31 August 2015

Übers wilde Korsika

95 km im Zickzack übers wilde Korsika.
Es sind nicht immer die weitesten Flüge, die herausragende Leistungen darstellen. Manchmal sind es auch einfach die unkonventionellen, die man sich als Vorbild anschauen kann.

Wie fliegt man beispielsweise auf einer so wilden Insel wie Korsika einen fast-100er (nur gebremst, weil das Land irgendwann einfach zu Ende ist)? Das kann man sich bei Stephane Lacroix abschauen.

Er startete kürzlich am Startplatz Vero nordöstlich von Ajaccio, folgte den Hauptgebirgsketten, mal nach West, mal nach Ost, stieg bis auf mehr als 2700 Meter, wagte immer wieder große Talsprünge, um am Ende im Norden der Insel direkt am Meer zu landen. Es gibt halt fliegerisch noch viel zu entdecken auf dieser Welt...

27 August 2015

Eine App für die lästige Frequenzfrage

Die App Frequencies gewinnt keinen Designpreis, ist aber funktional.
Ein typischer Dialog an einem Windenstartplatz:

- A: Was habt ihr hier für eine Frequenz?
- B: Wir funken auf PMR Kanal 7, Unterkanal 7
- A: Ah gut. 
- A (wenig später): Ähh, mein Funkgerät zeigt keine Kanäle, welche Frequenz ist das denn?
- B: Frequenz? Keine Ahnung. Meine Funke zeigt nur Kanäle.
- B (brüllt über den Platz): Weiß jemand, welche Frequenz PMR Kanal 7 hat?
- C: Ich glaube, der D hat da so eine Liste im Cockpit, der ist aber gerade nicht da.
(...)

In solchen Momenten kann eine passende, simple Smartphone-App namens Frequencies weiterhelfen. Darin kann man einfach PMR- oder LPD-Kanäle mitsamt der Unterkanäle (CTCSS-Töne) angeben, schon bekommt man die zugehörige Frequenz angezeigt. Das ganze funktioniert auch umgekehrt: Gibt man eine Frequenz ein, liefert die App den passenden Kanal.

Frequencies gibt es als kostenlose Version (mit kleinen, kaum störenden Werbeeinblendungen) sowohl für Android als auch für iOS.

Wer keine Werbung will, kann für 50 Cent bzw. 99 Cent (Android / iOS) eine werbefreie Version erstehen.

26 August 2015

Meteo-Parapente basiert jetzt auf Arome statt GFS

Neues Grundmodell, neuer Zuschnitt: Bei Meteo-Parapente werden
die Ostalpen nicht mehr erfasst. Dafür sind die Wetterdaten des
Vorhersagegebietes genauer und aktueller.
Meteo-Parapente hat sich in den vergangenen Jahren mit seinen fein aufgelösten Wind- und Thermikprognosen zu einer der beliebtesten Wetterseiten für Gleitschirmflieger entwickelt. Kürzlich gab es auf der Seite eine grundlegende Veränderung. Die präsentierten Wetterdaten basieren nicht mehr auf dem globalen GFS-Modell, dessen Output im 25 km Raster mit einem WRF-Modell mit einer Auflösung von 2,5 km fein gerechnet wird. Vielmehr kommen die Daten nun direkt aus dem Modell Arome des französischen Wetterdienstes Meteo France. Dessen Modellraster liegt bei 1,3 km.

Die Umstellung beruht auf einer kleinen Sensation. Jahrzehntelang hatte Meteo France die gleiche Politik wie andere europäische Wetterdienste verfolgt und die Daten seiner steuergeld-finanzierten Wettermodelle anderen Nutzern nur gegen teure Bezahlung überlassen. Nicolas Baldeck, der Kopf hinter Meteo-Parapente, hatte stets dagegen gewettert. Er gründete eigens ein Non-Profit-Unternehmen, Open-Meteo-Foundation, das sich für den freien Zugang zur Wetterdaten einsetzt. Mit seinen Ideen wurde er auch beim Chef von Meteo France vorstellig - und irgendwie muss seine Überzeugungsarbeit auf fruchtbaren Boden gefallen sein. Denn seit kurzem stellt Meteo France die Arome-Daten registrierten französischen Nutzern tatsächlich frei zur Verfügung.

