Schirmtest: Sky Apollo

Der Sky Apollo ist ein high-end EN-B mit typischen Sky-Merkmalen: Gewichtsoptimierte Konstruktion, durchdachte Details und ein rollfreudiges Handling.
Der Sky Apollo über den Weinhängen der Mosel. // Foto: A. Krick
Die im folgenden beschriebenen Eindrücke zum Sky Apollo habe ich in acht Flug- und Groundhandlingstunden unter unterschiedlichen Bedingungen in der Eifel und an der Mosel gewonnen. Geflogen bin ich den Apollo in der Größe M (74-94 kg) mit rund 92 kg Startgewicht. Das Gurtzeug war ein Karpofly Extra Light (Liegegurtzeug). Der Schirm wurde mir für den Test freundlicherweise von Martin Schwarz vom Flightclub zur Verfügung gestellt.

Sky war lange Zeit eine Marke, die dadurch auffiel, ihre ganz eigenen Konstruktionswege zu gehen. Wo andere zum Leistungsgewinn auf 3 oder 3,5 Leinen-Ebenen setzten, baute Sky munter weiter Vierleiner. Wo andere bei den Leinen die Mäntel fortließen, blieb Sky bei voll ummantelten Leinensätzen. Schon Jahre bevor anderen Firmen ihre Schirme als „semi-light“ an die 5 kg Marke konstruierten, flogen die Sky-Modelle auch ohne Leichttücher dank eines sehr aufgeräumten Innenlebens in dieser Gewichtsklasse. Während andere die Eintrittskanten munter mit Stäbchen stützten, setzte Sky weiter auf Mylar-Profile, ...

Vor einem Jahr dann gab Sky eine Neuausrichtung in der Schirmbauphilosophie bekannt. Künftig wollte die Marke auch eine Reihe stärker leistungsorientierter Schirme anbieten – in Form einer sogenannten Sports-Line. Der Apollo ist das erste Modell in dieser neuen Kategorie. Entsprechend spannend ist es zu sehen, wie eine sportivere Kappenkonstruktion á la Sky so  ausschaut.

 Sky setzt beim Apollo auf moderne Konstruktionsmerkmale:
Shark-Nose und Stäbchen. Einen sehr soliden Eindruck vermittelt
der Aufbau der Eintrittskante. Die Stäbchen sind nach innen versetzt
auf schmale Mylarstreifen vernäht. Zusätzlich werden sie mit einem
steifen Band aus schwarzem Hypalon am Zellenrand gestützt.
Auch das sehr saubere Nahtbild weiß zu gefallen.
Der Apollo ist ein 3,5-Leiner mit 55 Zellen, Streckung von 5,45, Sharknose, Stäbchen und kurzen Miniribs. Allerdings sind die Stäbchen vorne auf dünne Mylarstreifen vernäht, sodass sie nicht direkt am Obersegel reiben und dieses schwächen können. Ein weiterer Kunststoffstreifen aus Hypalon entlang der Zellwände in den Eintrittsöffnungn dient als zusätzliche Stütze.

Der Leinensatz ist eine nicht so häufig zu findende Hybridlösung: Das unterste Leinenstockwerk ist voll ummantelt und sauber farblich sortiert. Es folgt ein Teil aus teurem, aber besonders längenstabilem Vectran, dazu ebenso mantelloses Aramid in den Galerien.

Etwas ungewöhnlich sind auch die Diagonalen im Schirm. Sie reichen als Stütze nicht wie üblich bis an die Oberkante der Rippen, sondern sind auf halber Rippenhöhe vernäht. Dort verläuft dann auch ein Querband. Diese sogenannten V-Brücken sollen für eine besonders ausgewogene Spannungsverteilung in der Kappe sorgen.


Der Apollo lässt sich beim Start und beim Groundhandling sehr
leicht und mit wenigen Inputs über die Tragegurte führen.
Starten: Vor das Starten hat der Gleitschirmgott das Leinensortieren gestellt. Das verlangt beim Apollo etwas mehr Aufmerksamkeit. Die unteren Leinen sind zwar ummantelt und farbsortiert, doch die unummantelten, dünnen Galerieleinen tendieren häufiger dazu, störende Schlaufen zu bilden. Auch die dünnen Tragegurte aus recht weichem Material verlangen zusätzliche Beachtung, um nicht aus Versehen verdreht aufgenommen zu werden. Wer diese Vorübung allerdings mit Ruhe und Routine absolviert, wird anschließend mit einem besonders angenehmen, sehr gut kontrollierbaren Aufziehverhalten der Kappe belohnt. Vorwärts wie rückwärts steigt der Schirm auf einen kleinen Impuls hin sauber hoch. Auch beim ganz freihändigen Aufziehen zeigt der Apollo eine sehr harmonisch abgespannte Form. Selbst wenn man gröber an den A-Gurten reißt, neigt der Schirm nur wenig zum Überschießen. Die Kontrollierbarkeit über die C-Ebene ist sehr gut.
Ein klein wenig anspruchsvoller werden Starts mit dem Apollo nur bei Seitenwind. Da kann der Schirm gerne einmal gierend ausbrechen. Groundhandling- und Wagga-Fetischisten werden das als zusätzliches Angebot zum Spielen gutheißen. Wer zwingend einen spurstabilen Starter sucht, wird unter solchen Bedingungen mit dem Apollo freilich nicht so glücklich werden.

