Wolken lesen lernen

Wenn wir unseren Blick zum Himmel richten, sehen wir fast immer Wolken. Der Himmel über Mitteleuropa ist im Jahresdurchschnitt zu 70 Prozent mit Wolken bedeckt. Sie sind hervorragende Wetterboten, denn man kann aus ihnen und ihrer Entwicklung das Wetter der nächsten Stunden gut abschätzen: Bleibt es schön? Wird es regnen? Wo gibt es Thermik? Allerdings ist in Zeiten moderner Wettervorhersagen dieses Wissen nicht mehr sehr präsent. Allzu gerne verlassen wir uns auf Satellitenbilder und Wettermodelle. Dabei lohnt es sich gerade für uns Flieger, Wolken „lesen“ zu lernen.

Quelle: M.Forkel
Wolken sind nichts anderes als Wasser in der Luft. Sie entstehen überall dort, wo sich Luft abkühlt und deswegen weniger Wasserdampf enthalten kann. Wird dabei die Sättigungsgrenze überschritten bzw. die Taupunkttemperatur erreicht, kondensiert das Wasser zu feinen Tröpfchen. Sie streuen und spiegeln das Licht und werden so als weißes Etwas sichtbar.

Verschiedene Prozesse in der Atmosphäre fördern die Wolkenbildung. Wichtigster Faktor dabei ist die Hebung von Luft. Wenn Luft aufsteigt, dehnt sie sich als Folge des geringeren Luftdrucks aus und kühlt ab. Erreicht sie dabei die Taupunkttemperatur, entwickeln sich Wolken. Die entsprechende Höhe in der Atmosphäre ist das so genannte Kondensationsniveau.

Das Heben von Luft kann mehrere Auslöser haben:
  • Konvektion: erwärmte Luft (Thermik) steigt auf
  • feste Hindernisse: Gebirge lenken Luftströmungen nach oben um
  • „luftige“ Hindernisse: kalte Luftschichten am Boden lenken wärmere Luft nach oben ab
  • Wellen: Luftschichten werden großflächig in Schwingung versetzt. Das kann ausgelöst werden durch Turbulenz hinter Hindernissen (Leewellen) oder durch Reibung zwischen zwei unterschiedlich temperierten Luftschichten.

Thermikwolken

Für uns Flieger ist vor allem die konvektive Bewölkung interessant. Schließlich basiert sie auf dem, was auch uns umtreibt: Thermik. Kleine Blumenkohl-Wolken (Cumulus humilis) lassen unser Herz höher schlagen. Sie zeigen uns relativ eindeutig, wo es dank Thermik nach oben geht. Allerdings ist nicht jede niedrige Blumenkohlwolke tatsächlich thermisch aktiv. Nur wenn die Unterseite horizontal wie mit einem Lineal gezogen erscheint (wie auf dem Foto, entstanden beim spanischen Streckenflugmekka Piedrahita, Foto: A.Harich) und die oberen "Blumenkohlröschen" aktiv wachsen und brodeln, kann man darunter auch Aufwinde erwarten.

Zeigt die Wolke hingegen auch zum Boden hin Ausbuchtungen und hat allgemein eher unscharfe, zerfranste Ränder, ist sie mit Vorsicht zu genießen. Solche Wolken sind Cumulus, die sich schon wieder auflösen, oder sie gehören zum Typ Stratocumulus und sind nicht durch Thermik, sondern durch Turbulenz entstanden. Entsprechend bockig wird es darunter zugehen.

Natürlich gibt es auch Mischformen. Verallgemeinernd gilt jedoch die Regel: Je unruhiger die Basis der Wolke erscheint, desto mehr Abstand sollte man davon halten.

Außer den kleinen Cumulus-Wolken sind alle anderen Wolkenarten für uns Gleitschirmflieger eher störend. Dennoch lohnt es sich, sie intensiver anzuschauen. Auch sie bieten viele Infos darüber, was in der Atmosphäre los ist. Hier nur zwei Beispiele:

Cirrus-Wolken: „In Cirren kann man sich irren“, lautet eine meteorologische Weisheit. Denn wenn diese 5 bis 13 km hoch liegenden Eiswolken am Himmel auftauchen, verschlechtert sich häufig das Wetter. Muss aber nicht! Wichtig ist bei Cirren darauf zu achten, wie sie sich entwickeln. Werden aus einzelnen Flocken immer mehr, bis sie schließlich einen geschlossenen Schleier bilden, rückt sicher eine Schlechtwetterzone heran. Bleibt die Art und Dichte der Cirren hingegen über Stunden hinweg unverändert, spricht das eher für stabiles Hochdruckwetter.

Castellanus-Wolken: Meteorologen geben Wolken, die am oberen Rand eine Reihe zinnenförmiger Ausbuchtungen haben, den Namenszusatz castellanus. Die Wolkenzinnen entstehen durch konvektive Prozesse, wenn in der Höhe unterkühlte Luft hereinfließt, in wärmere Luftschichten einsickert und im Gegenzug warme Luftblasen aufsteigen lässt. Solche Zinnen sind am besten auf langgezogenen Wolken zu erkennen, beispielsweise Kondensstreifen von Flugzeugen. Für uns Flieger sind sie ein Wink mit dem Zaunpfahl: Achtung, die Atmosphäre wird labil! Vor allem wenn wir Altocumulus-Wolken in 3-6 km Höhe mit den Castellanus-Zinnen sehen, ist Vorsicht angesagt. Nur wenige Stunden später werden auch unsere niedrigeren Cumulus-Wolken heftig aufschießen, es kann sogar Gewitter geben.

Natürlich gibt es noch viel mehr Wolkentypen, die alle etwas übers Wetter erzählen können. in späteren Texten werde ich auf einige von ihnen hier im Blog noch genauer eingehen. Ansonsten lohnt sich erst einmal ein Blick in den Karlsruher Wolkenatlas

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1 Kommentare:

Tim hat gesagt…

Gute Arbeit! :)