Literaturtipp: Meteorologie

Gute Meteo-Bücher speziell für Gleitschirmpiloten waren bisher Mangelware. Der dicke Wälzer „Meteorologie“ von Norbert Fleisch füllt diese Lücke.

Das Buch "Meteorologie" von Norbert Fleisch
bietet eine umfassende Einführung in flugrelevante
Wetterphänomene. // Quelle: Papillon.de
Übers Thermikfliegen gibt es bereits das Thermikbuch als „Standardwerk“ von Burkhard ("Burki") Martens, das bei vielen Piloten im Bücherschrank steht. Wenn es allerdings darum geht, Gleitschirmpiloten einen umfassenden Hintergrund in puncto Flugmeteorologie zu liefern, mit sinnvollen Tipps und Einschätzungen aus der Flugpraxis, herrschte auf dem Büchermarkt bisher nahezu ein Vakuum.

Jetzt hat Norbert ("Nobbi") Fleisch, Fluglehrer bei Papillon Paragliding (Wasserkuppe) und erwiesener Meteo-Experte, diese Lücke mit einem gewichtigen Werk gefüllt. Sein Buch „Meteorologie“ liefert auf 350 Seiten im Hardcover alle Grundlagen, die man für ein umfassendes Flugwetterverständnis benötigen könnte.

„Meteorologie“ folgt von seiner Struktur her einem klassischen Lehrbuch. In 31 Kapiteln werden vom Aufbau der Atmosphäre, der Entstehung von Tiefdruckgebieten, der Bedeutung von Wolken, dem Charakter verschiedener Windsysteme, Gewittergefahren, Großwetterlagen, Temp-Analysen, Bauernregeln etc. nach und nach wirklich so gut wie alle Themen aufgegriffen, die im Flugalltag eines Gleitschirmpiloten wettertechnisch von Relevanz sein könnten. Hunderte Grafiken und Fotos illustrieren dazu das Beschriebene. Wer all das gründlich durcharbeitet, wird sich ein enormes Wetterwissen aneignen können.

(Man sollte sich nichts vormachen: Vom einmaligen Lesen eines solchen Buches wird man kein Wetterexperte. Nutzbares Meteowissen eignet man sich nur durch regelmäßiges Wetterstudium, dem Vergleich von Wetterpraxis, Prognosen und Modellergebnissen etc. an. Das Buch ist aber eine gute Ausgangsbasis und Hilfestellung hierzu.)

Innensicht aus dem Buch. Viele Bilder und Grafiken illustrieren das
Geschriebene. Blaue Kästen zur "Flugmeteorologischen Bedeutung"
liefern wertvolle Tipps für die Praxis. (Zur größeren Ansicht ins
Bild klicken). // Quelle: Papillon.de
Der besondere Wert des Buches liegt in dem Schatz aus über 20 Jahren Flug- und Meteoerfahrung, aus dem heraus Nobbi die verschiedenen Wetterphänomene für die Piloten einordnet. Zu fast jedem Thema gibt es im Text eingestreute Kästen, die jeweils die „Flugmeteorologische Bedeutung“ abhandeln. Darin erklärt Nobbi, wie sich das gerade Gelesene auf die eigene Flugpraxis auswirken könnte. Er weist auf Gefahren aber auch flugtechnische Chancen von Wetterlagen, Wolkentypen und anderen Meteo-Anzeichen hin.

Wenn man an dem Buch etwas kritisieren wollte, dann ist der schiere Umfang der Information. Bei den Meteo-Grundlagen greift Nobbi auch Definitionen und Prozesse auf oder geht mit Liebe zum Detail auf Zusammenhänge ein, die ein Ottonormalpilot für seine alltägliche Flugwettereinschätzung selten einmal brauchen wird. Hier zu erkennen, was mehr und was weniger relevant ist, dürfte für einen Anfänger schwierig sein. Entsprechend beschwerlich kann es sein, sich durch den teils trockenen Stoff durchzuackern. Immerhin hält das Buch so nicht nur für Flugmeteo-Anfänger, sondern auch für Fortgeschrittene immer noch neue Erkenntnisse parat.