Für Nicolas kam dieser Schritt gerade recht. Meteo-Parapente stand in seiner alten Version finanziell auf tönernen Füßen und eventuell sogar vor dem Aus. Die regelmäßigen Läufe des WRF-Modells verlangten eine hohe Rechenkapazität. Eine Zeit lang hatte Meteo-Parapente einen Sponsor für den Betrieb der nötigen Server-Cluster, doch vor kurzem sprang dieser ab. Nicolas sah sich genötigt, die nötige Rechenleistung als Cloud-Computing zuzukaufen. Doch bei Kosten von 36 Euro pro Tag für eine Wetterseite, die vollkommen freizügig ist und selbst keine direkten Einnahmen generiert, wäre er schnell an seine privaten finanziellen Grenzen gestoßen.

Arome nimmt ihm diese Sorgen. Die feinen Modellrechnungen erfolgen alle bei Meteo France. Meteo-Parapente benötigt jetzt nur noch einen einfachen Server, um die jeweils neuesten Modellwerte aus der Datenbank zu ziehen und grafisch als zoombare Wind-, Thermik- und Wolkenkarten aufzubereiten.

Für die Nutzer von Meteo-Parapente bringt die Umstellung Vor- und Nachteile. Der Hauptnachteil ist ein engerer regionaler Zuschnitt der von Arome gelieferten Daten. Meteo-Parapente deckt nicht mehr den kompletten Alpenbogen ab, sondern reicht im Osten nur noch bis zum Zillertal. Auch Teile von Ostdeutschland und Bayern werden vom Arome-Modell nicht mehr erfasst (s. Grafik oben). Da Arome zudem das Wetter jeweils nur 30 Stunden in die Zukunft rechnet, sind auch die Thermikprognosen von Meteo-Parapente entsprechend limitiert.

Die Vorteile liegen in einer erhöhten Genauigkeit. Während Meteo-Parapente auf GFS-Basis nur Eingangsdaten im 25 km Raster erhielt und diese dann interpolieren und auf das feinere WRF-Raster runterbrechen musste, bezieht das Arome-Modell von Anfang an deutlich feiner und zeitnäher erhobene Messdaten lokaler Wetterstationen mit ein. Darunter sind auch solche, die nicht nur den Bodenwind, sondern auch das Höhenwindfeld mit spezieller Radartechnik (Lidar) erfassen. Das ist eine Besonderheit des Arome-Modells. 

Meteo France hat Arome hauptsächlich dafür entwickelt, konvektive Starkregen-Wetterlagen besser erfassen und vorhersagen zu können. Von dem dafür betriebenen Aufwand sollten freilich auch die Thermik- und Windprognosen profitieren. Zumal Arome viermal am Tag neue Daten liefert.

Aktuell fehlen auf Meteo-Parapente noch einige zuvor vorhandene Karten, etwa zur Thermikstärke, dem Durchschnittswind  oder Regengebieten. Nicolas hat noch nicht die Zeit gefunden, die entsprechenden Parameter auf die neue Datengrundlage anzupassen. Das soll in den nächsten Wochen nach und nach geschehen.

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24 August 2015

Fliegen wir in Zukunft mit Google-Transponder?

Amazon, Google, DHL - es gibt viele große Unternehmen, die Pläne schmieden, mit Transport- und Überwachungsdrohnen Geld zu verdienen. Eine der Schwierigkeiten dabei ist, die Sicherheit im Luftraum zu gewährleisten. Bisher dürfen private Drohnen nur mit Sichtkontakt zu einem Piloten (mit Fernsteuerung) geflogen werden. Doch Zukunftsvisionen sehen einen völlig automatisierten Drohnenverkehr über den Städten und dem Land vor. Integrierte Kollisionsvermeidungssysteme werden dabei zu einem wichtigen Bestandteil der Automation.

Die Ideen, wie so etwas aussehen könnte, nehmen langsam Formen an. Google vertritt dabei in den USA vor allem einen Vorschlag: Alle Drohnen sollten mit einem Transponder ausgerüstet sein, der ständig die per GPS ermittelte Position der Drohne aussendet, um anderen im Luftraum eine Ausweichmöglichkeit zu bieten. Die Technik nennt sich ADS-B, was als Kürzel für Automatic Dependent Surveillance Broadcast steht.

In der "großen" Zivilluftfahrt wird ADS-B heute schon zunehmend zum Standard, der die klassische Radarüberwachung ergänzt. Wer sich fliegend hauptsächlich im unkontrollierten Luftraum aufhält, kann freilich auf Transponder verzichten. Doch das dürfte sich in Zukunft ändern. Sollten transponderbestückte Drohnenflüge im bodennahen Luftraum tatsächlich eines Tages Realität werden, müssten zur (eigenen) Sicherheit auch alle andere Luftfahrtteilnehmer mit Transpondern ausgerüstet werden - Gleitschirme eingeschlossen.

