade noch per Rettungswurf aus einer außer Kontrolle geratenen Spirale retten. Das hat jetzt sogar den DHV bewogen, eine Warnung zum Mistral 6 zu veröffentlichen.

Schon länger ist bekannt, dass der Mistral 6 in der Steilspirale sehr bissig werden kann. Eine Standardsteilspirale gemäß LTF-Test bis max. 14 m/s Sinken leitet er zwar wohl selbständig aus, weshalb er dafür auch die Einstufung B bekam. Doch bei Spiralen mit höheren Sinkwerten tendiert der Schirm dazu, stark zu beschleunigen und dann stabil weiterzudrehen. Dieses Verhalten ist für viele Piloten sicher überraschend. Und durch die hohen G-Belastungen, die dann auftreten, könnte durchaus ein schneller Grey- und Blackout möglich sein, der die Piloten im Stress nicht sofort entsprechend gegensteuern lässt.

Das ergibt eine etwas paradoxe Situation. Der Schirm ist gütesiegelkonform, die Warnung vor der stabilen Steilspirale bei hohen Sinkwerten hat Swing sogar schon ins Handbuch mit aufgenommen. Von der rechtlichen Seite her ist demnach alles ok. Aber wäre es nicht aus moralischer Sicht geboten, für den Schirm eine offizielle Sicherheitsmitteilung auszugeben oder den Schirmtyp gar ganz zu grounden? Eine schwierige Entscheidung.

Spannend ist dabei meiner Ansicht nach vor allem eine Frage: Sollten die Testpiloten von Swing diese offenbar schirmtypische Reaktion nicht schon früh bemerkt haben? Wieso lässt dann ein Hersteller ein solches Modell in die B-Kategorie zertifizieren - wohlwissend dass der Schirm sich reproduzierbar so verhält, wie man es für einen B-Schirm allgemein eher nicht erwarten würde, und wie es auch nicht recht zum Pilotenkönnen der angepeilten Zielgruppe passt?
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1 Kommentare:

James hat gesagt…

Es ist im Prinzip durchaus möglich, daß das bei den Testflügen der Hersteller nicht so recht aufgefallen ist.
Leitet man die Spirale mit dem Schirm nämlich über die Außenbremse ohne Nachlassen der Innenbremse aus, geht der Schirm recht leichtgängig aus der Spirale.
Da wäre dann nur noch das allgemein recht dynamische Handling anzumerken, was möglcherweise Designziel war. Schließlich galt der Vorgänger als etwas behäbig.