Der ökologische Flugabdruck

Der Kieler Pilot Gunnar Bischof hat einen offenen Brief an alle Piloten verfasst. Er will zu mehr Ökobewusstsein im Gleitschirmsport anregen. 

Wer pro Jahr rund 5000 Kilometer mit einem Mittelklassewagen
in diverse Fluggebiete fährt, bläst rund 1 Tonne CO2 in die Luft.
// Quelle: klimaohnegrenzen.de/
Gunnar Bischof empfindet Gleitschirmfliegen als Privileg, das allerdings nicht nur mit eigenen materiellen Kosten verbunden ist. Deshalb macht er sich Gedanken, welche Auswirkungen er mit seinem Hobby auf die Umwelt hat.

Weite Fahrten in die Fluggelände sind mit einem deutlichen CO2-Ausstoß verbunden. Sollte man das nicht irgendwie ausgleichen? Schirme und Leinen sind Kunststoffprodukte aus Erdöl. Könnten diese vielleicht sinnvoll wiederverwertet werden? Die meisten Gleitschirme werden in Asien genäht, in Fabriken, deren Arbeits- und Sozialbedingungen für den Piloten schwer abzuschätzen sind. Wären Piloten bereit, für einen "fair" produzierten Gleitschirm einen gewissen Aufschlag zu zahlen?

Solche Fragen sind berechtigt, und Gunnar hat seinen Brief an viele Hersteller, aber auch Flugschulen geschickt, um eine Diskussion über das Thema Nachhaltigkeit im Gleitschirmsport anzuregen.

Nachtrag vom 5.4.16: Mittlerweile hat Gunnar Bischof einen eigenen Blog zum Thema gestartet. Auf der Seite www.oekologischerflugabdruck.wordpress.com will er die Diskussionsbeiträge, Ideen und Kommentare sammeln.

Nachfolgend der Brief im Original:

Offener Brief: Gleitschirmfliegen – (m)ein Natursport !?