Bisher steht noch ein Argument dagegen: Transponder sind zu groß, zu energiehungrig, vor allem aber zu teuer, um zur Regelausstattung von Drohnen zu werden. Doch auch hier kommt Bewegung ist Spiel. Laut verschiedenen US-Medienberichten (z.B. Airspacemag) hat Google angekündigt, selbst eine Art Volks-Transponder im ADS-B Standard entwickeln zu wollen. Hauptmerkmal: So klein, so leicht und als Massenprodukt auch so günstig wie möglich. Genaue Zielpreisangaben gibt es noch nicht, es sollen aber deutlich unter 2000 Euro werden, dem aktuellen Preisniveau für die günstigsten ADS-B-Systeme.

Ein Zeithorizont, wann die Entwicklung abgeschlossen sein soll, wurde noch nicht genannt. Das Thema wird aber auf Luftsicherheitskonferenzen in den USA schon intensiv diskutiert. Es ist im Interesse der Drohnen-Befürworter, dass diese Technik auf den Markt kommen wird. Wer weiß: Vielleicht werden in ein paar Jahren auch schon die ersten Gleitschirmpiloten mit Google-Transpondern unterwegs sein?

Es gibt übrigens eine Variante von ADS-B, die heute schon von manchen Gleitschirmfliegern eingesetzt wird: Flarm. Diese Kollisionswarngeräte, die v.a. bei Segelfliegern verbreitet sind, nutzen ein eigenes Funkdatenformat mit reduzierter Funkreichweite, das mit klassischen ADS-B Empfängern nicht kompatibel ist. Sollte Googles Mini-Transponder in Zukunft zum neuen Standard werden, könnten das möglicherweise auch das Ende des Flarm-Systems bedeuten.

ThetaE und der Super-Samstag

ThetaE-Karte vom Samstag mittag. Quer über das norddeutsche
Flachland zieht sich ein (gelber) Korridor mit relativ niedrigen
Äquipotenzialtemperaturwerten. // Quelle: wetter24.de
Am vergangenen Samstag wurde im deutschen Flachland überraschend gut geflogen. Vor allem nach Windenschlepp in Cottbus konnten einige Piloten weite Strecken mit den Ostwind bis tief nach Niedersachsen hinein zurücklegen. Hagen Walter flog so bis auf vier Kilometer an die 300er Marke heran. Es ist einer von fünf 200ern, die an diesem Tag von dort aus starteten.

"Glückwunsch an alle Streckenpiloten, die diesen Hammertag nutzen konnten. Dieses Potential konnte keiner ahnen", schreibt Hagen in seinem Kommentar zum Flug. Aber stimmt das wirklich so, war dieser Tag tatsächlich nicht zu erahnen?

Ein gezielter Blick auf bestimmte Wetterkarten hätte hier zumindest schon ein bisschen Vorahnung  verschaffen können. Um gute Tage erkennen zu können, an denen die Thermik in der Höhe sehr zuverlässig durchzieht, empfiehlt es sich, stets auch Wetterkarten für das 850 hPa-Niveau (~1500m MSL) mit Angaben der Äquipotenzialtemperatur (auch ThetaE genannt) zu Rate zu ziehen. Je niedriger ThetaE in einer Region im Vergleich zu umliegenden Luftmassen ist, desto thermikträchtiger geht es dort zu. Das hat mit der Temperatur der Luftmassen in der Höhe 850 hPa und zugleich deren Feuchtigkeit zu tun.

Die Äquipotenzialtemperatur ist ein künstlicher Wert, bei dem Temperatur und Feuchtigkeit miteinander verrechnet werden. Und zwar so: Man nehme die Lufttemperatur in einer bestimmten Höhe, typischerweise 850 hPa. Nun lasse man das Luftpaket rechnerisch aufsteigen (und dabei abkühlen), und zwar so weit, bis sämtliche enthaltene Feuchtigkeit auskondensiert ist. Anschließend senkt man das nun trockene Luftpaket rechnerisch wieder ab, wobei es mit 1°C pro 100m trockenadiabatisch erwärmt wird. ThetaE ist dann die Temperatur, die sich für dieses völlig trockene Luftpaket ergeben würde, wenn man es bis auf 1000 hPa (= idealisierte Meereshöhe) absenkt.

