Trends beim Stubai-Cup 2017

Das Wetterglück war dem Stubai-Cup 2017 hold und ermöglichte ein großes, aber dennoch entspanntes Testival. Die Veranstaltung wird für Hersteller immer attraktiver. 

Schlangestehen beim Start am Elfer. Dank vieler freundlicher Starthelfer
und einer sehr guten wie sicheren Organisation der Startabfolge
sah man beim kurzen Warten auch nur lachende Gesichter.
Neues sehen, neues fliegen. Diese Grundidee eines großen Testivals ist in diesem Jahr im Stubai gut aufgegangen. Denn das Wetter spielte zumindest am Samstag und Sonntag bestens mit, samt entspannter Startwindsituation und sogar streckenflugtauglicher Frühjahrsthermik. Fliegerherz, was willst Du mehr!

Nicht immer hatte der Stubai-Cup den Rückhalt der ganzen Branche. Doch mittlerweile ist das Testival zu einem Pflichttermin aller großen Hersteller geworden. In diesem Jahr waren so viele Marken vor Ort wie noch nie zuvor. Angesichts der großen Besucherschar und des guten Flugwetters dürfte keiner seine Präsenz bereut haben. 2018 findet der Stubai-Cup übrigens vom 2. bis 4. März statt.

Einzelne neue Produkte sollen in diesem Post nicht herausgestellt werden. Den markenorientierten Messeüberblick überlasse ich anderen. Der DHV z.B. wird sicher bald wie jedes Jahr ein umfangreiches Angebot an Video-Interviews der Hersteller auf seiner Homepage präsentieren.

Interessanter sind einige übergeordnete Trends, die sich am Himmel und im Gespräch mit den Herstellern abzeichneten:


Es wird wieder bunter
Der Himmel über dem Stubai war in diesem Jahr so bunt wie schon lange nicht mehr. Das hängt nicht nur mit den mutigen Schirmdesigns von Firmen wie Icaro und Bruce Goldsmith Design zusammen, die gerade in Massenflugformationen bei solchen Testivals für Aufsehen sorgen. Der Trend zurück zu mehr Farbe wird auch dadurch gestützt, dass die Leichttücher von Porcher, die von immer mehr Marken zumindest in Teilen der Schirme verbaut werden, jetzt in einer größeren Farbpalette erhältlich sind. Wo früher nur schlichtes Weiß zu haben war, sieht man jetzt auch andere Töne.


Leicht, oder nur semi-leicht?
Der Trend hin zu leichteren Schirmen hält weiter an, allerdings scheint sich die Branche über die beste Umsetzung dieser Strategie nicht einig. Einige Marken fahren ganz bewusst zweigleisig, indem sie fast alle Schirme ihrer Palette in einer Normal- und einer Leicht-Variante anbieten. Dazu zählen zum Beispiel Ozone, Airdesign, U-Turn und künftig auch Triple-Seven. Andere wiederum setzen eher in der Breite auf semi-light Produkte, um daneben nur einzelne Schirmmodelle in besonders leichter Version im Portfolio zu haben.
Leichtbau wird zunehmend auch bei den Rettern zum Kaufargument, das hauptsächlich durch den Einsatz von neu entwickelten, dünneren Tüchern bedient werden kann. Ob diese immer geeignet sind, mehrere Retterabgänge und Wasserungen schadlos zu überstehen, sei dahingestellt.


Rückbesinnung auf "echte" B
Die B-Klasse sei in den vergangenen Jahren allzu weit ausgelegt und ausgereizt worden, hört man an den Ständen. Die neue Brut der High-B-Modelle soll in ihren sicherheitsrelevanten Reaktionen etwas moderater daher kommen. Das zeigt sich auch in manchen kleinen Konstruktionsdetails. Der "pure" Dreileiner (A+B+C), der eine Weile fast wie ein Muss im Gleitschirmbau galt, ist gar nicht mehr so präsent. Die Hersteller gehen dazu über, den Schirmen unter der Kappe zumindest wieder kurze D-Abspannungen zu spendieren. Ein prominentes Beispiel ist hier Novas Mentor 5.


Aufbruch der Single-Skins
Die Schirme ohne Untersegel galten vor wenigen Jahren noch als spinnertes Konzept. Doch das Interesse der Piloten beim Stubai-Cup zeigt, dass dieser Schirmtypus dabei ist, sich zu einer eigenen relevanten Klasse zu entwickeln. Airdesign, Niviuk und Skyman verzeichnen mit ihren Single-Skins wachsende Nachfrage, und auch bei anderen Firmen sind schon Prototypen in Arbeit. Fachleute sehen auf Dauer vor allem in zwei Bereichen eine echte Daseinsberechtigung für die Single-Skins: Als leichte und einfach zu startende Tandems (gewerbliche Doppelsitzerpiloten wollen eh selten lange in der Luft bleiben) sowie als idealer Schulschirm für die ersten Hüpfer am Übungshang mit schnellen Starterfolgen. Letzteres bedürfte allerdings auch einer "politischen" Entscheidung von Verbandsseiten, um Single-Skins für Schulungszwecke einsetzen zu dürfen, selbst wenn sie bauartbedingt nur ein EN-B in der Zulassung erreichen können.

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6 Kommentare:

Martin hat gesagt…

Single Skins sind zu leicht zu starten, um sie in der Schulung einzusetzen. Man fährt ja auch nicht in der Fahrschule Automatik, wenn man sich für später die Option Schaltwagen offen halten möchte.

Thomas hat gesagt…

Diese zwei Bereiche überraschen mich auch. Ich dachte immer, die sind besonders gut für Kletterer zum runterfliegen. Oder Leute die gerne mit sehr kleinen Gepäck wandern.

Zur Schulung muss ich Martin zustimmen. Als Tandem wäre das sicher interessant, auch und vor allem für Walk und Fly. Ob die für professionellen Einsatz taugen, solle die Profis beurteilen.

Julia hat gesagt…

War kürzlich an der Praxisprüfung, da war bereits jemand mit einem Single Skin dabei..

Michael hat gesagt…

Ist doch perfekt für Flugschulen. Wenn man ein Jahr lang brav mit nach Lüsen kommt, darf man dann die leistungsstarken und nur von Experten startbaren Doubleskins fliegen und kaufen.

Thorsten Weber hat gesagt…

Hallo Lucian, Du schreibst, der Mentor 5 hätte erneut wieder die Abspannung auf die D-Ebene. Wenn ich die Leinenpläne mit dem Mentor 4 vergleiche, sehe ich auch beim 4er eine entsprechende Abspannung von den C-Leinen auf die D-Ebene. Nur der Mentor 5 hat eine Abspannung mehr. Evtl. verstehe ich Deine Info falsch? Gruß Thorsten

Lucian Haas hat gesagt…

Thorsten, der Mentor 4 hat die D-Gabel nur bei den kleinen Größen XS und XXS. Die anderen sind pure 3-Leiner.