Vom Himmel hoch da leucht' ich her

Florian Höfer von der Flugschule Westendorf hat ein besonderes Hobby: Er rüstet Gleitschirme mit einer integrierten LED-Beleuchtung für Nachtflüge aus. 
Florian Höfers Nova Susi mit LED-Beleuchtung bei der Landung im Dunkeln.
// Quelle: Facebook - Florian Höfer

Manchmal steigen Piloten in Vollmondnächten auf den Berg und fliegen dann hinunter. An den Stabilos befestigen sie kleine Fahrrad-Blinklichter, um Beobachter ihre Position zumindest erahnen zu lassen. Doch es geht auch viel professioneller. Florian Höfer, der als Fluglehrergehilfe und Schirm-Checker bei der Flugschule Westendorf arbeitet, hat ein System ersonnen, das ganze Gleitschirme von innen heraus per LED erstrahlen lässt. Hunderte Leuchtdioden machen die Schirme zu fliegenden Leuchtobjekten. Sogar nächtliche Acro-Shows mit "Leuchtmatten" werden künftig möglich sein. Die Installation eines solchen Systems bedeutet freilich einen enormen Aufwand und viel Handarbeit. Lu-Glidz hat Florian Höfer zu seinem Projekt interviewt:


Florian, wie kommt man auf die Idee, einen Schirm mit integrierter Beleuchtung ausstatten zu wollen?
Florian Höfer: Die Idee entstand, als wir mal einen Abendflug machen wollten. Jeder hat gesagt, er nehme eine Lampe mit – aber niemand hatte eine dabei. Wir flogen in die Dämmerung, teilweise waren die Schirme gar nicht mehr zu erkennen. Da habe ich angefangen mir Gedanken darüber zu machen, wie man einen Schirm im Dunkeln leuchten lassen könnte.

Bei Deinem ersten Modell strahlen Ein- und Austrittskante mit weißem Licht, die Stabilos hingegen in rot und grün, wobei sie wahlweise auch blinken können. Wie lange hast Du dieses Setting geplant und schließlich daran gebastelt?
Florian Höfer: Insgesamt waren das etwa 15 Stunden. Die Grundtechnik mit den LED-Streifen ist recht einfach. Das größte Problem war die Steuerung für die Positionsleuchten in den Stabis.

Mittlerweile hast Du auch einen Schirm realisiert, bei dem die gesamte Fläche erleuchtet ist. Was war dabei die größte Schwierigkeit, die Verkabelung?
Florian Höfer: Die Verkabelung ist noch vergleichsweise einfach, auch wenn die nötige Zugentlastung zwischen den fast 100 LED-Streifen eine Fummelarbeit darstellt. Beim Einbau musste ich sogar im Schirm löten. Das größere Problem ist aber ein anderes: Wie befestigt man die LED-Streifen sicher auf dem Ripstop-Tuch des Gleitschirms?

Und wie hast Du das gelöst?
Florian Höfer: Mit Klett. Die flauschige Seite des Klettbandes klebe ich mit einer Hochleistungspresse auf das Ripstop. An die LED-Streifen kommt dann das Klettband. Das hält dann bombenfest.

Mit welchen Kosten muss man für einen rundum beleuchteten Schirm rechnen?
Florian Höfer: Das ist eine Frage des Aufwandes, der Beleuchtungsleistung undsoweiter. Das fängt so ab 500 Euro an, kann aber bei einem komplett beleuchteten Schirm auch mehrere tausend Euro betragen.

Rein rechtlich gesehen dürfen Gleitschirmflieger bei Dunkelheit gar nicht fliegen. Wie locker gehst Du damit um, inwieweit erlaubst Du Dir mit deinem Leuchtschirm noch späte Starts?
Florian Höfer: Da muss man differenzieren. In Deutschland geht das nicht, das stimmt. In Österreich gibt es in den Luftverkehrsregeln die Paragraphen, in denen auch Vorgaben für Sichtflüge bei Nacht gemacht werden. In der Praxis bewegt man sich halt in einer Grauzone. Wo kein Kläger, da kein Richter.

