Die 300er Grenze ist gefallen, gleich doppelt

Das perfekte 325 km FAI-Dreieck von Thomas Walder mit Start und Ziel im Zillertal. // Quelle: XContest.org
Rekordpilot Thomas Walder
Quelle: Xcontest
An diesem Pfingstwochende ist in den Alpen eine dieser magischen Grenzen gefallen, welche die Streckenflugcracks seit Jahren umtreibt: ein 300 km FAI-Dreieck mit dem Gleitschirm. Und das sogar gleich doppelt.

Der Erste war am Samstag der Österreicher Thomas Walder. Er startete um kurz nach 9 Uhr morgens bei Mayrhofen im Zillertal, um 11,5 Stunden später ein 325,7 km, perfektes FAI-Dreieck zu schließen. Turnpoint 1 setzte er in der Nähe des Brenners, Turnpoint 2 beim Geigelstein in Deutschland und Turnpoint 3 am Ende des Gasteiner Tales. Die Strecke "ritt" Thomas dabei mit seinem Ozone Enzo mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von über 28 km/h ab. Perfekte Planung, perfekt umgesetzt. Es ist ein Flug, der über Jahre hinaus Maßstäbe setzen dürfte.

Berni Peßls 300er von der Grente aus. Man achte auf den extrem niedrigen
Konturenflug zu Beginn des dritten Schenkels. // Quelle: Xcontest.org
Am Sonntag legte Bernhard Peßl nach (den lu-glidz erst kürzlich interviewt hatte). Er schaffte zwar "nur" 300,65 km, doch diese Leistung ist aus mehreren Gründen mindestens genauso sensationell wie der Flug Thomas Walders.

Zum einen flog Bernhard einen B-Schirm (Mentor 3), zum anderen war er nach sehr frühem Start vor 9 Uhr mehr als zwölf Stunden in der Luft. Zudem flog er seinen 300er von der Grente bei Antholz aus. Dieser Startplatz, zu dem man nur zu Fuß gelangt, war zwar schon für Dreiecks-Rekordflüge bis knapp 280 km gut, galt damit aber bei Streckenflugexperten als weitgehend ausgereizt. Ein realistisches 300er-Potenzial rechneten diesem Spot nur wenige zu. Der Grund: Südlich des Falzarego-Passes in den Dolomiten ist wegen anstehender schwülwarmer Mittelmeerluft üblicherweise kaum noch Thermik zu finden. Das Absaufen dort scheint fast immer garantiert.

Bernhard Peßl zeigte, wie es dennoch geht. Von einer letzten Basishöhe um 4000 Meter glitt er noch knapp zehn Kilometer nach Süden zum dritten Wendepunkt, um sich schließlich nach argem Saufen sehr tief an die Westhänge des Cordevole-Tales zu retten und im Talwind soarend langsam wieder vorzuarbeiten. Dass er den dritten Schenkel dieses Fluges aus solchen Tiefen noch bis ins Antholzer Tal ziehen und das Dreieck damit schließen konnte, beweist seine Nervenstärke und einmal mehr die Tatsache, dass solche Husarenritte vor allem auch im Kopf entschieden werden.

Es gehört schon enorme Willenskraft dazu, um solche Rekordflüge anzugehen und abzuschließen. Der wahre Streckenpilot zeigt sich aber auch im Antrieb, sich niemals auf seinen Leistungen auszuruhen: Thomas Walder probierte direkt am Tag nach seinem 325er Rekordflug die gleiche Route noch einmal. An dem Tag kam er allerdings "nur" noch auf 263 Kilometer. Am Pfingstmontag legte er abermals nach und schloss ein Dreieck mit 295 Kilometer.  Was für ein Lauf!
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