PMA zieht EN-Zertifikate ohne Akkreditierung in Zweifel

Der Verband der Gleitschirmhersteller PMA hat nun auch in einer öffentlichen Stellungnahme die neue Zertifizierung des Enzo 2 durch die Teststelle Air Turquoise kritisiert - wenn auch sehr verhalten. "Die PMA ist der Meinung, dass es wichtig ist, Piloten und Wettbewerbsorganisatoren auf folgende wichtige Fakten aufmerksam zu machen", heißt es auf der PMA-Homepage. Es folgen schon bekannte Kritikpunkte: Verwendung eines nicht norm-konformen Faltleinen-Setups, nicht ausreichende Klappergrößen, Abweichungen bei den Leinenlängen größer als die EN-Toleranz.

Interessanterweise führt die PMA noch ein neues Argument ins Spiel: "Die europäische Verordnung 765/2008 erfordert die Akkreditierung von Prüflabors entsprechend DIN/ISO 17025 und hat das nationale Gesetz in Deutschland der LBA-Anerkennung von Prüfstellen von Luftsportgerät mit Gültigkeit seit dem 1. Januar 2014 ersetzt. (...) Offizielle EN Musterprüfzertifikate sollten nur von einer entsprechend der europäischen Verordnung 765/2008 akkreditierten Prüfstelle ausgestellt werden." Mit anderen Worten: Die Akkreditierungspflicht der Prüfstellen, wie sie in Deutschland im Rahmen der LTF gefordert wird, muss laut europäischem Recht auch für alle Prüfungen gemäß EN 926-1 und 926-2 gelten.

Folgt man streng dieser Logik, wäre derzeit im Sinne der PMA nur die bereits bei der DAkkS akkreditierte Prüfstelle EAPR rechtlich eindeutig in der Lage, Musterprüfzertifikate nach EN auszustellen. Damit wäre allerdings nicht nur die Gültigkeit des Tests des Enzo 2, sondern auch einiger anderer Schirmmodelle, die seit Anfang 2014 bei Air Turquoise gemäß EN getestet wurden, in Frage gestellt.

Eine direkte Konsequenz aus dieser Erkenntnis ist allerdings nicht zu erwarten. Die PMA hat nach Angaben von Geschäftsführer Hans Bausenwein keine Pläne, die Zulässigkeit der Musterprüfungen ohne Akkreditierung anzufechten und rechtlich überprüfen zu lassen.

So bleibt der Eindruck, die Branche folgt aktuell dem Motto: Benennen, aber laufen lassen - in der Erwartung oder Hoffnung, dass einige der aktuellen Probleme sich von selbst auflösen: Die DAkkS-Akkreditierung soll bald mehr Kontrolle der Prüfstellen bringen. Die neue CIVL Competition Class (CCC) nimmt Wettbewerbsschirme aus der Schusslinie der Diskussionen um die EN-Konformität. Und die Frage danach, wie man die Toleranzregeln in der EN 926-2 praxisgerechter gestalten kann, steht auch schon auf der Agenda der zuständigen Normungs-Arbeitsgruppe WG 6.
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1 Kommentare:

Alfredo Briccola hat gesagt…

Die Krümmung einer Gleitschirmkappe wird wohl bald so normiert sein, wie die Krümmung einer Banane gem. EU-Verordnung. Toll.