Immer Ärger mit dem Jetstream

Wie das Starkwindband in 10 Kilometer Höhe auch das Wetter am Boden beeinflusst.

Die aktuelle Lage des Jetstreams gemäß des GFS-Modells. Die hier
grün-gelben Zonen der Windspitzen im Jetstream werden Jetstreaks genannt.
Die darin einfließende und ausfließende Luft sorgt für Labilisierung
bzw. Stabilisierung der Luftsäulen bis zum Boden. Diese lokalen
Mini-Tiefs und -Hochs verlagern sich sehr schnell.
// Quelle: Meteociel
Wer hat sich dieser Tage gerade in den Mittelgebirgen mal gewundert, wie sehr die Wettervorhersagen im Detail von einen auf den anderen Prognoselauf springen? Plötzlich wird deutlich mehr oder weniger Wind ankündigt, obwohl sich in der Bodenwetterkarte kaum eine Änderung an den Isobaren ablesen lässt. Oder aus leichter, flugträchtiger Labilität werden mit einem Mal kräftige Schauer und Gewitter. Einer der Gründe für diese Sprunghaftigkeit befindet sich derzeit weit über unseren Köpfen: Es ist der sogenannte Jetstream.

Der Jetstream ist ein Starkwindband in rund 10 Kilometer Höhe, das sich im Kreis von West nach Ost um die Polarregionen windet. Es entsteht, weil die Luftmassen zwischen den warmen Tropen und den kalten Polen bestrebt sind, ihre Temperaturunterschiede auszugleichen. Warme Luft fließt in der Höhe von den Tropen Richtung Pol, wird dann aber durch die Erdrotation nach rechts Richtung Osten abgelenkt. So bildet sich schließlich das lange Band dieses Strahlstroms, das wie eine Grenzwächter zwischen Kalt und Warm wirkt.

Seit einigen und auch noch in den kommenden Tagen liegt der Jetstream als nahezu gerades Band quer über Mitteleuropa, wobei sein Kern über Deutschland im Norden zu finden ist. Und dieser Jetstream hat eine Besonderheit: Auch wenn er in 10 Kilometer Höhe dahin saust, kann er das Wettergeschehen am Boden deutlich beeinflussen. Er sorgt regional für langsam aufsteigende oder absinkende Luftmassen, also für labilisierende oder stabilisierende Bedingungen.

Die Windgeschwindigkeiten im Jetstream sind nicht überall gleich. Es gibt Zonen, in denen es zu einer Verengung des Strahlstroms und damit verbunden zu einer deutlichen Beschleunigung wie in einer Düse kommt. Diese Bereiche werden Jetstreaks genannt.

Dort, wo die Luft in einen Jetstreak hinein oder heraus strömt, kommt es lokal bis zum Boden zu einem Abfallen oder Ansteigen des Luftdrucks. Die Details der Jetstreakzirkulation und seiner Wirkung kann man auf anderen Seiten genauer nachlesen (1 / 2). Hier nur so viel: Befindet man sich auf der südlichen, "warmen" Seite des Jetstreams, muss man vor dem linken Eingang eines Jetstreaks mit Labilisierung, hinter dem rechten Ausgang eines Jetstreaks mit Stabilisierung rechnen.

Jetstreaks sind allerdings keine örtlich festen Gebilde. Vor allem wenn der Jetstream nahezu gerade dahinsaust und kaum mäandriert, laufen die Jetstreaks wie auf einem Förderband in ihm mit. Und dann verschieben auch die damit verbundenen Zonen von Labilisierung und Stabilisierung am Boden genauso schnell ihre Lage: Sonniges Wetter mit Wolkenauflösung wechselt schnell mit dichten, hoch aufschießenden Wolkenfeldern, obwohl der Luftdruck dabei nur um wenige Hectopascal schwankt. Das sind Effekte wie bei einer Front, obwohl sich die Luftmassen selbst dabei nur wenig verändern.

Spürbar wird die schnelle Verlagerung der Jetstreaks auch im Bodenwind. Normalerweise gilt: Je stärker die Luftdruckdifferenzen sind (je enger die Isobaren einer Bodendruckkarte beieinander liegen), desto kräftiger weht der Wind. Dieser Tage sind die Isobarenabstände über Deutschland aber vergleichsweise weit, und dennoch gibt es regional kräftige Windspitzen. Das hat folgenden Grund: Wenn sich ein vom Jetstreak ausgelöstes Mini-Tief am Boden mit dem Streak schnell verlagert, ändern sich die Druckverhältnisse lokal zwar nicht stark, aber schnell. Und auch eine schnelle Druckveränderung kann, obwohl sie in absoluten Werten keine markanten Ausschläge des Barometers auslöst, lokal zu stark anschwellenden Winden führen.

Deshalb ist es interessant, bei Flug-Wetterprognosen im Rahmen der Analyse der Großwetterlage auch einen Blick auf die Position des Jetstreams zu werfen. Je näher man ihm ist, desto eher sollte man damit rechnen, dass einem das Wetter auch einen unverhofften Strich durch die Flugplanungen machen kann. Er herrscht einfach etwas mehr kleinräumiges Chaos in der Atmosphäre.

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