Landen: vollkommen problemlos.

Der Steuergriff des Apollo hat einen integrierten Fingersteg.
Bremsen: Die Bremse des Apollo setzt nach rund 10 cm Vorlauf sehr weich ein, wird aber schnell härter und vermittelt im üblichen Arbeitsbereich von 20-35 cm einen guten Kontakt zum Flügel. Die weichen Bremsgriffe sind - wie bei Sky üblich - mit einem kurzen, integrierten „Fingersteg“ direkt unter dem Bremsleinenknoten ausgerüstet. Wer die Bremsen halb wickelt und diesen Steg dabei nicht greift, wird ihn als störend empfinden, weil er dann von hinten hart gegen die Finger drückt. Nach kurzer Zeit lernt man aber die Technik, wie man beim Wickeln die Stege direkt greifen kann. Lässt man die Finger darauf ruhen, ergibt sich eine angenehm entspannte Haltung.

Kappenfeedback: Hier zeigt der Apollo eindeutig seine Sky-Gene und erweist sich als plapper- bzw. feedbackfreudiger Schirm. Die meisten Informationen fließen dabei über die Tragegurte, während die Bremsen nur als stark gefilterte Zusatzkanäle dienen. Als Pilot spürt man fast ständig das leichte Zippeln und Zuppeln der Kappe. Der Schirm besitzt im Vergleich zu den meisten anderen high-B-Konkurrenten spürbar weniger Rolldämpfung. Die Kappe wirkt auch nicht immer als völlig kohärente Einheit. Gerade in turbulenterer Luft muss der Pilot etwas mehr arbeiten als mit anderen EN-B ähnlicher Streckung, um den Schirm auf Spur zu halten. Dies ist der Punkt, an dem sich die Geister zwischen den Fans und den Kritikern des „Sky-Handlings“ scheiden.

Kurvenflug: Hier zeigt der Apollo zwei Gesichter. In homogenen Luftmassen ist der Schirm ein sehr angenehmer Carver. Allein mit Gewichtsverlagerung rollt der Schirm schon spürbar auf die Seite und braucht dann nur noch sehr wenig und fast parallelen Bremseinsatz innen und außen, um spurtreue, konstante Kurven zu zirkeln. Die Kappe mag es weniger, sehr steil und eng gestellt werden, sie zeigt dann eine deutliche Aufrichtetendenz. Die Lieblingskurvenlage ist deutlich flacher als z.B. noch beim Sky Atis 4.
In turbulenterer Luft hängt der Schirm nicht mehr so direkt an der Bremse. Gelegentlich wirkt es gar so, als sperrte sich die Kappe kurzzeitig gegen weitere Feinkorrekturen. Mit etwas Nachdruck und Geduld kann der Piloten ihr zwar doch noch seinen Willen aufzwingen. Die Bremscharakteristik verliert dann allerdings das Lineare. Die nötigen deutlichen Inputs bringen, gepaart mit der Rollfreudigkeit, schnell etwas mehr Unruhe ins System. Wer unter solchen Bedingungen auf ruhiges effizientes Kurbeln setzt, muss dafür beim Apollo auf ein bisschen Agilität verzichten. Im Rund der EN-B-Flügel gehört der Schirm dennoch zu den dankbareren Kurvenfliegern.

