Leistungsdrang (15): 3D-Diamant-Shaping

Beim 3D-Diamant-Panelshaping sitzen die Nähte, die das Ballooning kontrollieren, schräg zur Eintrittskante. Das soll die Profilgüte weiter verbessern. 

Beim 3D-Diamant-Panelshaping verlaufen die Quernähte im Vorderflügel
nicht mehr parallel zur Eintrittskante, sondern in Zickzackform.
Das soll Nahtschrumpfung reduzieren und somit
die Profilgüte steigern. // Quelle: Advance
Kein moderner Gleitschirm mit Leistungsanspruch kommt heute ohne 3D-Shaping oder gar ein doppeltes 3D-Shaping aus. Die Quernähte im Vorderflügel helfen, die vom Ballooning gestörte Wölbung der Zellen im Vorderflügel gewissermaßen glatt zu ziehen. Weniger Falten + mehr Profiltreue = mehr Leistung, so die einfache Formel. Doch auch hier besteht offenbar noch Optimierungspotenzial.

Beim Sigma 10 (der demnächst auf den Markt kommt) setzt der Schweizer Hersteller Advance erstmals auf ein sogenanntes 3D-Diamond-Shaping. Die formstützenden Quernähte sitzen dabei nicht mehr parallel zur Eintrittskante. Sie verlaufen leicht schräg über die Zellen hinweg in einem Zickzackmuster (s. Grafik).

Der Grund für diese Bauweise ist folgende Erkenntnis: Advance hatte bei der Analyse von Kontrollfotos von Gleitschirmen im Flug beobachtet, dass das aufgeblasene Flügelprofil im Bereich der Shaping-Quernaht nicht immer dem gewollten Idealprofil folgt. Die Nähte können ein wenig schrumpfen, weil die in Spannweite wirkenden Kräfte am Flügel nicht ausreichen, um sie ausreichend zu spannen. Durch die geringfügig verkürzte 3D-Shaping-Naht entsteht eine kleine, aber störende Stufe bzw. Kerbe in der Wölbung des Vorderflügels. Sichtbar wird das nur im aufgeblasenen Zustand der Schirme in der Luft.

Auf der Suche nach einer Lösung für dieses Problem kam Konstrukteur Hannes Papesh auf folgende Idee: Lässt man die 3D-Shaping-Nähte nicht einfach quer, sondern auch etwas schräg in Längsrichtung des Flügels verlaufen, "ziehen" zusätzlich die in die Profiltiefe wirkenden aerodynamischen Kräfte daran. Das soll für eine bessere Längen- und Formtreue sorgen und damit der Profilgüte zugute kommen.

Wie groß der Leistungsvorteil des 3D-Diamant-Panelshapings gegenüber eines klassischen 3D-Shapings ist, dürfte schwer zu ermitteln sein. Die Zeit wird zeigen, ob andere Hersteller auf der Suche nach dem nächsten Quäntchen Leistung im Gleitschirmdesign diese Lösung übernehmen werden - so wie sich zuvor schon andere Techniken wie klassisches 3D-Shaping oder Shark-Nose-Profile weitgehend durchgesetzt haben.


Hinweis: Alle weiteren Teile der Serie Leistungsdrang sind unter Best of Lu-Glidz zu finden.

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1 Kommentare:

Armin Harich hat gesagt…

Das die Nähte schrumpfen nach unseren Messungen wirklich zwischen ca. 0,5% und 1%, je nach Nahtbild.
Moderne Software kann das aber automatisch an den Pattern um diesen Betrag verbreitern.
Zusätzlich kann man auch die Naht von Zelle zu Zelle ein paar mm aneinander vorbeilaufen lassen. So machen wir es zusätzlich seit Jahren an unseren Flysurfer Kites. Auch BGD macht das an seinen 3D Shaping schon länger.

http://www.pic-upload.de/view-32599245/FullSizeRender10.jpg.html