Liebe Fliegerfreunde,
ich habe lange überlegt wie ich diesen Brief schreiben soll.
Um vielleicht ein paar Missverständnisse zu umgehen stelle ich eine Bemerkung voran: mir geht es nicht um den Zeigefinger, nicht darum Schuld und Verantwortung zuzuweisen oder unwillig meckernd Verbesserungen von Herstellern zu fordern. Dieser Brief soll eine Einladung sein, gemeinsam zu diskutieren, Wissen auszutauschen, Anregungen zu setzen und etwas zu verändern. Ich freue mich darauf Neues zu erfahren und von Euch zu lernen.
Für mich ist Gleitschirmfliegen das reine Privileg, ein Geschenk im Wortsinn. Wenn ich unter meinem Flügel hänge bin ich oft einfach nur glücklich und dankbar, genieße den Augenblick so intensiv. Da ich fast nur am Berg starte und gleichzeitig in Norddeutschland wohne, heißt das für mich erst einmal viele Stunden Anreise mit allem was dazu gehört: der Sprit fürs Auto oder das Flugticket der Billig-Airline. Vorher habe ich einige tausend Euro in Ausbildung und Material investiert um dann diese Momente zu erleben. Die mir unbezahlbar erscheinen.
In den letzten Jahren hat sich bei mir das Interesse an der Natur mit dem Interesse für möglichst ökologische und sozial verträglichen Konsum verbunden. Hinzu kommt der Umweltschutz im Ganzen und auch der Klimawandel. Zunehmend treiben mich diese Fragen auch bei allem was mit dem Fliegen zu tun hat um: ich kann nicht alle Antworten allein finden und bitte Euch um Hilfe.
- Wie umweltfreundlich ist eigentlich unser Fluggerät ? Sicher nicht besonders umweltfreundlich, besteht es doch weitgehend aus beschichteten Kunstfasern und ist damit ein reines Erdölprodukt. Auf der anderen Seite sind durchaus Nutzungsdauern von acht bis zehn Jahren möglich, das ist schon einigermaßen langlebig. Können wir das weiter verbessern, gibt es andere Beschichtungen, Trägermaterialien etc. die vielleicht auch in Frage kommen und das Fliegen ökologischer machen würden? Können wir vielleicht von den anderen Outdoor-Branchen lernen die schon Schritte in diese Richtung unternehmen?
- Was passiert mit unseren alten Geräten und kann man diese wiederverwerten ? Können wir aus recyceltem Nylon, Kevlar, Dyneema wieder neue Gleitschirm-Produkte bauen? Und hätten diese eine bessere Ökobilanz als „Altes-wegschmeißen-Neues-herstellen“? Macht es Sinn alte Schirme, Retter, Gurtzeuge gezielt bei den Herstellern der Materialien zurückzugeben um sie direkt zu recyclen anstatt das Zeug in den Plastikabfall zu werfen?
- Auch mir ist klar, dass Entwickler, Hersteller und Händler mit neuen Modellen ihren Lebensunterhalt bestreiten und Innovationen ermöglichen. Auch ich fliege gerne mit aktuellem Material. Aber ist es wirklich nötig dass ich immer den neuesten Schirm oder das neueste Vario kaufe auch wenn die alte Ausrüstung noch eine Weile zu gebrauchen wäre? Kann ich etwas beitragen indem ich die Produkte wirklich bis zum Ende ihrer Lebensdauer verwende? Kann ich das Geld nicht lieber in Weiterbildung und mein Können als Pilot investieren, ist das nicht ein doppelter Gewinn?
- Wie können wir unsere Reisen und tägliche Fahrten in die Fluggebiete ausgleichen? Allein mein fliegerischer CO2 -Fußabdruck ist katastrophal. Mehrfach im Jahr ca. 1000 km Autofahrt ins Fluggebiet und zurück, die Fahrten zum Startplatz und die eine oder andere Flugreise ins Warme im Winter. Ich persönlich habe beschlossen schonmal die einfachste Art der Wiedergutmachung in Angriff zu nehmen, z.B. über Initiativen wie ATMOSFAIR (www.atmosfair.de) oder Ähnliche. Sicher kann das nicht die endgültige Lösung sein aber es ist schon ein erster Schritt.
- Wie werden unsere Gleitschirme produziert ? Ich vermute, die meisten Produkte vom Gleitschirm bis zum Fliegeroverall werden in Europa entwickelt und gestaltet. Produziert wird wiederum die große Mehrheit in Asien oder zumindest in Ländern mit einer deutlich anderen sozialen und wirtschaftlichen Struktur als bei uns. Die Frage für mich ist: wird mein Gleitschirm in ähnlichen Nähereien und unter ähnlichen sozialen wie ökologischen Bedingungen produziert wie das 5 € T-Shirt in der Ladenkette? Und wenn das so ist: will ich das wirklich? Wenn ich doch gleichzeitig beim Kauf meiner T-Shirts auch bewusst eine andere Entscheidung treffe? Was sind Eure Meinungen, Gedanken und Anregungen zu diesen Fragen? Gibt es vielleicht schon entsprechende Projekte und Initiativen im Gleitschirmsport? Wenn ein „fair“ produzierter Gleitschirm teurer als ein herkömmlicher Gleitschirm wäre: wie viel teurer? Wenn ein durchschnittlicher Gleitschirm irgendwas um die 3200 € kostet, wie viel mehr wären wir bereit als Käufer und Piloten zu zahlen? Haben die Hersteller Einfluss auf die Produktionsumstände? Zuletzt konnte ich bei einem Gleitschirmhersteller lesen, dass eine „Zertifizierung für hohe Produktkonformität und Qualitätsstandards“ erfolgreich etabliert wurde. Finde ich toll – eine für möglichst geringe Gesundheitsrisiken bei der Herstellung der Tücher und faire Löhne für alle Produktionsschritte fände ich noch schöner.
Könnten die Anbieter betreuter Flugreisen ihre Kunden nicht ein bisschen „stupsen“ und die Empfehlung für den CO2 – Ausgleich fett auf die Angebotsseite schreiben?
Für mich sind das ebenso Kernfragen unseres Sports und Hobbys wie die Diskussion um
Leistung, Sicherheit und Weiterbildung. Gleitschirmfliegen bleibt für mich das unfassbare Privileg mich in der Natur frei in der Luft bewegen zu dürfen. Und das praktisch überall auf dieser Welt. Wir müssen aktiv werden damit das so bleibt, finde ich.
Schreibt mir gern unter gubi[ät]posteo.at oder in den gängigen Blogs und Magazinen, ich
bin gespannt auf Eure Sicht.

Liebe Grüße,
Gunnar Bischof
Schauenburgerstraße 49
24105 Kiel


(Der Offene Brief als pdf auf Scribd zum download).
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3 Kommentare:

Marcel hat gesagt…

Für mich ist dieser Brief unlesbar, weil unnötigerweise auf eine völlig verschwurbelte und scriptverseuchte Seite gepappt (nicht jeder surft mit high-end Computern und wer will schon alle Scripte anlassen und sich Trojaner einfangen):

"$r mich ist Gleitschirmiegen "as reine %ri&ileg# ein Geschen' im ortsinn enn ich unter meinem l$gel h*nge in ich ot einach nur gl$c'lich un" "an'ar# genie+e "en ,ugenlic' so intens"

Na ja, wohl nix verpaßt! Ich täte unserem wehrten Fliegerkollegen dringend raten, sein offensichtlich reichlich vorhandenes ökologisches Gewissen und seine Motivation in die Schöpfung neuer Gelände zu investieren. Dann müßten eine ganze Reihe der nicht Alpenbewohner nämlich nicht mehr so weit mit dem Auto zum nächsten gescheit fliegbaren Gelände heizen. Der Energieverbrauch zur Produktion eines Gleitschirmes ist im Vergleich dazu absolut verschwindend gering!

Lucian Haas hat gesagt…

Marcel, danke für den Hinweis, dass Scribd so "(s)crybdisch" ist. Ich habe den Brief deshalb noch als normalen Text in den Post integriert und werde Scribd künftig meiden.

Lucian Haas hat gesagt…

Mittlerweile hat Gunnar Bischof einen eigenen Blog zum Thema gestartet. Auf der Seite www.oekologischerflugabdruck.wordpress.com will er die Diskussionsbeiträge, Ideen und Kommentare sammeln. Bitte alle weiteren Kommentare zum Thema dort posten.