Enzogate: Eine lose-lose-lose Situation

Als wäre die Diskussion um Enzogate und die Zulässigkeit der verlängerten Hinterkante des Enzo 2 von Ozone nicht schon kompliziert und verfahren genug, sorgen sehr traurige Nachrichten aus Mexiko für neue Turbulenzen. Beim Training im Vorfeld zum eigentlich heute startenden PWC-Wettbewerb im mexikanischen Valle de Bravo ist ein Pilot ums Leben gekommen. Er soll laut Angaben von Piloten vor Ort mit einem Enzo 2 geflogen sein. Nähere Details zu Unfallursache und -hergang liegen noch nicht vor. Der heutige offizielle Trainingstag des PWC wurde gecancelt.

Der Vorfall erscheint wie die bittere Ironie einer Geschichte, die auch deswegen schon so lange auf vielen Flammen vor sich hin köchelt, weil niemand Verantwortung übernimmt:

- Ozone steht nicht offen zu seinem aufgeflogenen Versuch, eine Regellücke zum eigenen Vorteil auszunutzen. Bis heute ist auf der Homepage kein klares Statement dazu zu lesen.

- Die PWC-Organisatoren folgen nicht ihren eigenen Regeln und lassen es zu, dass im Superfinale Schirme fliegen, die baulich nicht dem zertifizierten Testmuster entsprechen. Stattdessen werden nur die Ergebnisse als vorläufig erklärt. Angeblich sollen die Schirme der Sieger einem Nachtest bei Alain Zoller unterzogen werden. Doch der hat nach eigenen Angaben bisher keinen der Schirme erhalten. Die Unsicherheit wird verschleppt.

- Die Piloten beim PWC üben sich ebenso in Zurückhaltung. Warum verlangen die Enzo-2-Besitzer nicht von Ozone, einen eindeutig zertifizierten Schirm geliefert zu bekommen? Warum starten die Nicht-Enzo-2-Besitzer bei einem Wettbewerb, bei dem Organisatoren die eigenen Regeln nicht durchsetzen?

Begründet wird all die Rücksichtnahme von vielen damit, den "schönen Sport" oder den "tollen Wettbewerb" nicht kaputt zu machen. Wer auf die andere Seite der Medaille verweist, wird schnell als Miesmacher bezeichnet. Leider hat sich Enzogate mittlerweile zu einer lose-lose-lose-Situation für alle Beteiligten entwickelt.
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7 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Der schöne Wettbewerb wurde doch schon lange kaputtgemacht, und zwar mit dem Superfinal-Quatsch und EN-D. Heute ist der PWC statt Weltcup nur noch Trostpreis, eine Art Weltmeisterschaft ohne FAI-Weltmeistertitel.

Luki hat gesagt…

Name vergessen, sorry!

André Bussmann hat gesagt…

Was viele nicht verstehen ist der Wettbewerb wurde nicht durch die EN-D klasse kaputt gemacht. Er wird durch die tödlichen Unfälle kaputt gemacht. Wieso hat man versucht die Open Klasse eliminiert? Sicherlich nicht um den Wettkampfpiloten zu diskriminieren, nein um ihn zu schützen. Ernsthaft wieso können keine Wettkämpfe mit der EN-A Klasse ausgetragen werden? Das liegt sicher nicht an dem Material sondern an den Wettkämpfern. Es ist einfach nicht Cool so einen Schirm zu fliegen. Klar ist das Flug Gefühl anders aber die Spannung würde genau gleich hoch sein. Man kann sich dann halt nicht von der Allgemeinheit abheben. Ist das aber Menschenleben wert? Die Allgemeinheit würde auch dann am meisten von der Entwicklung am meisten profitieren da sie jedem zugutekommt. Wenn da bloss nicht das EGO der Gleitschirmpiloten wäre!!!

Alfredo Briccola hat gesagt…

Hallo André
Formel eins Rennen werden auch nicht mit enem Cinque Cento ausgetragen. Kein F1 Bolide ist Strassenzugelassen. Hat das was mit dem Ego der Rennfahrer zu tun?

Abgesehen davon ist die sog. EN-D-Wettkampfklasse für den ganzen Sport eher schädlich als nützlich. Eine nachvollziehbare Einstufung in A-D wird dadurch verwässert (da soll es ja Abhilfe geben 2015).

Ich selbst fliege einen 2010er Open Class und bin happy damit. Damals wusste jeder, dass diese Schirme eben NICHT zertifiziert sind. Wer Wettkampf flog wusste das eh. Und für alle anderen gab es schon A-D und das war gut so.

Ich gehöre im Übrigen zu einer Generation, die «nicht beschützt» durch die Kindheit kam (z.B. weder Helm noch Protektoren zum Velofahren) und hab's trotzdem überlebt. Der Beschützer-Wahn kann auch übertrieben werden.