Auf den ThetaE-Karten werden jene Regionen vergleichsweise kühle Temperaturen aufweisen, bei denen auf 850 hPa Luftmassen liegen, die selbst nicht allzu warm und zudem recht trocken sind. Das ist so interessant, weil beide Faktoren dazu beitragen, dass diese Luftmassen besonders thermikträchtig sind. Kühle Luft in der Höhe, bei guter Sonneneinstrahlung und Erwärmung am Boden, sorgt schon einmal für eine gewisse Labilität (=gute Aufstiegsbedingungen). Wenn dann auch noch die relative Trockenheit auf 850 hPa hinzu kommt, wird es den Thermikblasen zusätzlich einfacher gemacht, nach oben zu drängen.

Thermiken bringen i.d.R. etwas mehr Feuchte aus Bodennähe mit. Feuchte Luft hat eine geringere Dichte und ist deshalb per se etwas leichter als trockene Luft gleicher Temperatur. Trockene Höhenluft kann dann wie ein Thermikbooster wirken. Die ThetaE-Prognosen vom Samstagmittag zeigen, dass im norddeutschen Flachland eine schöner thermikträchtiger Korridor zu erwarten war.

Übrigens: Die Werte von ThetaE sollte man nie absolut, sondern immer relativ betrachten. Im kühleren Frühjahr versprechen ThetaE-Werte im niedrigen 30er-Bereich und darunter interessante Thermikbedingungen (wenn die anderen Parameter wie Wind, Sonneneinstrahlung etc. stimmen), im Sommer können auch Äquipotenzialtemperaturen im niedrigen 40er-Bereich das Fliegerherz erfreuen. Für gebirgige Regionen wie den Alpen ist es ratsam, auch die ThetaE-Karten für das 700-hPa-Niveau (~3000m) zu Rate zu ziehen.

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23 August 2015

Chrigels Langstreckenflug in der Mediathek

Sieben Stunden lang hat das Schweizer Fernsehen (SRF2) einen kompletten Streckenflug der Brüder Chrigel und Michael Maurer dokumentiert. Der Flug ging von Zermatt über 220 km bis Klosters. Anders als die Sendungen der Porträt-Reihe über Chrigel "Der Traum vom Fliegen" ist diese Dokumentation auch in ihrer ganzen Länge außerhalb der Schweiz als Stream in der SRF-Mediathek zu sehen.

Sieben Stunden sind natürlich schon eine Menge Material. Dennoch dürfte es für viele Piloten interessant sein, zumindest nach und nach Teile davon anzuschauen. Denn es gibt lehrreiche Einblicke: Wie viel Chrigel und Michael tatsächlich geradeaus fliegen, auch im Steigen. Wie sie ständig mit dem Beschleuniger arbeiten. Wie sie ein paar Schlüsselstellen meistern, darunter den Sprung über den Furkapass. Und dazu noch imposante Gletscherlandschaften.

Hier die Links zu allen sieben Teilen (á ca. eine Stunde) der Dokumentation:
Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5, Teil 6, Teil 7.

Als Anregung noch Teil 1 zum Anschauen im Blog:


Der komplette Flug ist auch nochmals in der Nacht vom 9. auf 10. September auf 3Sat zu sehen (falls sich jemand den Festplattenrekorder programmieren will).

20 August 2015

Windyty zeigt verfeinerte Prognose

Windyty bietet für Europa jetzt auch das NEMS-Modell als Datenquelle an.
Windyty gehört zu den interessantesten Wetterseiten im Netz, weil sie gerade für Flieger besonders nützliche Informationen bereit hält: Sie stellt den Wind nicht nur am Boden sondern auch in vielen Höhenschichten (300, 600, 750, 900, 1500, 2400, 3000 Meter) dar, und das weltweit. Dazu kann man auch Wolken und Niederschlag als Overlay einblenden. Die Angaben basieren auf dem globalen GFS-Modell.

Kürzlich wurde Windyty weiter aufgewertet. Wer den Kartenausschnitt so wählt, dass nur Europa oder Teile davon sichtbar sind, kann auch Daten eines zweiten Modells (NEMS) anzeigen lassen, das eine höhere räumliche Auflösung bietet. Während GFS mit 12 km Gitterabstand rechnet, folgen die von Meteoblue gelieferten NEMS-Daten einem 4 km Raster. Damit können manche regionalen Windphänomene besser erfasst werden.

