Geschlauft ist auch sicher

Wer die Aufhängung seines Retters direkt mit den V-Leinen des Gurtzeuges verschlauft, anstatt Verbindungsglieder aus Metall zu verwenden, geht kein höheres Risiko ein.

Eine nur verschlaufte Retteraufhängung im Teststand von Edelrid.
// Quelle: PMA
Es ist ein häufiger kolportiertes Gerücht, dass ineinander verschlaufte Retterverbindungen unter Umständen keine ausreichende Festigkeit besitzen, um den Schockstoß einer Retteröffnung zu überstehen. Vor allem, wenn die Schlaufe nicht richtig zugezogen oder asymmetrisch platziert ist, könnte sich durch Reibung so viel Hitze entwickeln, dass die tragenden Leinen ihre Festigkeit verlieren oder sogar durchscheuern, so die Theorie. Doch für den Alltag kann offenbar Entwarnung gegeben werden.

Die Herstellervereinigung PMA hat gemeinsam mit Advance und dem Leinenhersteller Edelrid eine umfangreiche Testreihe durchgeführt. Das jetzt präsentierte Ergebnis ist eindeutig: Verschlaufte Retterverbindungen sind genauso sicher wie solche, bei denen ein metallener Schraubschäkel (Maillon Rapide) als Verbindungsglied dient.

100 verschiedene Kombinationen von Retterleinen aus dem recht hitzeempfindlichen Dyneema wurden nacheinander einem Schocktest unterzogen. Dabei wirkte kurzzeitig mehr als die 15-fache maximale Anhängelast eines Gurtzeuges auf die Leinen ein. Selbst in den Fällen, bei denen die Verschlaufung extra etwas schief platziert war, hielt die Verbindung dieser Belastung stand. Auch bei einem nachfolgenden statischen Belastungstest der Leinen zeigten sich keine auffälligen Festigkeitsverluste.

Messtechnisch gesehen waren die Verbindungen mit Schraubschäkel zwar minimal stabiler. Doch bei den in der Flugpraxis wirkenden Kräfte spricht nichts dagegen, die Leinen direkt fest miteinander zu verschlaufen, anstatt auf ein Verbindungsglied aus Metall zu setzen.

Festgezogene Schlaufverbindungen hätten bei keinem der Tests schlechter abgeschnitten als Verbindungen mit Maillon Rapide, so die PMA.

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7 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Der Titel ist etwas irreführend, es klingt als ob nur die geschlaufen Verbindungen auch wirklich sicher sind...

Lucian Haas hat gesagt…

Danke für den Hinweis. Stimmt, man kann es auch so lesen. War mir beim Texten nicht aufgefallen. Ich habe jetzt das "Nur" aus dem Titel genommen.

Ich hoffe allerdings, dass die Lu-Glidz Leser nicht nur den Titel wahrnehmen, sondern zumindest auch noch den Vorspann lesen. Dann sollten sie schon mitbekommen, wie das gewichtet ist.

Armin Harich hat gesagt…

Endlich hat das jemand mal bestätigt. Ich habe schon seit 20 Jahren es immer eingeschlauft, da ich das für Blösinn gehalten habe was da immer behauptet wurde. Gerade bei so dicken Leine ist das ja unrpoblematischer als bei den dünnen Waageleinen. Da hat auch niemand einen Schäkel dazwischen gehängt.

Sebastian hat gesagt…

Die PMA macht etwas Sinnvolles. Das sind gute Nachrichten.

Thomas hat gesagt…

Was genau bedeutet denn geschlauft, bzw. wie macht man das genau? Auf dem Bild leider nicht so gut erkennbar.

Anonym hat gesagt…

Wie soll ich bitte meine dicken V-Leinen mit dem Gurtzeug verschlaufen? Verbindungen mit Schraubschäkel sind doch perfekt - unanbhängig ob stabiler oder nicht. Oder sind es wieder die paar Gramm Gewicht auf die es ankommt?

Gruß

Stefan

Lucian Haas hat gesagt…

@Stefan: Wenn die Verbindung mit Schraubschäkel perfekt ist, dann solltest Du das auch so lassen. Die Testreihe ist ja keine grundsätzliche Empfehlung "für" die Verschlaufung und "gegen" den Schäkel. Sie zeigt einfach nur, dass Verschlaufen genauso gut hält und eben den Schäkel spart.
Bei einigen modernen Leichtgurtzeugen und Leichtrettern sind die V-Leinen nicht mehr dick, sondern relativ dünne Dyneema-Stränge. Da geht das Verschlaufen auch gut.

@Thomas: Verschlaufen geht, indem man Schlaufe A durch Schlaufe B zieht, dann wiederum die Leine A durch die eigene Schlaufe A steckt und das dann festzieht. Das ist genauso, wie die verschiedenen Leinenebenen beim Gleitschirm miteinander verschlauf sind.

Ein schnell gegoogeltes Bild, wenn auch in einem ganz anderen Zusammenhang:
http://www.sieltec.de/s/cc_images/cache_2472008552.JPG