Enzogate: DHV misst weitere Ozone-Schirme nach

Der DHV wird an diesem Donnerstag verschiedene Schirme aus der in Deutschland verkauften Serienproduktion des britisch-französischen Herstellers Ozone überprüfen. Dafür werden sie mit den bei der Zertifizierungsstelle Air Turquoise in der Schweiz eingelagerten jeweiligen Testschirmen verglichen. Die Messungen sollen zeigen, ob Ozone über den bereits durch eine verlängerte Hinterkante und versetzte Leinenaufhängungen auffällig gewordenen Wettbewerbsschirm Enzo 2 hinaus noch andere Serienschirme mit abweichenden Bauplänen produziert hat.

"Uns geht es darum, der sich abzeichnenden Verunsicherung bei den Ozone-Piloten klare Fakten entgegensetzen zu können. Und natürlich auch darum, im Rahmen unserer Aufsicht als Beauftragter, zu überprüfen, ob die in Deutschland fliegenden Ozone-Schirme musterkonform sind", sagt Karl Slezak vom DHV. Zwei Mitarbeiter vom DHV-Referat Sicherheit und Technik würden diese Überprüfung zusammen mit Vertretern von Ozone und Alain Zoller, dem Chef von Air Turquoise, vornehmen.

Im Verlauf der Enzogate-Affäre waren Gerüchte aufgekommen, Ozone könnte weitere nicht musterkonforme Schirme auf den Markt gebracht haben. Ozone-Chef Mike Cavanagh wies derlei Vorwürfe als haltlos zurück. Der Herstellerverband PMA regte daraufhin beim DHV an, entsprechende Kontrollen einzuleiten. Denn eine weiter brodelnde Gerüchteküche über mangelnde Maßhaltigkeit und EN- bzw. LTF-Konformität von Schirmen sowie der damit verbundene Vertrauensverlust könnte  letztendlich der gesamten Branche schaden.

Zugleich erging auch von Ozone-Vertretern selbst die Bitte an den DHV, in dieser Sache tätig zu werden. Für Ozone wäre ein positiver Ausgang der Schirmvergleiche wichtig, um einen möglichen Imageschaden von der Marke abzuwenden.

Überprüfungen sind für eine Reihe von Schirmen aus der aktuellen Ozone-Modellpalette wie Buzz Z4, Rush 3 und Delta 2 geplant. Dabei geht es nur um Messvergleiche, es werden keine praktischen Flugtests mit den Schirmen gemacht.

Ozone hofft, mit positiven Ergebnissen der Messvergleiche einen Schlussstrich unter die seit Wochen laufenden Enzogate-Diskussionen ziehen zu können. Parallel strebt der Hersteller eine neue Zertifizierung des Enzo 2 in der Serienfassung an. Aus Ozone-Kreisen heißt es, dass die entsprechenden Testflüge bei Air Turquoise voraussichtlich noch in dieser Woche abgeschlossen werden könnten.
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3 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Nennen wir den Vorgang mal "Erweiterung der Musterprüfung". Kommt bei den Motorschirmen ständig vor, da werden Luftschauben einfach ausgetauscht, Aufhängungspunkte verändert usw. na und? Der DULV glaubte auch mal er sei für diese Erweiterungen als beauftragter Verband zuständig, er hat einen Motorschirm einkassiert und überprüft, dafür wurde der DULV dann verurteilt: www.motorschirm-verband.de/lba-ps/doks/Beschluss-VGH-Mannheim.pdf

Wenn Ozone den DHV natürlich privatrechtlich um Unterstützung bittet, quasi einen Auftrag erteilt um alles zu überprüfen und dem DHV den Aufwand anschließend auch noch bezahlt, so ist das ja okay. Zuständig ist der DHV lt. Beauftragung nicht und das wurde in dem ähnlichen Fall per Gericht (sieh o.g. Link) bereits beim DULV festgestellt.

Hat eigentlich schon mal jemand die Beauftragungsverordnung gelesen? Nein?! Voila, der DHV überschreitet gerade im Namen der Sicherheit und Verunsicherung seine Zuständigkeit. Wer sagt denn eigentlich das es in diesem Fall um Sicherheit geht?

Ohje, Ohje Bernd

4891ms1984 hat gesagt…

Prüfen darf der DHV also und nachprüfen nicht? Zudem fliege ich einen Ozone Schirm den aktuellen Mantra M6 und ich möchte schon wissen, ob ich da ne Tüte fliege die EN/LTF zertifiziert ist und dem Testmuster entspricht. Und Bernd, verunsichert bin ich erst seit dem klar geworden ist, dass die Hersteller ihre Schirmnormen zu weit auslegen. Sensibles Thema, also sollte man auch sensibel beurteilen.

Grüße
Marco

Anonym hat gesagt…

Also verglichen mit dem was in der Motorschirmszene läuft, ist die Enzo2 Story wirklich völlig unerheblich.

Bei den Motorschirmen werden nicht nur Aufhängungspunkte an der Pilotenaufhängung geändert, es werden Trimmung und ganze Leinensätze geändert. Propellerdurchmesser werden geändert (ohne anschließend erneut eine Lärmmessung zu fliegen), Zusatztanks montiert, Motorleistung gesteigert etc.

Wo fängt es an, wo hört es auf?

Es ist eine Angelegenheit zwischen Hersteller (Inverkehrbringer) mit seinen zugesicherten Produkteigenschaften gegenüber seinen Kunden. Updates sind doch toll, schön das der Hersteller ständig weiterentwickelt.

Die Erweiterung der Musterprüfung macht der Hersteller ohne Prüfstelle, er ergänzt ggf. seine Betriebshandbücher und informiert seine Kunden.

Der Hersteller ist bei den deregulierten leichten Luftsportgeräten kleiner 120kg Leermasse nicht mal verpflichtet "seine" Prüfstelle über technische Änderungen zu informieren (bei den Luftsportgeräten über 120kg Leermasse ist dies verpflichtend).

Das Gesetz ist wie es ist, dereguliert ist eben dereguliert, mit allen Vor und -Nachteilen.

Würde mich freuen, wenn Ozone ausschließlich nur noch französische DGAC Prüfungen bei ihren Produkten machen würden.

Bernd