Man sollte nicht davon ausgehen, dass das feinere NEMS-Modell grundsätzlich die stimmigeren Prognosen liefert. Interessanter ist es, zwischen beiden Modellen hin und her zu schalten. So erkennt man schnell feine Unterschiede in den Berechnungen. Wenn einem für die eigene Flugregion manche Unterschiede besonders augenfällig werden (z.B. durch sprunghafte Änderung der angezeigten Windbewegung oder -geschwindigkeit), kann man daraus ableiten, dass die Wetterprognose noch einen größeren Unsicherheitsfaktor enthält. Das gilt genauso auch bei der Darstellung von Regengebieten.

Die NEMS-Daten reichen übrigens nur drei Tage in die Zukunft, während das GFS-Modell bis zu 14 Tage im voraus rechnet. Ab Tag 5 sollte man die Prognosen allerdings nur zur groben Orientierung der möglichen Großwetterlage nutzen. Für genauere lokale Angaben sind die Modelldaten dann einfach noch zu unsicher.

19 August 2015

Sicherheitsmitteilungen von Gin und Supair

Bei Gin geht es um Kombi-Container (Frontrettung + Cockpit), die nach 2014 verkauft wurden. Diese werden zurück gerufen, weil an manchen Rettungsgriffen der Serie Nahtprobleme aufgetreten sind. Nähere Infos hierzu auf der Gin-Homepage.

Supair hat bei einigen Gurtzeugen aus den Serien Walibi 2, Walibi Lite, Vip 2 und Vip Lite vorzeitigen Verschleiß an den Beingurten durch scheuernde Riemenenden festgestellt. Nutzer dieser Gurtzeuge sind aufgerufen, ihre Gurtzeuge zu checken und bei Bedarf bei Supair reparieren zu lassen. Die genaue Vorgehensweise ist in der Sicherheitsmitteilung als pdf beschrieben.

17 August 2015

Der etwas andere Grente-Flug

Piloten, die an der Grente in Südtirol starten, tun dies meistens mit einer Aufgabe im Kopf: Ein möglichst großes FAI-Dreieck zu fliegen, mit dem dritten Wendepunkt weit im Süden bei den Dolomiten. Es zeugt von Kreativität und Freiheitssinn, solche Standardaufgaben den anderen zu überlassen und ganz eigene Flugwege zu suchen.

Torsten Hahne hat das am 7. August getan. Er startete an der Grente, flog und trickste sich dann aber - trotz erstaunlich tiefer Wolkenbasis - nordwärts über den Alpenhauptkamm, um schließlich nach knapp 140 km am Nordrand der Alpen zu landen (s. XC-DHV).

Im XC-Kommentar schreibt Torsten, der als einer der erfahrensten deutschen Streckenflugpiloten gelten kann: "Heimreise mal anders. Sicher einer der beeindruckendsten Flüge in meinem jungen Leben." Auf Vimeo zeigt er einige der Schlüsselpassagen in einem knapp 6-minütigen Video. Vielleicht werden solche Bilder ja für mehr Piloten zur Anregung, bei ihren Luftabenteuern häufiger die ausgeflogenen Pfade der XC-Rennbahnen zu verlassen (oder diese zumindest in neuer Weise miteinander zu verknüpfen).



Nachtrag: Fünf Tage später hat übrigens auch Dietmar Siglbauer mal die Grente Dreiecksfliegerei sein lassen und ist auf einer ganz ähnlichen Route wie Torsten Hahne bis nach Hause geflogen. "Irgendwie wollte ich das gleiche Dreieck trotz Hammertag nicht nochmal fliegen. Also Rekordambitionen verworfen, XContest und H&F Wertung mal hinten angestellt", schreibt er als Kommentar im DHV-XC, wo dieser inspirierende Flug ebenfalls zu finden ist.

Chrigels Langstreckenflug auch auf 3Sat zu sehen

Es ist eine Premiere in der TV-Geschichte: Sieben Stunden lang Gleitschirmfliegen nonstop. Das Schweizer Fernsehen SRF2 gestaltet damit am 21.8. sein Nachtprogramm. Es zeigt ab 0:30 Uhr unter dem Titel "Der Traum vom Fliegen" einen Streckenflug, den Chrigel Maurer gemeinsam mit seinem Bruder Michael Anfang Juni unternommen hat - vom Start in Zermatt bis zu Landung in Klosters. 220 km in voller Länge, quer durch und über faszinierende Hochgebirgslandschaften, gefilmt mit Helmkameras und vom Begleithelikopter aus. Chrigel Maurer kommentiert. 