Der Ozone Trickster 2 leuchtet auf der ganzen Fläche
von innen heraus. // Quelle: F. Höfer
Manche Piloten schwärmen von der Fliegerei in hellen Vollmondnächten. Hast Du schon Anfragen von potenziellen Interessenten für Dein System?
Florian Höfer: Anfragen habe ich etliche. Aber viele davon sind nur Scherzinteressenten. Die zucken schnell zurück, wenn sie von der Bauzeit und den Kosten erfahren. Es gibt aber auch Ausnahmen. Zuletzt habe ich für einen Acro-Piloten einen Ozone Trickster-2 mit einer kompletten Flächenbeleuchtung ausgerüstet. Das war doppelt spannend, weil es sich um einen Neu-Schirm handelte.

Wieviele LEDs stecken in dem Trickster drin?
Florian Höfer: Ich habe knapp 45 Meter LED-Streifen für den Schirm zurecht geschnitten. Insgesamt sind das 2652 LEDs. Das bedeutet 212 Watt Leistung bei 12 Volt.

Um wieviel schwerer wird ein Schirm durch die LED-Streifen und Kabel? Kann man den noch normal starten und landen?
Florian Höfer: Bei meiner Nova Susi 16 mit 888 LEDs sind es 360 Gramm an Leuchtmitteln im Schirm, 300 Gramm an Kabeln und 250 Gramm für die Steuerung, ohne Akku. Das hält sich also in Grenzen und macht beim Starten und Landen kaum einen Unterschied - außer dem ungewöhnlichen Gefühl, wenn ein leuchtendes Etwas über deinem Kopf erscheint.

Wie sieht es aus mit der Sicherheit. Welche Manöver hast Du schon mit leuchtendem Schirm geflogen?
Florian Höfer: Da sind noch einige Tests nötig, um das mit der Sicherheit genauer sagen zu können. Ich habe mit der Susi bei eingeschalteter Beleuchtung schon Spiralen geflogen und größere Klapper gezogen. Grundsätzlich muss man sich aber bewusst sein, dass sich jeder Schirm durch solche Einbauten natürlich anders verhalten kann als bei den LTF- oder EN-Tests.

Zuschauer sind sicher begeistert, wenn sie dich sehen. Was war der bisher beste Kommentar, den Du nach einer Landung mit dem Leuchtschirm gehört hast?
Florian Höfer: "Das ist viel Arbeit."

Könntest Du jeden Schirm mit der Leuchttechnik ausstatten?
Florian Höfer: Theoretisch schon. Aber ich schaue mir auch genau an, für wen ich das mache. Für einfache Piloten würde ich nur A- oder B-Schirme umrüsten, keinen C- oder D-Schirm. Und leuchtende Acro-Schirme gibt es von mir nur für sehr erfahrene Piloten, die auch im World-Cup mitfliegen.

Was ist Dein nächstes Projekt?
Florian Höfer: Ich möchte gerne die Steuerung der LED-Leuchten von vier auf 16 Kanäle erweitern. Dann könnte man noch mehr mit dem Licht im Schirm spielen. Leider habe ich dafür noch keinen Sponsor gefunden. Meine Vision ist ein Schirm mit Digital-LEDs. Damit ließen sich dann auch wechselnder Text oder Icons in der Kappe darstellen.

Florian, ich danke Dir für das Gespräch.


Wie die Beleuchtung des Schirmes mit blinkenden Positionslichtern in Natura aussieht, zeigt ein Video auf Facebook, bei dem Florian mit der leuchtenden Susi eine Spirale fliegt.
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6 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Servus Lu, der Text erweckt den Eindruck, als seien Nachtflüge mit dem Gleitschirm in Österreich nicht verboten. Im verlinkten Gesetzestext ist auf Seite 24 genau getegelt unter welchen Umständen ein Nacht-Sichtflug durchgeführt werden darf. Daraus ergeben sich leider keinerlei Anhaltspunkte die eine Grauzone für Paragleiter erahnen lassen. Zb. Ist für einen Nacht-Sichtflug ein Transponder mit Höhenübermittlung vorgeschrieben und der Flug ist nur als Kontrollierter Flug zulässig.
Vielleicht solltest Du die rechtliche Situation in Österreich darstellen und hier nich von einer Grauzone sprechen!

