Test: Selbsttönende Rundumsichtbrille

Selbsttönungsfunktion: Nur die rechte Hälfte der Brille war für ein paar Minuten der Sonne ausgesetzt,
die linke Hälfte steckte testweise in einer schwarzen Hülle.
Wer fliegen geht, der braucht eine gute Brille zum Schutz vor dem Fahrtwind. Die Auswahl ist groß, doch zeigen die meisten Modelle auf dem Markt ein paar Schwächen im Alltag: Getönte Sonnenbrillen erweisen sich bei bestimmten Lichtverhältnissen am Abend oder bei dichterer Bewölkung als zu dunkel. Der breite Rahmen mancher Brillen schränkt die Sicht ein. Und bei geschwungenen, gut anliegenden Gläsern lässt oft die optische Qualität zu wünschen übrig.

All diese kleinen Mängel sollte ein neues Brillenmodell mit der Bezeichnung "Twist Four Shield RL VLM+" nicht haben - zumindest versprach das eine Pressemitteilung des Herstellers Alpina, die in das lu-glidz Emailpostfach flatterte. Selbsttönende, rahmenlose Gläser würden einen ungetrübten Rundumblick wie aus der Kanzel eines Hubschraubers verschaffen, hieß es. Ein Grund, sich einmal ein Testmodell schicken zu lassen und im Fliegeralltag auszuprobieren.

Das Ergebnis: Diese Brille ist einen genaueren Blick wert! Die geschwungenen Kunststoffgläser liefern ein verzerrungs- und nahezu völlig spiegelungsfreies Bild in alle Richtungen. Der fehlende Rahmen ist eine Offenbarung. Er gibt neue Freiheitsgrade vor allem beim schnellen Blick zur Seite und ist in Soaringbedingungen mit erhöhter Schirmdichte ein spürbares Sicherheitsplus. Die Bügel und die Gläser aus Kunststoff sind flexibel genug, um an unterschiedlich breite Köpfe zu passen. Und die Selbsttönung bzw. Aufhellung der Gläser funktioniert gut und ausreichend schnell, um sich bei allen Lichtbedingungen damit wohl zu fühlen. Die erreichbare Tönung wiederum ist moderat und ausreichend kontrastreich, um Fluginstrumente noch jederzeit gut ablesen zu können.

Fast könnte die "Twist Four Shield RL VLM+" so etwas wie die perfekte Allround-Fliegerbrille sein. Dass sie letztendlich nicht mein volles Wohlwollen erlangen konnte, ist dem mangelnden Windschutz geschuldet. Trotz der relativ großen Gläser, deren Neigung zudem in drei Stufen verstellbar ist, um sie näher ans Gesicht anlegen zu können, bilden sich am unteren Rand in allen Neigungsstufen bei Gleitschirmfluggeschwindigkeiten von 30-50 km/h spürbar feine Luftwirbel. Wer etwas zugempfindliche Augen hat, was vor allem für manche Kontaktlinsenträger gelten dürfte, der wird diese Hinterlüftung der Gläser auf Dauer als störend empfinden. In dieser Hinsicht erweist sich der Vorteil des fehlenden Rahmens leider auch als Nachteil. Zudem müsste sich ein potenzieller Nutzer auch mit einem Preis (UVP) von 169,95 Euro anfreunden können (ist im Netz aber schon für knapp 140 Euro zu finden).
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