Apollo von unten. Lange Stammleinen, relativ kurze Galerien
und erstaunlich kleine Miniribs.
Thermikeigenschaften: In homogenen Thermiken lässt sich mit dem Apollo sehr angenehm kurbeln. Gerade im Verhältnis zu seiner kleinen Fläche überrascht der Schirm dabei mit einem sehr ansprechendem Steigverhalten. Das gilt auch beim Soaren in schwachen Bedingungen. In engen und stärker zerrissenen Bärten büßt der Apollo allerdings an Steigleistung ein. Die Kappe arbeitet stärker in sich. Der Pilot muss mehr korrigieren. Das kann dazu führen, dass man sich als Pilot verleiten lässt, den Apollo insgesamt zu stark anzubremsen. Es lohnt sich, zwischendrin die Bremsen bewusst ein wenig auszulassen, um wieder an Steigleistung zu gewinnen.
Wer gerne besonders eng kurbelt, wird den Apollo nicht als besten Partner erleben. Der Schirm zwingt durch seine Aufrichtetendenz den Piloten häufiger dazu, deutlich nachzudrücken. Die Fliegerei wirkt dann etwas unrund. Immerhin neigt der Apollo in solchen Verhältnissen deutlich weniger zum Graben als noch der Atis 4.

Beschleuniger: Der Apollo hat einen relativ langen Beschleunigerweg und glänzt dabei mit einem entsprechend großen Geschwindigkeitszuwachs von 13-15 km/h. Im oberen, recht hart zu tretenden Drittel geht die hohe Endspeed allerdings mit einem etwas stärkeren Sinken einher als bei XC-Konkurrenten wie Mentor 4, Iota oder Nyos. Angenehm fällt dabei die sehr ruhige Lage in der Luft auf. Die C-Steuerung ist beim Apollo effektiv, allerdings mit Erschwernissen verbunden. Am Tragegurt gibt es keine C-Handles. Die Gurte selbst sind auch nicht sehr griffig. So wird man gezwungen, an den Leinenschlössern packen. Dafür muss man aber weit hinauf reichen, wodurch man zwangsläufig viel Armfläche in den Wind stellt. Das ist weder aerodynamisch noch für die Blutversorgung der Finger günstig. Auf längeren, beschleunigt geflogenen Gleitstrecken kann das anstrengend werden.

Die Leinen des Apollo sind im unteren Stockwerk vorbildlich
ummantelt und farbcodiert. Die Tragegurte sind leider
etwas schlabberig, was das Handling erschwert.
Ohren anlegen: Die Ohren des Apollo legen sich gut an die Leinen an und schlagen nicht. Die Sinkwerte sind durchschnittlich. Die Öffnung erfolgt leicht verzögert.

Steilspirale: Die Einleitung ist leicht verzögert. Der Apollo muss sehr bewusst über einen Kipppunkt gezogen werden. Die Spirale selbst erweist sich als sehr gut kontrollierbar.

Frontklapper: nicht gezogen.

Seitenklapper: Ich habe Klapper bis 70% gezogen (nur unbeschleunigt). Der Schirm drehte dabei nur um etwa 90° ab, nickte überschaubar vor und entwickelte insgesamt keine überraschende Dynamik. Im Vergleich zu manch anderen High-B-Schirmen zeigt der Apollo hier einen sehr gemäßigten Charakter.

Nicken: Schaukelt man den Apollo mit den Bremsen dynamisch auf, nickt er etwas stärker als manch andere moderne B-Schirme mit besonders nickgedämpften Profilen. Allerdings ist kommt diese Eigenschaft einem spaßigen Handling durchaus entgegen. Wer das "aktive" Fliegen beherrscht, wird damit keine Probleme haben. Vielmehr lässt sich diese Dynamik für zusätzliche Agilität bei Kurvenwechseln oder beim Herausfallen aus der Thermik gut nutzen.

Rollen: Die große Rollfreude des Schirmes zeigt sich schon, wenn man ganz ohne Bremseinsatz, nur mit Körperverlagerung, erstaunlich hohe Schwünge aufbaut. Dieses typische Merkmal besitzt der Apollo wie die meisten anderen Sky-Schirme. Unter den High-B-Schirmen würde ich den Apollo als einen der rollfreudigsten einstufen.

Der Sky-Zellenpacksack ist gut gemacht, aber eigentlich schon
unpassend schwer und stabil für einen so leichten Schirm.
Packen: Der Apollo wird mit einem ordentlichen Zellenpacksack ausgeliefert. Dieser ist für die Schirmgröße M allerdings etwas zu groß, der verwendete Stoff recht schwer. Warum Sky nicht auch an dieser Stelle auf einen leichteren Aufbau setzt, erscheint mir unverständlich. Das Packmaß fällt dennoch sehr moderat aus. Gut gefallen hat mir, wie gut sich die stäbchen- und hypalon-verstärkte Eintrittskante packen und sauber sortieren lässt.

