PMA zieht Kritik an Enzo 2 Zertifizierung zurück

Der Herstellerverband PMA hat - mal wieder - eine ältere Stellungnahme auf seiner Homepage gelöscht und durch eine neue ersetzt. Während in der älteren die Rechtmäßigkeit der Zertifizierung des Enzo 2 in Zweifel gezogen wurde, ist davon nun nicht mehr die Rede.

Der neue Text ist vielmehr ein Zurückrudern, kaschiert durch den etwas sperrigen Titel: "Konstruktive und positive Stellungnahme der PMA als Hilfestellung zur Lösung der gegenwärtigen Auseinandersetzungen".

Die PMA erkennt nun an, dass es vorübergehend eine teilweise unterschiedliche Auslegung der EN-Flugtestnorm hinsichtlich des Einsatzes [und der Geometrie von Faltleinen, Anm. lu-glidz] geben könne. Der Enzo 2 wird zwar mit keinem Wort erwähnt, doch die ursprünglich erhobenen Forderungen nach einem Nachtest des Enzo 2 sind damit offenbar vom Tisch.

Die PMA erkennt auch an, dass es im Moment kein einzelnes Organ gibt, das die offizielle Weisungsbefugnis über die Prüfstellen hat. Desweiteren drückt die PMA die Hoffnung aus, dass durch die Akkreditierungspflicht es künftig zu einer besseren allgemeinen Kontrolle der Prüfstellen kommt und die Prüfstellen selbst sich untereinander über die Auslegung von Testprozeduren abstimmen könnten.

Gegen das erste PMA-Statement, das das korrekte Vorgehen bei der Zertifizierung des Enzo 2 anzweifelte, hatte Alain Zoller, Chef der Prüfstelle Air Turquoise, Protest eingelegt und sogar rechtliche Schritte angedroht, falls er keine offizielle Entschuldigung für die "schickanierenden Attacken" bekomme.

Anmerkung: Folgt man den klassischen Abläufen politischer Krisen dürfte dieses lasst-uns-doch-alle-wieder-gemeinsam-in-die-hoffentlich-bessere-Zukunft-schauen-Statement der PMA so etwas wie den öffentlichen Abschluss von Enzogate darstellen.
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4 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Ich frage mich ja immer wer diese Statements der PMA eigentlich schreibt - die Putzfrau?

Waren die ersten "Versionen" schon fragwürdig, setzt dieses Statement diese Tradition eindrücklich fort.

>>> in die neue EN-926-2 2014 übernommen wird.

Genaugenommen ist es die EN-926-2:2013

>>>In Zukunft wenn das europäische Akkreditierungssystem zur Anwendung kommt werden die Prüfstellen in ihren Audits von anerkannten Experten der Akkreditierungsgesellschaften kontrolliert. Diese Experten wiederum kann man nur bei den Kunden der Prüfstellen oder bei den Prüfstellen selbst finden.

Kann mir einer mal den Sinn dieser beiden Sätze erklären? Wo sind jetzt die Experten? Sind es die anerkannten (!) Experten von der DAkkS oder gibt es die Experten jetzt NUR bei den Kunden (PMA Mitgliedern) oder Prüfstellen?

>>>ein System von „Peer Evaluation“ (Beurteilung unter Gleichrangigen).
>>>Das bedeutet dass sich die Prüfstellen von Zeit zu Zeit treffen sollten um sich darüber zu einigen wie einzelne Tests auszulegen sind.


Nein das heisst es nicht. Wenn man die zugehörige EU-Verordung liest, gegt es bei "Peer evaluation" eindeutig um die Akkreditierungsstellen wie DAkkS, COFRAC, UKAS und wie sie alle heissen und NICHT um die Prüfstellen.

aus der EU-Verordnung:

16. ‘peer evaluation’ shall mean a process for the assessment of a national accreditation body by other national accreditation bodies, carried out in accordance with the requirements of this Regulation, and, where applicable, additional sectoral technical specifications;


Wenn man so an die Qualität der letzten PMA Statements zurückblickt, kann man der PMA nur raten sich auf die ureigenen Aufgaben zu beschränken oder sich zumindest professionelle Hilfe bei der Auslegung von Rechtsvorschriften und dem Verfassen von öffentlichen Stellungnahmen zu holen.


Otto

Anonym hat gesagt…

Alternativ könnte man der PMA auch raten, sich aufzulösen. Wer braucht diesen unnützen Verein?

Jörg

Anonym hat gesagt…

Ich wäre auch dafür das sich die PMA auflöst, selten soviel Schwachsinn gehört wie von der PMA.

@Otto, professionelle Hilfe für die PMA ist gut:-)

In einem Segelfliegerblock wurde der Quatsch mit der dakks mal auf den Punkt gebracht:

http://www.ul-segelflug.de/blog/338-wachkoma-oder-totgeburt-120-kg-klasse-im-w

T-Bag

Anonym hat gesagt…

@T-Bag

Naja, das mit der DAkkS wäre ja im Prinzip keine schlechte Idee. Hat ja gerade Enzogate wieder sehr deutlich gezeigt,dass eine bessere Kontrolle der Prüfstellen durchaus wünschenswert wäre. Wenn die Prüfstelle(n) ohne weiteres Testmuster mit "Pinches" an der Flügelhinterkante oder Flügel mit Trimmer-Tragegurten (also praktisch im Prototypenstatus) zur Prüfung akzeptieren, liegt doch einiges im Argen und macht die ganze Testerei zur Farce.
Das Dumme mit der DAkks wird aber wohl sein, dass sich das Ganze sehr auf Formularien konzentrieren wird, nur den Papierberg (und die Kosten) erhöhen wird und eben keine qualifizierte Kontrolle stattfinden wird. Also wieder viel Aufwand (und Geld) für nichts.
Leider.

Interessanter Link zu einer anderen betroffenen Luftsport-Sparte.

Und um zum Thema PMA zurückzukommen. Auf "diese" PMA kann ich auch verzichten. Aber die PMA könnte auch hilfreich für Piloten sein. Z.B. Testivals in Regionen dieser Welt zu organisieren, wo es bedeutend schwieriger ist Demo-Schirm zu bekommen als hier, um nur ein Beispiel zu nennen.
Politik spielen ist wohl einfacher. Aber warum sollten die auch besser sein als andere Teile unserer Gesellschaft. :-(

Otto