Teleportation eines Gleitschirms

Ein 230 km FAI-Dreieck mit einem EN-A-Schirm ist schon etwas Besonderes. Vor allem, wenn es mit einer Schnittgeschwindigkeit von fast 5000 km/h geflogen wird.

Screenshot des Zauber-FAI. Mal sehen, wie lange sich der Flug in den
XC-Datenbank hält. // Quelle: XC-DHV
XC-Datenbanken weisen manchmal Flugleistungen auf, deren hintergründiger Zauber erst dann auffällt, wenn man sich die Flugdaten etwas genauer anschaut.

Am 10. Mai ist ein Pilot namens Stefan Kraus laut DHV-XC mit einem Skywalk Mescal ein FAI-Dreieck von 230 km geflogen. So etwas könnte Skywalk natürlich marketingtechnisch ausschlachten, wenn da nicht ein paar seltsame Details wären.

So dauerte der Flug nur drei Minuten, was rechnerisch für die geflogene Strecke eine im DHV-XC angezeigte Durchschnittsgeschwindigkeit von 4993 km/h bedeutet. Irgendwo muss da wohl etwas nicht mit ganz rechten Dingen zugegangen sein. Vielleicht war Teleportation im Spiel.

Vielleicht ist in diesem Fall allerdings auch nur der Auswerte-Algorithmus des Servers einfach auf Basis etwas seltsamer Trackpunkte aus dem Tritt geraten. So lässt sich beispielsweise auch die Form des angezeigten Dreiecks in der Trackdarstellung nicht mit dem eigentlichen Track überein bringen.

Wo der Fehler liegt, werden die DHV-Mannen sicher noch aufklären. Vielleicht wäre es sinnvoll, in den Algorithmus auch gewisse Plausibilitätsprüfungen einzubauen. Ein Flug mit einer auffällig hohen Durchschnittsgeschwindigkeit käme damit nicht einfach so in die Wertung.

Vielleicht hat sich in diesem Fall auch der Pilot selbst mit einem konstruierten IGC-File einen Scherz erlaubt. Wenn Stefan Kraus am Startplatz "Krauslos" startet und dann für diesen mit seinem Flug den Fluggebietsrekord hält, ist das zumindest auch ein Schmunzeln wert.


(Nachtrag 11.5., 22 Uhr: Mittlerweile ist der Flug aus der Datenbank des XC-DHV gelöscht worden. Der Screenshot s.o. zeigt aber, was zuvor noch zu sehen war.)

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3 Kommentare:

Jochen hat gesagt…

Laut igc-Datei [1] war er mit einer "Corvus Phantom" [2] unterwegs, ein UL-Flugzeug.
Versehentliches hochladen / Auto-Upload würde ich ausschließen, da er den Umweg über MaxPunkte ging. Also unter Annahme bester Absichten einfach ein Scherz, oder eine Fehlfunktion des in die Jahre gekommenen Fußgänger-GPS Garmin GPSMap 60CSx.

Die Plausibilitätsprüfung ließe sich recht einfach implementieren: Alles mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit über 70 km/h ist mindestens einen zweiten Blick wert.

[1] https://gist.githubusercontent.com/anonymous/4e22fb56b0b18ed10992a3bb3bbd2362/raw/9512cf93363a8276d4261b9690ccde8c4249c501/75astkr1.igc

[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Corvus_Phantom

Jochen hat gesagt…

Außerdem sollten Programme wie MaxPunkte keinen gültigen G-Record erzeugen dürfen, das führt den Sinn dieser Prüffunktion ad absurdum. Schließlich kann ich damit alles validieren, auch einen selbstgebastelten Track. Ich verstehe nicht, warum die FAI hier eine Lizenz erteilt hat.

Marcel hat gesagt…

Es gibt nebenbei bemerkt auch GPS-Simulatoren - damit kann man auch nem Flymaster oder sonstigem Hardware-only tracker mit interner Signatur jeden beliebigen Track unterschieben.
Ist zwar etwas aufwändiger, aber geht schon. Sogar für Pokemon Go wurden schon GPS Tracks simuliert. Es muß nur die richtigen Leute haben. Da für braucht es nicht die NSA...