Cool ist doch immer das, was man selbst für Cool hält. Für mich ist es, einen geilen Flug zu erleben, wurscht ob in der Open Class oder eben an einer Anfängerschaukel. Wettkämpfer haben andere Prioritäten. Denn wo Wettkampf ist, geht's ums Gewinnen. In jeder Hinsicht. Nicht nur für's Ego. Und da wird immer mal der Eine oder Andere versuchen, sich einen Vorteil zu verschaffen. Oder eben seine eigenen Grenzen zu überschreiten. Unabhängig von jeder Klassen-Einteilung der Geräte.

André Bussmann hat gesagt…

Hoi Alfredo
Es wird ja immer mit der Formel 1 verglichen. Also dann machen wir das doch so. Es sind nur noch 24 Piloten am Start und jeder dieser Piloten haben eine spezielle Lizenz wie sie die Formel 1 Fahrer auch haben. Weiter könnten die Formel 1 Autos weit über 1000PS haben wenn man sie nicht einschränken würde. Auch der Aerodynamische anpressdruck wäre um ein vielfaches höher wenn man den Formel 1 Ingenieure einfach freien lauf lassen würden. Wo siehst du nun parallelen zu dem Wettkampf Gleitschirmsport?.

Alfredo Briccola hat gesagt…

Hallo André

Kein Problem mit Deiner Ansicht. Hat was mit der F1. Kann ich auch nachvollziehen. Aber um in der F1 mittun zu dürfen, musste einer schon in anderen Liegen ganz doll drauf sein. Und da sind nur gewisse Regeln anders, aber es sind selten strassenzugelassene Geräte im Einsatz. Ist aber ein ganz anderes Thema und nur als Metapher zu gebrauchen. Vielleicht braucht's halt eben künftig eine «licence to compete».

Trotzdem ist der vergleich erlaubt. Ich mein, welchen Bewerb im PG würdest Du sonst noch mit der F1 vergleichen????

Abgesehen davon lag mein Hauptaugenmerk des Kommentars ja auf der voll-bescheuert-blöden Idee, Wettkämpfe auf höchstem Niveau mit sog. EN-D Schirmen durchzuziehen. Und auf Deiner Meinung, das Reglement will nur die Piloten schützen. Das mit EN-D ist, es sei mir der Ausdruck gestattet, «Voll Bullshit»! Weil dadurch die EN-D Klasse (im kommerziellen Verständnis) verwässert wird! Ist nun EN-D nur Wettkämpfern vorbehalten und für uns Normaldeppen geht's nur noch bis en-C und dann ist's aus oder wie? Das ist doch echt Käse. Muss ich denn heute wirklich wissen, dass EN-D noch OK mit 3 Leinern ist für «Normalos» aber wehe es sind 2-Leiner. Puh, dann ist aber Feierabend oder wie?

Nee, echt, Beschützerinstinkt hin oder her: entweder ich kann mich auf das verlassen, was die Normen sagen oder ich bin eben in einer noch schlimmeren Situation als vor EN-D für Wettkampf-Schirme. Da wusste ich wenigstens, das mein Ofen (R10) nicht zertifiziert ist. Und ich konnte und durfte selbst entscheiden, «how or if I take the risk or not». Aber so lange hier rumgeschwurbelt wird, in einer Klasse für «normal zertifizierte Piloten», ist meiner Meinung nach die Situation schlimmer geworden und keinesfalls besser. Zudem würde ich behaupten, hat sich in der Wettkampfszene bez. Schummeln und so nix geändert. Es wird einfach, wie eben in der F1 auch, auf höchstem Niveau geschummelt. Gut für die Mehrheit von uns ist das sicher nicht.

Joerg hat gesagt…

Ich stimme Alfredo zu. Wenn sich jemand unter einen Wettkampfvogel hängt, dann sollte er wissen was er sich damit angelacht hat.
Im Wettkampf, egal in welcher Form, ist immer schon das Auslegen von Regeln oder Vorschriften eine Sache von einer gewissen Fantasie gewesen. Und es ist auch nicht verwerflich.
Und immer schon gingen Wettkampfpiloten andere Risiken als Justforfunpiloten ein. Dass gelegentlich mal einer dabei runter fällt, ist nicht gut, aber gehört leider dazu.
Ich bin der Meinung, dass im Weltcup, oder bei Weltmeisterschaften so gut wie nicht reglementiert werden sollte. So können sich die besten Piloten untereinander messen. Und der, der den besten Schirm am besten fliegt, wird gewinnen. Allerdings wäre sowas wie ein "Superlizenz" schon sinnvoll, dass nicht jeder
Hausbergflieger so einen Supervogel kaufen kann.