DGV startet als Konkurrent zum DHV

Am Samstag ist auf einer Versammlung in Mannheim der Deutsche Gleitschirmverband (DGV) gegründet worden. Der DGV will sich als Alternative zum DHV für die Gleitschirmpiloten in Deutschland positionieren. Allerdings bleiben die Beweggründe dahinter noch genauso schleierhaft wie das Geschick der Organisatoren. Denn die Gründungsversammlung wurde auf den gleichen Termin gelegt wie die Jahreshauptversammlung des DHV. Viel potenzielles Klientel wurde also von Anfang an zu einem entweder-oder gezwungen. Ob diese inszenierte Konkurrenz den DGV wirklich "spürbar" aus der Taufe heben kann, bleibt abzuwarten.

Nach einem Bericht des Freiflieger-Magazins waren ca. 24 Personen in Mannheim anwesend, wovon am Ende 13 als Gründungsmitglieder firmierten. Der erste Vorstand setzt sich wie folgt zusammen: 1. Vorsitzender: Guido Reusch, 2. Vorsitzender: Michael Burger, Finanzvorstand: Corinna Kopp, Fachreferat Sport: Hagen Mühlich, Fachreferat Qualitätssicherung: Lutz Leipold. Fachreferat Ausbildung: nicht besetzt. Kassenprüfer: Jo Konrad.

Die meisten DGV-Gründer sind seit längerem immer wieder als Kritiker des DHV öffentlich aufgetreten, darunter auch Vertreter der sogenannten DHV-Mitgliederinitiative von 2008. Damals wollten einige aktive Piloten den DHV von innen heraus erneuern, weil sie dessen Verwaltungsstrukturen als verfilzt, interessenkollidiert und kompetenzbemängelt sahen. Diese "Palastrevolution" wurde aber in jenem Jahr auf der Jahreshauptversammlung des DHV im Keim erstickt.

Nun soll offenbar mit dem DGV die Revolution von außen kommen. Als Ideen gibt es da u.a.:
  • Aufbau eines Bewertungsportal zu Gleitschirmen und Gurtzeugen von Piloten für Piloten. Als Vorbild sollen dabei Verbraucher-Bewertungsportale wie z.B. HolidayCheck.de dienen.
    Anm: Ob dieser Ansatz im Gleitschirmsektor funktioniert? Die unzähligen markenfetischistischen Berichte in den Gleitschirmforen machen da wenig Hoffnung.
  •  E-Learning-System zur Lizenzprüfung
    Anm: Ob das die Ausbildung verbessert? Viel wichtiger wäre m.E. eine stärkere Integration der Theorie in die Praxis, wie z.B. Wetterkunde täglich "live" am Startplatz.
Sicher hat die Gründung des DGV aber auch etwas positives. Konkurrenz, und ist sie auch noch so klein, belebt bekanntlich das Geschäft, weil beide Seiten gezwungen sind oder zumindest angeregt werden, ihre eigenen Produkte zu hinterfragen. Die ersten großen Fragezeichen werden schon Anfang 2013 auftauchen, wenn die Zukunft der Zertifizierung von Gleitschirmen und der Kontrolle von Prüfstellen neu geregelt wird, und damit auch der DHV (ob mit oder ohne DGV) seine Rolle neu definieren muss.
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