Geschlauft ist sicher - ein Nachtrag

Den Retter einfach mit der V-Leine des Gurtzeuges zu verschlaufen ist auch sicher. Aber es ist nicht immer die Lösung der Wahl. 

Wenn zwei Retter an einem Aufhängungspunkt am Gurtzeug
befestigt werden sollen, sind Schraubglieder die bessere Wahl.
Einschlaufen ist hier keine Lösung. // Foto: M. Arqué
Kürzlich schrieb ich im Post "Geschlauft ist auch sicher" über Belastungstests, die ergaben, dass eine verschlaufte Retteraufhängung genau so sicher sei wie eine Verbindung per metallenem Schraubglied.

Anhand von Rückmeldungen und Fragen von Lesern zeigte sich, dass viele den Text so verstanden, als sei das Verschlaufen nun die beste Verbindungsart von Retter und Gurtzeug. Das war aber nicht die Aussage!

Wer seinen Retter bisher per Schraubglied mit dem Gurtzeug verbunden hat, sollte ruhig bei dieser Lösung bleiben. Sie bringt ein klein wenig mehr Gewicht mit, doch dafür ist sie einfacher zu handhaben. Die geschlaufte Variante spart das Gewicht des Schäkels und hat sich im Test als ebenso stabil erwiesen. Bei einem passenden Gurtzeug und Retter kann man also ruhigen Gewissens auf den Schäkel verzichten und die direkte geschlaufte Verbindung wählen. Sicherheitstechnisch sind beide Lösungen als gleichwertig einzustufen.

Allerdings ist das Einschlaufen nicht in allen Fällen sinnvoll oder überhaupt realisierbar. Je nach Konstruktion der Verbindungsleinen kann das Schlaufen manchmal gar nicht möglich sein, zum Beispiel wenn die einzelnen Schlaufen der Leinen nicht groß genug sind, um Retter oder Gurtzeug hindurchzuschieben und damit die Schlaufe festzuziehen. Ein anderer Fall sind steuerbare Rettungen wie Rogallos, die zwei getrennte Verbindungsleinen besitzen. Auch hier ist ein Einschlaufen beider Seiten technisch nicht möglich. Da müssen schon zwei Schraubschäkel her.

Es gilt also im Einzelfall zu entscheiden, was die jeweils passende Lösung ist.

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4 Kommentare:

nivuz hat gesagt…

Die PMA schreibt, dass nur Dyneemaverbindungen gestestet wurden. Heisst das, für Gurtzeuge, bei denen die Schlaufen aus einem anderen Material gefertigt sind, gelten die Testergenisse nicht?
Würde die Vermutung stimmen, wäre es geradezu fahrlässig, wie die PMA ihren Bericht veröffentlicht hat. :-o

Lucian Haas hat gesagt…

Wenn nur mit einem Material getestet wird, dann lassen sich die Testergebnisse nicht einfach übertragen. Allerdings ist Dyneema jenes Material, dass wegen eines niedrigen Schmelzpunktes am stärksten/schnellsten unter (Reibungs-)Hitze leidet.

Grundsätzlich gilt aber sicher für alle Schlaufverbindungen (wie für Schäkel auch): Man sollte die Verbindungen von anfang an fest zuziehen und am besten noch zusätzlich mit einem Gummi gegen das Verrutschen sichern.

Gesunder Menschenverstand gehört bei jedem Einbau auch noch eingeschaltet.

Daniel Loritz hat gesagt…

Ich erachte solche Informationen als äusserst unprofessionell. Existieren da bestätigte Messungen über die Festigkeit der verschiedenen Verbindungen? Wir haben gerade bei Verbindungen von Dyneema auf Polyester/Polyamid massive Ferstigkeitsverluste gemessen! Diese waren so massiv, dass zum Teil nicht mal mehr 50% der geforderten Festigkeit erreicht wurde!

Wir empfehlen gerade bei Misch-Verbindungen mit Karabiner zu arbeiten. Polyester auf Polyester ist ohne Karabiner möglich aber nicht ideal. Die einzige gut funktionierende Verbindung ohne Karabiner ist die Dyneema-Dyneema-Verbindung.

Lucian Haas hat gesagt…

Danke Dani für diese Ergänzung. Vielleicht kannst Du Dich mal mit den Leuten der PMA und Advance in Verbindung setzen, die diese Tests durchgeführt haben. Es wäre klasse, wenn es offizielle Best-Practice und Worst-Practice Hinweise für die Piloten gäbe.