Ein zweiter Kritikpunkt ist die Präsentation der Grafiken im Buch. Es ist erkennbar, dass viele der gut gemachten Illustrationen vom Stil und Schnitt her für Powerpoint-Präsentationen optimiert sind – und auf großen Leinwänden sicher gut funktionieren. Das Buch ist allerdings zweispaltig gesetzt, und fast alle Grafiken, Wetterkarten, Satellitenbilder etc. sind auf Spaltenbreite reduziert. Die Darstellung wirkt damit häufig zu klein, und manch interessantes Detail verlangt fast nach einer Lupe, um erfasst werden zu können.

In der Bildunterschrift zu einer Bodenwetterkarte, deren synoptische Symbole nur noch wie Fliegenschiss auf der Seite wirken, heißt es im Buch gar schuldbewusst: „Wer jetzt nach einer Lesehilfe sucht, ist nicht alleine. Im Internet lassen sich diese Karten jedoch zum Glück vergrößern.“

Das Buch hätte meiner Einschätzung nach noch gewonnen, wenn der „Lehrstoff“ von manchen Randthemen befreit und deren Platz stattdessen für eine großzügigere Präsentation wichtiger Grafiken genutzt worden wäre.

Unterm Strich ist das allerdings Jammern auf hohem Niveau. De facto ist „Meteorologie“ bis dato das Beste und Umfassendste, was man in Sachen Literatur zum Thema Flugmeteorologie für Paragleiter auf dem deutschen Buchmarkt finden kann. Wer sich tiefer in die Wetterkunde einfuchsen will, der tut gut daran, sich von Nobbi die Hintergründe und Zusammenhänge erklären zu lassen. „Meteorologie“ hat das Zeug, wie Burkis Thermikbuch den Status als Klassiker im Bücherschrank der Gleitschirmpiloten zu erlangen.

Das Buch „Meteorologie“ von Norbert Fleisch ist im Eigenverlag bei Papillon Paragliding erschienen. Es ist aktuell nicht über den klassischen Buchhandel erhältlich, sondern nur direkt bei Papillon-Flugschulen oder übers Internet zu bestellen beim Online-Shop Gleitschirm-Direkt. ISBN 978-3-9818854-9-1. 1. Auflage 2017. 351 Seiten. 49,- €.

Tipp: Wer vor dem Kauf weitere Einblicke in das Buch bekommen will, der findet bei Papillon eine Reihe kostenloser Leseproben im pdf-Format

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12 Kommentare:

Manuel hat gesagt…

Hallo zusammen, kann ir jemand sagen wo ich das Buch erwerben kann? Auf Amazon nicht im Angebot.

Vg,
Manuel

Lucian Haas hat gesagt…

Manuel, wer lesen kann ist klar im Vorteil ;-))
Schau mal am Ende des Posts, da steht schon, dass es das nicht bei Amazon gibt...
Hier ein Direktlink zu einer Bestellseite:
https://www.gleitschirm-direkt.de/Fachliteratur/Fachbuecher/Gesamtwerk-Paragliding-Band-1-Meteorologie.html

Simon hat gesagt…

Hallo Lucian,

hast Du mal das Buch "Meteorologie für Segelflieger" von Henry Blum
gelesen? Hier werden für mich auf einfache Art und Weise alle Fragen
beantwortet die ich auch bei meinen Flügen erlebt habe. Da geht in
erster Linie um die Luftmasse (Temperatur und Feuchte) und wie sich
das auf die Thermik auswirkt. Wenn man dann noch den Wind berücksichtigt,
kommt man glaube ich ziehmlich gut zurecht.

Viele Grüße

Lucian Haas hat gesagt…

Simon, das Buch kenne ich gut. Meteorologie für Segelflieger beschreibt die Zusammenhänge der Thermik sehr gut. Es ist aber kein allgemeines Meteo Lehrbuch wie das von Nobbi. Dennoch auch empfehlenswert.

Anonym hat gesagt…

Für eine Lieferung innerhalb Deutschlands berechnen wir 6,90 Euro inkl. Verpakungsmaterial. Der Versand von Waren außerhalb Deutschlands, jedoch innerhalb der EU wird mit 15,90 Euro inkl. Verpackungsmaterial berechnet.

