Der DHV verliert an Einfluss auf die EN

Die EN-Normen, die für die Last- und Flugsicherheits-Tests von Gleitschirmen und Gurtzeugen gelten, werden von einer Arbeitsgruppe namens CEN-WG 6 erarbeitet. Darin sitzen Vertreter aus den verschiedenen europäischen Ländern. Aus Deutschland ist es die DIN Arbeitsgruppe für Gleitschirme. Bisher stand diese maßgeblich unter dem Einfluss des DHV. Doch die Zeiten ändern sich.

In den vergangenen zehn Jahren war Hannes Weininger, Leiter des Technikreferats des DHV, der Obmann der DIN-Arbeitsgruppe. Er wurde in dieser Funktion nun abgelöst von Guido Reusch, dem Chef der Prüfstelle EAPR. Seine Wahl durch die Mitglieder erfolgte mit nur einer Gegenstimme. Reusch wird die Obmann-Position nun für drei Jahre innehaben.

Der Vorgang ist ein kleines Stück Gleitschirmpolitik und -geschichte. Einst war der DHV qua Amt und eigener Definition "die" Stimme Deutschlands bei der CEN-WG 6. Im vergangenen Jahr stießen  die EAPR und Independence als Vertreter der Prüfstellen und Hersteller zur DIN-Arbeitsgruppe hinzu. 2015 wurden auch noch Swing, Skywalk und Icaro als weitere Mitglieder aufgenommen. Damit hat der DHV in diesem Gremium jetzt seine führende Position verloren.

Durch die neue Mitgliederstruktur in der DIN Arbeitsgruppe Gleitschirm bekommen die Hersteller ein größeres Gewicht. "Bislang war die DHV-Politik auch immer gleichzeitig die deutsche Meinung in der WG 6. Ich denke es ist notwendig, dies etwas offener zu gestalten. Pilotenverband, Hersteller und Prüfstellen müssen nun jeweils einen Konsens finden", erklärte Reusch in einer Email gegenüber lu-glidz. Seine Rolle als Obmann sehe er vor allem als die eines Moderators. Die größten Differenzen bestünden zwischen den Herstellern und dem DHV.

Im Streitfall kommt Reusch allerdings auch eine entscheidende Rolle zu. Gibt es bei Abstimmungen in der Arbeitsgruppe eine Stimmengleichheit, hat der Obmann eine zweite Stimme.

Anmerkung: Eine Revolution im Bereich der EN-Normen für Gleitschirme sollte man durch diesen Vorgang nun nicht erwarten. In der CEN-WG6 kochen auch viele Köche den Brei, und schon bisher konnte sich der DHV dort mit manchen seiner Vorstellungen nicht durchsetzen. Dieser kleine Machtverlust im Rahmen der deutschen Arbeitsgruppe könnte den DHV aber darin bestärken, sich als Pilotenverband mit seinen alternativen, verschärften Sicherheitstest von Gleitschirmen weiter zu profilieren.
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2 Kommentare:

Roland Funk hat gesagt…

Was wurde eigentlich aus Reuschs "Gleitschirmverband"?

Daniel Loritz hat gesagt…

"Seine Rolle als Obmann sehe er vor allem als die eines Moderators." - fachlich kann er mit seiner richterlich bestätigten Inkompetenz auch nicht einbringen....
Ein weitere unsäglicher Schritt unserer vermeintlichen Fach-Elite unseren Sport in die richtige Richtung zu lenken. Der Einfluss einer Zertifizierung auf unser täglich Fliegen wird mit solchen Aktionen stetig kleiner werden - dem Sport ist dies leider nicht bekömmlich aber es scheint, dass solchen Machtmenschen wie Reusch und Kurrle nicht anders zu begegnen ist. Macht als solches ist nicht zwangsmäßig schlecht, nur würde es nur etwas bringen, wenn auch entsprechendes fachliches Wissen dahinter stecken würde....