Lucian Haas hat gesagt…

Wer schon anonym die Spaßbremse zieht, sollte auch alle Paragraphen des verlinkten Dokuments lesen. §48 zu Sichtflug bei Nacht schreibt zwar u.a.einen Transponder vor. Aber in §54 steht, dass §48 für Segelflugzeuge und Paragleiter nicht gilt. §57 gibt dann gesonderte Sichtflugregeln bei Nacht für Segelflugzeuge an. Aber für Gleitschirmen gibt es zu diesem Punkt keine eigenen Bestimmungen, aber auch keine Verbote. Von daher ist Grauzone m.E. schon das passende Wort.

Anonym hat gesagt…

Spaßbremse hin oder her, ich kann der Argumentation nicht wirklich folgen.
Auch wenn man die Sonderbestimmungen für Flüge mit Hänge- und Paragleitern liest ergibt sich diese Grauzone nicht!
Wenn in einer Ausnahmebestimmung der Sichtflug, unter Einhaltung gewisser Umstände für Segelflugzeuge erlaubt wird (Paragraph 57), gleichzeitig aber in Paragraph 54 Abs 2 die Paragleiter davon ausgeschlossen werden, dann ist der Nacht-Sichtflug mit einem Paragleiter auch in Österreich nicht erlaubt(S.25).

Anonyme Spaßbremse :)

Florian Höfer hat gesagt…

es ist nicht erlaubt in der nacht zu starten / fliegen
es ist aber nicht verboten in der nacht zu starten / fliegen.
es gibt keinen § für gs und hg die eine eindeutige Beleuchtung vorschreiben.

Anonym hat gesagt…

Florian, es tut mir wirklich leid hier den Spielverderber machen zu müssen.
Für Paragleiter gelten die Sichtflugregeln!
Die Zulässigkeit von Sichtflügen ist in Paragraph 45 auf Seite 23 geregelt und dürfen demnach nur bei Tag(VFR von BCMT bis ECET) und unter Sichtflug-Wetterbedingungen durchgeführt werden.

Nochmals: Bei den Ausnahmen zu dieser Sichtflugregelung (Paragraph 48 und 57) wird der Paragleiter in Paragraph 54 Abs 1 und Abs 2 explizit AUSGESCHLOSSEN und somit ist es verboten nach ECET zu fliegen (auch wenn in einem Gesetzestext nicht das Wort VERBOT steht).

Ich finde es bedenklich hier öffentlich etwas anderes zu behaupten und dadurch den Leser zu Nachtflügen in Österreich anzuregen!
Wer es trotzdem unbedingt tun möchte sollte es lieber für sich behalten und nicht medial breittreten um sein Ego zu polieren.
Ansonsten verliert unsere Sportart nur noch mehr an Glaubwürdigkeit wenn wir immer wieder selbst beweisen, dass wir nur ein Haufen von anarchistischen Chaoten sind, die nicht in der Lage sind die für uns geltenden Regeln im Luftraum eigenverantwortlich einzuhalten!
Spätestens dann ist das Streckenfliegen und die Teilnahme im freien Luftraum für uns Geschichte und es wird künftig nur noch vereinzelte Reservate im ansonsten gesperrten Lufträumen für unsere unzurechnungfähige Chaotengruppe der Gleitschirmflieger geben!
Erste Schritte in diese Richtung konnten wir bereits letztes Jahr in Österreich miterleben!

Die anonyme Spaßbremse



Simon hat gesagt…

Wer den Hofer Florian kennt, weiß wohl dass er es kaum nötig hat, sein Ego zu polieren! Geht es auch ohne perönliche Angriffe?