Enzogate: Die Luft wird dünner

Beim PWC Superfinale gewinnen Enzo-2-Piloten einen Task nach dem anderen. In der Gesamtrangliste sind derzeit nach Task 7 auf den ersten zehn Plätzen neun Enzo-2-Piloten zu finden. Doch dieser sportliche Erfolg wird weiterhin durch "Enzogate" überschattet. Und mit jedem neuen Tag, an dem sich die Diskussionen darüber hinziehen, ob Ozone mit einer verlängerten Hinterkante zu schummeln versucht hat, wird die Luft für Ozone etwas dünner.

Zwar muss, solange nichts eindeutig aufgeklärt oder bewiesen ist, die Unschuldsvermutung gelten. Doch es wäre zugleich auch zu erwarten, dass Ozone alles daran setzen würde, eine schnellstmögliche Aufklärung zu erreichen - zumindest wenn es sich tatsächlich um einen Messfehler oder Datenübertragungsfehler auf Seiten der Zertifizierungsstelle Air Turquoise handeln sollte. Es steht zu viel auf dem Spiel, als dass man dort nicht auf ein schnelles Nachmessen des eingelagerten Musters drängen würde. Denn hätte die Halbflügel-Hinterkante des eingelagerten Testmusters auch 6812 mm Länge, wären alle Zweifel beseitigt.

Ozone garantiert die Konformität. // Quelle: Facebook
So aber bleiben die Zweifel und werden sogar noch genährt. Der PWC-Videofilmer Philippe Broers hat ein Video ins Netz gestellt (s.u.), das ein Pilotenmeeting beim Superfinale dokumentiert. Darin erklären die PWC-Verantwortlichen unter anderem, dass sie Ozone dazu drängen mussten, die schriftliche Garantie der Konformität der Enzo-2-Schirme mit dem eingelagerten Muster abzugeben. Ursprünglich hatten die Ozone-Konstrukteure Luc Armant und Russel Ogden in einer ersten Erklärung nur versichert, dass die Enzo-2 die EN-D-Norm einhalten. Das aber wollte das PWC-Kommittee nicht akzeptieren.

Wie stark "Enzogate" bereits an der Reputation von Ozone zu rütteln beginnt, zeigt sich an diversen Einträgen von Piloten in Foren, Blogs und Facebook. Dort heißt es beispielsweise, dass man den Marketingspruch "Black Sheep Technology", mit dem Ozone nach den Diskussionen über seine Schirme mit Carbonstäbchen kokettierte, ja auch in einem anderen Licht sehen könnte. Auch die von Ozone gerne bemühte Formel der "true performance" ihrer Schirme könnte der Firma, so sie denn wirklich der Schummelei überführt würde, noch auf die Füße fallen. Schon werden Fragen aufgeworfen, ob Ozone, falls man dort wirklich so freizügig mit dem Begriff Toleranz umgehen sollte, sich ähnliche Freiheiten auch bei anderen Schirmmodellen erlaubt?

Absehbar ist freilich auch, dass die von "Enzogate" ausgelösten Diskussionen sich nicht auf Ozone beschränken werden, sondern die ganze Branche betreffen - egal wie der Ausgang des laufenden Verfahrens ist. Der Vorfall hat vielen Piloten erstmals vor Augen geführt, dass die EN-Norm den Herstellern nach einer Zertifizierung gewisse Freiheiten lässt, welche die Hersteller im Rahmen ihrer eigenen Herstellerverantwortung selbst einschätzen dürfen. Das trägt nicht zum Vertrauen in die EN-Norm bei, sondern zwingt die Piloten dazu, sich verstärkt auch Gedanken darüber zu machen, wer denn der "Hersteller ihres Vertrauens" ist. Vielleicht werden das ja in Zukunft verstärkt solche Hersteller sein, die vorab mit großer Transparenz kommunizieren, mit welchen Toleranzen sie ihre Schirme produzieren.


Governador PWCA statement-SD 480 p from Philippe Broers on Vimeo.
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3 Kommentare:

JP Philippe hat gesagt…

Naja,

den Zettel hatte ich ja schon in dem respektiven Post von Dir erklärt. Das Video ist am 20.01. aufgenommen, also nicht neu.

Für mich ist "Schummeln" einigermaßen vom Tisch. Wie es aussieht sind ALLE ausgelieferten E2 falsch gebaut. Wenn der Schirm nun die Zertifizierung verlieren sollte, wird Oz die zurücknehmen müssen (wesentliche Produkteigenschaft nicht erfüllt und so..). Den Schaden in Euro für Ozone kannst Dir bei mehr als hundert Schirmen ausrechnen.. Schummeln? Um den Preis?

Anonym hat gesagt…

Hallo lu-glidz

Es gibt zwei Dinge, die ich hier loswerden will.

1. Einerseits ist es ja gut, wenn undurchsichtige Vorgänge ans Licht der Öffentlichkeit gehoben werden. Sei es durch Journalismus, von Mund zu Mund oder dann halt durch Blogs, wie diesen hier.

2. scheinen mir die Fakten bis auf die gemessenen Masse an den Schirmen im Wettbewerb und die Masse der beim PWC vorhandenen Stückliste, etwas zu dünn zu sein, um von einem Enzogate zu sprechen. Das meiste sind reine Spekulationen, von Menschen, die tausende von Kilometern weit weg von der Sache sind, oder sonst keine Einsicht in irgendwelche Baupläne haben.

Deshalb finde ich es doch sehr überrissen, hier von Enzogate zu sprechen. Der DHV hat ja schon schön zurück buchstabiert...

Warten wir doch das Ergebnis der Nachmessungen des Referenzgerätes ab und urteilen dann, ob das oder der "gate" dann zum "gate" für Ozone, oder den vorverurteilenden und spekulierenden Journalisten, Bloggern und dem DHV wird.

Wünschen tue ich einen solchen eigentlich niemanden.

In diesem Sinne also: Abwarten und Tee trinken.

LG Rolf von Arx

Lucian Haas hat gesagt…

Lieber Rolf,

die Nachmessungen von Zoller haben laut XC-Mag bereits ergeben, dass das Testmuster eine 30-40cm kürzere Eintrittskante besitzt.

Die Frage ist, wie der gesamte Wettbewerbszirkus damit umgeht und welche Schlüsse daraus gezogen werden.

Dieser Vorfall wird nicht spurlos in die Geschichte eingehen, sondern viele noch kommende Diskussionen prägen.

Natürlich kann man über die Vokabel "Enzogate" streiten. Aber es ist ein Sinnbild dafür, dass hier Handlungen stillschweigend unter den Teppich gekehrt werden sollten und nun aufgearbeitet werden.

Ozone steht dabei zwangsläufig im Vordergrund. Doch letztendlich geht es um viel mehr.