Flugoptimierte Funktionswäsche

Die tschechische Firma Flyskin bietet Funktionsunterwäsche, die speziell auf die Bedürfnisse von Gleitschirmfliegern zugeschnitten ist. Lu-Glidz hat sie getestet. 

Das Flyskin-System besteht aus einem warmen Unterziehhemd (links)
und einem gut die Feuchtigkeit ableitenden Pullover (rechts).
// Fotos: Lu-Glidz
Wer erst einen Berg hochwandert, um ihn dann hinunterzufliegen, stößt schnell auf ein Problem: Beim Laufen schwitzt man. Der Schweiß hängt feucht in der Kleidung und kühlt den Körper aus, wenn man es am wenigsten gebrauchen kann - hoch oben in kalter Luft.

Beste Abhilfe ist ein trockenes Shirt zum wechseln oder aber eine gute Funktionsunterwäsche, welche die Feuchtigkeit schnell von der Haut nach außen wegleitet.

Derlei Funktionswäsche gibt es in großer Auswahl in Sport- und Outdoor-Shops. Allerdings mangelt es an Produkten, die speziell für die Belange von Gleitschirmfliegern zugeschnitten sind. Piloten halten zum Beispiel ständig Arme und Hände in den Fahrtwind, wodurch diese schneller auskühlen. In klassischen Outdoor-Sortimenten wird man allerdings kaum Angebote finden, die diesem Problem Rechnung tragen.

Der tschechische Pilote Petr Kuhn hat die Marktlücke erkannt und eine spezielle Funktionswäsche für Gleitschirmflieger entwickelt. Der Markenname: Flyskin. Sie ist gezielt darauf ausgerichtet, Feuchtigkeit abzuleiten und typische Kältebrücken zu vermeiden.

Die "Fliegerhaut" von Flyskin ist ein abgestimmtes System aus einem langärmligen Unterhemd als erstem und einem Pullover als zweitem "Layer". Das eng anliegende Unterziehhemd ist aus gut wärmenden und gut die Feuchtigkeit abtransportierenden Polypropylen-Stoffen genäht. Am Rücken sowie unter den Achseln ist das besonders schnell trocknende DryUp zu finden. Das Highlight bilden allerdings lange, angenähte Stulpen aus feiner Merinowolle samt Daumenloch an den Ärmeln. Diese Stulpen, die tief in den Handschuh eintauchen, helfen Kältebrücken am Handgelenk zu vermeiden. Ein hoch reichender, weicher Kragen schützt den Hals vor Zugluft.

Der Pullover als zweite Lage besteht aus einem Mischgewebe aus Polypropylen und Baumwolle. Die Baumwolle sorgt dafür, dass Feuchtigkeit von der Haut quasi weggesaugt wird, während der Kunstfaser-Anteil dennoch ein schnelleres Trocknen ermöglicht. Die besondere Anpassung an die Bedürfnisse von Gleitschirmpiloten besteht bei diesem Produkt aus Ärmeln, die zusätzlich innen mit einer Lage feinem Merino-Wollfleece gefüttert sind. Das hilft, die dem Fahrtwind ausgesetzten Arme länger warm zu halten. Auch reicht der Pulli am Hals weit hoch, wobei ein schräg angesetzter Reißverschluss beim Anziehen hilft. Der Rücken ist etwas länger geschnitten.

Das Unterziehhemd von Flyskin hat am Handgelenk
eine lange Stulpe aus warmem Merino-Fleece.
Ich habe das Flyskin-System in den vergangenen vier Wochen ausgiebig getestet, sowohl beim Wandern auf den Berg wie auch bei längeren Flügen in der Luft. Das Unterziehhemd wie der Pullover haben sich als sehr funktional erwiesen. Der Tragekomfort ist sehr hoch.

Vor allem das Unterhemd trocknet extrem schnell und hinterlässt selbst nach einem anstrengenden Aufstieg nur kurz das Gefühl, der Körper könnte vom Schweiß ausgekühlt werden. Dann setzt schon wieder der wärmende Effekt ein. Dank der langen Stulpen an den Händen und den mit Merino gedoppelten Ärmel des Pullovers habe ich selbst mit einer nur recht dünnen Überjacke bei Flügen mit Temperaturen in der Höhe von unter 10°C keine störende Kälte verspürt.

Es sind nur kleine Details, die ich nicht optimal gelöst finde: Für den schweißtreibenden Aufstieg würde ich mir einen Reißverschluss am Kragen des Unterziehhemds wünschen, um den Wärmestau beim Laufen zu reduzieren. Der Steg am Daumenloch der Stulpen dürfte etwas breiter ausgeführt sein, um auch unter Zug nicht einzuschneiden. Und der Reißverschluss am Pullover sollte besser einen halben Zentimeter unterhalb des Kragenrandes enden, sodass die darüber liegende, schützende Stofflasche weniger als Wulst aufträgt.

Wer bei Hike-and-Fly auf ein möglichst geringes Gewicht seiner Gesamtausrüstung setzt, dem dürfte der Pullover wegen seines Baumwollanteils vergleichsweise schwer erscheinen. Darüber hinaus ist die Flyskin-Farbpalette (bisher nur grau und schwarz für Männer sowie rot für Frauen) sehr begrenzt.

Besonders erwähnenswert ist allerdings eine weitere gute Eigenschaft von Flyskin. Obwohl ich Unterhemd und Pullover während einer Fliegerwoche jeden Tag für mehrere Stunden getragen habe, blieb der häufig so störende, beißende Schweißgeruch synthetischer Funktionswäsche aus. Solange man die Flyskin-Wäsche nicht im feuchten Zustand einpackt, sondern gut gelüftet trocknen lässt (was nicht lange dauert), bleibt sie weitgehend geruchsneutral.

Auch die Preise sind im Vergleich zu anderer guter Funktionswäsche durchaus konkurrenzfähig: 57 Euro für das Unterziehhemd und 93 Euro für den Pullover.

Die Flyskin-Kollektion kann online über den Flyskin-Shop geordert werden. Der Versand ist ab 150 Euro Einkaufswert in die EU kostenfrei.

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1 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

man beachte die zucht der schafe; http://www.peta.de/fakten