Qualität: Da gibt es bei Sky wenig zu meckern. Ein schönes Nahtbild an Kappe und Tragegurten, saubere Designübergänge, farblich sortierter Leinensatz. Die Konstruktion der Eintrittskantenverstärkung mit Stäbchen auf Mylar und zusätzlicher Hypalon-Stütze ist beispielhaft. Zu wünschen wäre ein etwas steiferes Tragegurtmaterial, um am Start weniger mit verdrehten Gurten kämpfen zu müssen. Auch eine eingewebte oder aufgenähte  rote Linie auf dem C-Tragegurt wäre hilfreich, um Verdreher schneller zu erkennen.

Fazit: Der Apollo von Sky empfiehlt sich als guter Allrounder für Piloten, die nicht nur eine relativ hohe Leistung im B-Sektor suchen, sondern diese gerne mit einem "spaßigen" Handling gepaart haben wollen. Die Mitteilsamkeit der Kappe muss man freilich mögen. Für die ganz großen Streckenabenteuer ist der Apollo nicht so ideal, dafür verlangt der Schirm in bewegter Luft vom Piloten zu viel Konzentration, d.h. auf Dauer anstrengende Mitarbeit. Wer allerdings einen voll alltagstauglichen Semi-Leichtschirm sucht, der sich sehr gut auch für Reisen und Hike-and-Fly anbietet, dürfte mit dem Apollo viel Freude haben.

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4 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hallo Lucian,

toller Bericht und schön, dass Du Dich auch um kleinere Gleitschirmschmieden kümmerst! Den Apollo bin ich kürzlich auch geflogen und möchte Dir im großen und ganzen beistimmen. Einzig bei der Beurteilung des Nickens liegen wir auseinander. Hier bin ich der Meinung, dass die Nickdämpfung extrem groß ist und bei einem Spaßgerät deutlich ausgeprägter sein sollte. Bin sonst nicht so viele aktuelle Schirme geflogen, daher fällt es mir schwer zu glauben, dass es noch gedämpftere Segel gibt. Welche sind dies denn bzw. welche sind agiler?
Liebe Grüße
Karl

Lucian Haas hat gesagt…

Hallo Karl,
die im Punkt "Nicken" beschriebene Nickdämpfung beurteile ich hauptsächlich daran, wie ein Schirm auf ein Aufschaukeln mit Bremsinput reagiert, d.h. wie schnell er dabei Dynamik auf- bzw. wieder abbaut. Hier zeigte sich der Apollo bei meinen entsprechenden Tests doch recht dynamisch. Ein Mentor 4 z.B. nimmt da schneller den Schwung wieder raus.

Diese Nickdämpfung des "sauber stehenden" Profils sollte man nicht vergleichen mit der Nickdämpfung nach Klappern! Das sind zwei paar Schuhe.

Diese Nickdämpfung ist auch eine andere als das Vornicken aus dem Normalflug etwa beim Ausfliegen aus (nicht zu starken) Steigbereichen. Hier ist der Apollo keineswegs giftig.

Die Nickdämpfung könnte auch etwas vom Pilotengewicht abhängen...

Sebastian hat gesagt…

Hallo Lucian,
vielen Dank für den Test. Ich habe den Apollo in der selben Größe mit 93kg ebenfalls geflogen und kann Dir grundsätzlich zustimmen. Ich bon großer Fan des Sky-Handlimgs, habe zuletzt den Atis3 gehabt. Zum Kurvenfliegen: Da habe ich die Erfahrung gemacht, dass man den Schirm am besten fliegen lässt, fast ausschließlich mit Körperverlagerung arbeitet und nur kurze Bremsimpulse auf der Innenhand gibt. Im Gegensatz zum Atis lief der Apollo bei mir auch ohne Bremsdruck sehr stabil und neigte auch in unruhiger Lust kaum zu den leichten Entlastern, die man sonst bei Sky gewohnt war.
Happy Landings

Jo Ko hat gesagt…

Die ersten 5-10 flugstunden konnte ich die beschriebenen Thermik- und Flugeigenschaften nachvollziehen. Irgendwann hat es dann aber bei mir Klick gemacht. Das Handling ist wahrscheinlich "komplexer" als bei seinen Klassenkameraden. Wenn man sich aber darauf einlässt ist der Flügel wunderbar intuitiv zu steuern. Enges Kurbeln auch kein Problem. Ich hab jetzt deutlich mehr Spass als mit meinem alten Golden 2.
Neben seine
m Leistungs-Sicherheitsverhältnis ist sein Kappenfeedback die herausragendste Eigenschaft des Apollos. Ich erfahre die Luft um mich jetzt deutlicher und kann dies nutzen.
Danke an Lu für Deine Test... hab auch schon mal gespendet :-)