Enzogate: Ozone interpretiert die EN

Mehr als einen Monat nach dem Aufflammen der Enzogate-Affäre hat erstmals Ozone-Chef Mike Cavanagh mit einem persönlichen Statement auf der Ozone-Homepage Stellung bezogen. Darin entschuldigt er sich, auch im Namen des Ozone-Teams, für die Aufregung und den Ärger, den Ozone den Piloten verursacht hat.

Ozone habe nur den besten Enzo 2 für die Wettbewerbspiloten bauen wollen - innerhalb der EN-Vorgaben. Es sei aber ein Fehler gewesen, bei der Auslegung der EN-Regeln so weit zu gehen, ohne vorher zu checken, ob die eigene Interpretation auch allgemein akzeptiert würde.

Das Statement hat bereits für neuen Aufruhr bei anderen Herstellern gesorgt. Denn mit seinen Aussagen gesteht Ozone eine ungewöhnliche Interpretation der EN ein (s.u.). Mit anderen Worten ausgedrückt, hielt es Ozone offenbar für zulässig, einen Schirm nach EN zu zertifizieren, ihn dann aber auch abweichend vom Testmuster zu bauen, solange der Hersteller nach seinen eigenen Tests zur Einschätzung kommt, dass der Schirm mit den vom Hersteller laut EN selbst festlegbaren "Toleranzen" noch immer klassenkonform reagiert.

Das Problem an dieser Sichtweise ist: Ein solches Vorgehen stellt eine Selbstzertifikation dar, unter dem Deckmantel der EN. Würde so etwas akzeptiert, wäre jedes Zertifikat einer offiziellen Musterprüfung Makulatur.

Unter den Mitgliedern des Herstellerverbandes PMA laufen bereits Diskussionen darüber, ob sich Ozone diese Form der Interpretationsfreiheit undefinierter Toleranzen in der EN auch bei anderen Schirmmodellen erlaubt haben könnte. Es gibt Forderungen, wie beim Enzo 2 Serienschirme anderer EN-Klassen mit den eingelagerten Testmustern zu vergleichen. Sollten dabei Abweichungen auffällig werden, könnte sich Ozone zwar im Rahmen der EN immer noch auf nicht explizit festgelegte Toleranzen berufen. Allerdings sind die meisten Ozone-Schirme auch nach der deutschen LTF zugelassen, und die ist, was die Forderung nach Identität der Bauform von Zulassungsmuster und Serienschirm betrifft, eindeutig. Im Extremfall könnten ganze Modellserien vom Luftfahrtbundesamt gegroundet werden.

Ob es tatsächlich zu solchen Nachvergleichen kommt, ist noch völlig offen. Allerdings zeigt sich, dass die Einschätzung im ersten lu-glidz-Post zu Enzogate, dass es sich um einen Skandal handelt, dessen Tragweite noch gar nicht abzusehen ist, sich mehr und mehr bewahrheitet.


Das komplette Ozone-Statement im Wortlaut:

To All It May Concern,
I apologise wholeheartedly for the upset we have caused to all pilots, and specifically Enzo 2 pilots.  I and the Ozone team understand that many are angry and we will do everything we can to resolve the trouble we have created.

Our aim was always to produce the nicest Enzo 2 we could for all Ozone competition pilots, within the EN frame. But it was a mistake to push the frame so much without prior checks of how our interpretation would be accepted. Within the EN the manufacturers set the tolerances except for the lines and risers, so we believed the Enzo 2 conformed. Any differences were within the tolerances that our testing of the Enzo 2 had indicated were acceptable.
That all being said, we did make a mistake, we went too far, and we apologise unreservedly for that and we accept we have to work hard to repair the damage we have done in the competition world and generally to our pilots.
We are still working to get the Enzo 2 position clarified for competition, but any Enzo 2 pilot who is unhappy should contact their dealer and we will arrange a full refund as a matter of goodwill. Also, however much you might like the wing we are sorry for the hassles you have endured and ask that any that have directly suffered as a result of losing competition results should also contact me directly here: mike@flyozone.com
Mike, and the Ozone Team
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2 Kommentare:

Sebastian hat gesagt…

Hallo Lucian,
das Statement von Ozone ist zu schwach und zu spät. Du hast das eigentliche Problem schön herausgearbeitet. Wenn die damit durchkommen, kann kein Pilot mehr wissen, ob sein Schirm getestet wurde oder oder diesem schlicht der Meinung des Herstellers nach entspricht.
Ich denke um Ozone noch Vertrauen zu können wäre ein anderes Statement nötig. Denn die Piloten dieser Marke wollen wissen, ob ihr Nicht-Wettbewerbsschirm nach der Zertifizierung noch geändert wurde.
Wenn ja, was genau verändert wurde, wie Ozone solche Änderungen dokumentiert? Ich kann mir vorstellen, dass sie eine Datenbank führen, in der sie die vollständigen Baupläne jedes einzelnen Flügels im Testverlauf und nach Release aufbewahren. Fände ich beruhigend.

Wird ein Hersteller von einer Behörde überprüft? Du hast das LBA erwähnt. Muss ein Hersteller dort irgendwie akkreditiert sein? Reicht ISO 9001 aus, um so etwas sicherzustellen? Darf Hinz und Kunz einen Gleitschirm bauen?

Dasselbe gibts auch bei den Drachenfliegern. Dort hat auch ein Hersteller einmal nach Gutdünken einen Flügel verändert. Und dort haben Weltmeister-Überflieger bei Wettbewerben ebenfalls über starrköpfige Instanzen gemeckert.

Gruß, Sebastian

Anonym hat gesagt…

Wenn man bedenkt, dass Mike vor kurzem noch Verteidiger der EN zertifizierung war und das im folgenden Schreiben sogar damit begründet, dass Schummeln dann schwieriger wird und nebenbei noch vorschlägt, dass Schummler jahrelang gesperrt werden sollen, dann würd ich mir wünschen, dass er dazu jetzt wieder Stellung nimmt:

http://www.dhv.de/web/fileadmin/user_upload/files/2011/07/civl_and_serialclass_cavanagh.pdf

Grüße
Claudio