€ 16,-- für ein Buch nach Österreich ist heftig reinhard

Anonym hat gesagt…

Lucian,

wird hier auch ein gutes Literaturverzeichnis gepflegt?
Es wäre ein großer Fortschritt, wenn Aussagen über Phänomene,
die eine wissenschaftliche Betrachtung eigentlich notwendig machen
auch durch entsprechende Verweise belegt würden.

Es wird z.B. in Fliegerkreisen ganz gerne darüber philosophiert,
wie eine Thermik aussieht. Aber ich habe noch nie erlebt, dass irgendwo die,
wohl eher spärlichen aber vorhandenen, wissenschaftlichen Ergebnisse zu diesem
Thema gesichtet oder zitiert werden.

Gruß Tobias

Anonym hat gesagt…

Steht da auch drin warum der Sommer so armselig ist?

Anonym hat gesagt…

Meteorologie fuer Piloten von K.H. Hack steht hier noch...

Gruesse,
Chris

Anonym hat gesagt…

" ... wird hier auch ein gutes Literaturverzeichnis gepflegt?"

Nein, völlige Fehlanzeige!!
Alles ganz nett aber deshalb als "wissenschaftliche Veröffentlichung" oder gar "Grundwerk der Gleitschirmmeteorologie" ein kompletter Totalausfall!!
Schade eigentlich

RD hat gesagt…



Ob ein Buch gut ist oder nicht, hängt von seinem Zweck ab. Ich würde jedenfalls gerne mal reinsehen - allerdings nicht für den Preis. Meinen Respekt für die Leidenschaft zum Thema, den nicht unbeträchtlichen Aufwand und den praktischen Fokus hat der Autor jedenfalls.

Für den Zweck die Atmosphäre für das Gleitschirmfliegen zu verstehen sind Referenzen nicht zwingend notwendig. Allerdings gehört eine saubere Quellenangabe zu einem guten Stil für jedes Sachbuch - auch wenn es nicht wissenschaftlicher Art ist. Wie soll man das sonst vertiefen und überprüfen?

Ein gutes Buch zum Lernen ist aus meiner Erfahrung:
Understanding the Sky von Dennis Pagan.
Mit Abstand besser als jedes mir bekannte deutschprachige Buch zu dem Thema ( https://youtu.be/zOI0_1fdwXY ).

Beispiel: Die Diskussion um die Rolle von Wassergas bei der Thermik, die in der deutschen Segelfliegerszene erst seit ein paar Jahren aufgekommen ist, war schon lange Stand des Wissens und ist auf den ersten Seiten von Dennis Pagans Buch angesprochen, obwohl es von 1992 ist. Insbesondere geht er anschaulich auf die Turbulenz und Thermik im der planetaren Grenzschicht ein.

Wer Meteorologie an sich besser verstehen will kann sich eines der Standardlehrbücher, welches an Universitäten verwendet wird, ansehen. Grundlegend zum Beispiel im Bergmann-Schaefer Lehrbuch der Experimentalphysik Band 7 oder in Athmospheric Science: An introductory survey von Wallace und Hobbs. Tipps zum Gleitschirmfliegen wird man darin allerdings nicht finden.

RD hat gesagt…

@Tobias:

Eine schnelle Suche bei Google Scholar liefert schon einiges (Suche: thermal plume boundary layer). Oder direkt bei einem Fachjournal:
https://link.springer.com/journal/10546

Referenzen zum Einstieg zB hier
https://link.springer.com/article/10.1007%2FBF00122351?LI=true
https://dspace.library.colostate.edu/bitstream/handle/10217/32635/0402_Bluebook.pdf?sequence=1


Lucian Haas hat gesagt…

Ich finde, die Qualität eines Meteo-Buches für Gleitschirmflieger sollte man nicht am gepflegten Literaturverzeichnis festmachen, sondern daran, ob der Autor es schafft, seine Leser für das Thema Meteo für Gleitschirmflieger zu begeistern.

Meinem Erleben nach ist Meteo-Wissen bei den meisten Piloten noch immer das größte Manko. Das liegt auch daran, dass der Stoff häufig viel zu theoretisch und trocken vermittelt wird. Je lehrbuchhafter von der Aufmachung her so ein Buch daher kommt, desto eher landet es nach wenigen Seiten ungelesen in der Ecke. Das sollte aber nicht Sinn der Sache sein.