CIVL Jahrestagung: Kommt die Competion Class?

Am heutigen Mittwoch hat in Kuta Bali, Indonesien, die diesjährige Jahrestagung der Gleitschirm- und Drachenflugsektion CIVL der FAI begonnen. Der spannendste Punkt auf der Tagesordnung des fünftägigen Meetings ist die Entscheidung, ob die Teilnehmer für die Einführung einer CIVL Competition Class (CCC) stimmen. Angesichts der Enzogate-Affäre ist der Druck deutlich erhöht, hier zu einer Einigung zu kommen, um Sicherheits- und Zulassungsdiskussionen rund um die Race-to-Goal-Wettbewerbe aus der allgemeinen Gleitschirmfliegerei fern zu halten.

Den Delegierten liegt ein Regelvorschlag für die Definition einer CCC vor. Das Papier wurde von einer Arbeitsgruppe noch kurz vor der Tagung in einigen Punkten verändert und ergänzt. So soll künftig für CCC-Schirme unter anderem nicht mehr wie noch im ersten offiziellen Entwurf geplant eine [schwer zu überprüfende] Höchstgeschwindigkeit von 65 km/h gelten. Stattdessen soll der Beschleunigungsweg (das Herabziehen der A-Leinen) auf 20 Zentimeter begrenzt werden, was eindeutig messbar ist.

Auch die jüngsten Erkenntnisse der Enzogate-Affäre sind in den CCC-Vorschlag eingeflossen. Künftig sollen nicht nur Leinen, Tragegurte und Außenmaße des Flügels gemessen werden, sondern auch die Position der Leinenaufhängungen an der Kappe. Für die CCC-Testprozedur soll die fotografische Dokumentation der Messergebnisse vorgeschrieben werden. Der aktualisierte CCC-Regelvorschlag steht auf der CIVL Homepage als pdf  zum Download zur Verfügung.
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5 Kommentare:

Sebastian hat gesagt…

Geschwindigkeitsbeschränkung der Wettbewerbsschirme ist das A und O der Sicherheit.

20cm konstruktiv beschränkter Beschleunigerweg... Und wenn man einfach langsam die As über dem Beschleuniger herunterzieht? Dafür gibts doch die Faltleinen, weil der Schirm sonst nur immer schneller wird statt zu klappen? Gut, hab ich die Hände nicht mehr frei zum steuern und bin evtl. ziemlich weit aufgerichtet. Aber ich hole noch den ein oder andern km/h heraus, wenn ich mutig bin.

Man kann die Geschwindigkeitsbeschränkung eines Gleitschirms soweit ich das verstehe nur über die maximale Flächenbelastung regeln. Das ist ja gerade die Kunst des Konstrukteurs, der bei gleicher FB mehr Speed rausholt.
Damit das in der Praxis funktioniert kann man die Flächenformel des CIVL Dokumentes nehmen, die Anhängelast kann man wiegen. Nun sollte man m.E. zusätzlich einen minimalen Bogen des Schirmes definieren, damit die Konstrukteuer nicht Querverstrebungen reinmogeln. Das kann man indem man den Abstand der Kalotte zum Tragegurtöhr vom Punkt Stabi und vom Punkt Kalottenmitte mißt und sich ein geeignetes Verhältnis dazu ausdenkt.

Wenn man mit der Flächenbelastung und dem Bogen konservative Ausgangswerte nimmt, so wie das ja das Dokument sowieso schon macht, kann man mit dem Rest der Kappe machen was man will, es gibt einen physikalisch absoluten Maximal-Speed. Den muss ein Konstrukteur allerdings erst einmal erreichen.

Armin Harich hat gesagt…

Das gibts EN-CC Schirme, bei denen A und B sehr nahe beieinander liegen muss für gutes Top Speed. Viel Spaß beim Sackflug der dann noch noch leichter kommt. 3-Leiner machen dann gar keine Sinn weil sich nicht direkt Gas geben können, ...

Irgendwie ist das alles kein Lösung, sondern nur eine Verschlimbesserung. Wobei Schlimm sogar vorne steht.

Schmetterlinge mache auch kein Race, wo es auf Sekunden ankommt.

Ich fliege da lieber weiter XC. Da sind andere Sache viel wichtiger als ein paar Sekunden schneller zu sein.

stephan stieglair hat gesagt…

20cm beschleunigung.....
zum vergleich haben die jetzigen ca. 15cm. das würde einen massiven geschwindigkeitszuwachs bedeuten. also ähnlich der alten offenen schirme. nicht gerade etwas für die sicherheit....
der speed würde sich aber definieren durch den abstand der aufhängepunkte von A zu B. also der schirm der die B weiter vorn hat, würde dann auch schneller gehen.

vielleicht haben sie das drüberdrücken jetzt schon miteingerechnet ;)

stephan stieglair hat gesagt…

noch was...
habs mir kurz durchgelesen, aber keine anpassungen für streckung oder andere größen gefunden. ...
da haben sie nicht bedacht, wenn nun ein schirm streckung 8 oder 7 hat. der höher gestreckte schirm hat weniger profiltiefe also auch weniger abstand zw. A zu B also beschleunigt mit 20cm mehr.
das gleiche wäre dann bei kleinen größen. ein xs wäre immer schneller als ein xl...
das ganze scheint mir nicht sehr durchdacht zu sein....

Lucian Haas hat gesagt…

Noch ist das nur der Vorschlag, nicht die von der CIVL abgenickte CCC-Norm. Darüber wird in Indonesien noch debattiert. Man sollte mal abwarten, was in der Endfassung steht (wenn sie überhaupt durchkommt). Klar ist nur eins: Jede Form der Regelfestlegung birgt automatisch auch ihre Schlupflöcher und Interpretationsmöglichkeiten.