Leider ist das Schweizer Fernsehen nicht außerhalb der Schweiz zu empfangen. Auch der Livestream im Internet ist jenseits der Landesgrenzen gesperrt. So mussten Piloten in Deutschland und Österreich bisher befürchten, dass ihnen der Genuss dieses nächtlichen Flugtraumes verwehrt bleiben düfte. Aber dem ist nicht so.

In der Nacht vom 9. auf den 10. September wird der Flug nochmals ausgestrahlt, und zwar auf 3Sat. Auch dann wird man sich allerdings eine Nacht um die Ohren schlagen dürfen. Sendebeginn ist um 23:55 Uhr, Ende um 6:15 Uhr. (Quelle: rtv)

16 August 2015

Vario work-in-progress

Früher hatten Varios eine fixe Hardware, man kaufte sich die Geräte, schaltete sie ein, stellte vielleicht noch Datum, Uhrzeit und QNH ein, und ging dann damit fliegen. Heutzutage ist das alles etwas komplexer. Aus Varios, ergänzt um GPS, sind kleine Flugcomputer geworden, deren Herz ein programmierbares ist. Sie lassen sich mit immer wieder neuen Funktionen aufpeppen beziehungsweise (aus Sicht der Hersteller) auch in halbfertiger Form auf den Markt bringen, um dann nachzuliefern. Wer sich heute ein Vario kauft, muss von Anfang an damit rechnen immer mal wieder Updates der Firmware machen zu dürfen. Hier ein paar der jüngsten Beispiele:

Flytec Element
Das Einsteiger-Vario von Flytec wird langsam auch wettkampftauglich. Mit dem jüngsten Firmware-Update können Wegpunktdateien in verschiedenen Formaten ins Gerät hochgeladen werden. doch damit ist das Gerät noch nicht fertig. Für die kommenden Monate sind nach und nach noch eine Reihe weiterer neuer Funktionen geplant: Luftraum-Unterstützung, Optimierte Rennrouten, Koordinatenformat UTM, Ausgabe der Flüge für Google Eart, Höhe über Grund.

Flytec Connect 1
Beim Connect 1 hat Flytec von Anfang an auf das Prinzip des work-in-progress gesetzt. Erstkäufer wurden mit einem reduzierten Preis und dem Versprechen gelockt, mit der Zeit durch kostenlose Updates dennoch den vollen Funktionsumfang erreichen zu können. Aktuell hat das Connect 1 "gelernt", Flüge direkt als igc-Dateien aufzuzeichnen. Desweiteren sind noch geplant: Luftraumdarstellung, Wegpunktimport, automatischer igc-Upload zu Online-Contests, Thermikassistent, Routen, Windgeschwindigkeitsanzeige etc. Für ein Update muss das Connect 1 übrigens nicht mit einem Computer verbunden werden, es hat eigene W-Lan-Fähigkeiten, um sich die Daten von der Flytec-Homepage zu ziehen.

Flymaster SD-Serie
Die SD-GPS-Serie von Flymaster Avionics ist, wie der Name schon sagt, mit einer SD-Speicherkarte ausgestattet. Und diesen Speicher gilt es zu nutzen. Für die Darstellung der weltweiten Lufträume zum Beispiel, oder - seit der neuesten Firmware vonm 13. August - mit topographischen Landkarten als Orientierungshilfe im Flug.

Naviter Oudie 3
Updates kann es auch für Teile der Hardware geben, wie Naviter bei seinem Oudie 3 zeigt. Als Oudie 3+ besitzt es seit Ende Juni einen helleren, besser ablesbaren Bildschirm, einen weniger kälteempfindlichen Akku und eine Ladeleuchte. Wer seinen Oudie 3 erst kürzlich (nach dem 1. März 2015) gekauft hat, kann sein Gerät kostenfrei upgraden lassen. Wer ein älteres Oudie 3 besitzt, bekommt das Upgrade für 96 Euro.

Vier Methoden des Ohrenanlegens

Wie legt man bei modernen Schirmen die Ohren an, damit diese möglichst nicht schlagen? Der Hersteller Airdesign hat auf seiner Facebook-Seite ein Video veröffentlicht, in dem einmal vier verschiedene Methoden vorgestellt werden:

1. Normale Ohren mit der äußersten A-Leine (man beachte das impulsive Einholen).
2. Normale Ohren mit der äußersten A-Leine, aber halb gewickelter Bremse
3. Große Ohren mit den zwei äußeren A-Leinen (nur möglich, wenn pro Seite drei A-Leinen vorhanden sind)
4. Ohren mit den äußersten B- Leinen.



Nicht gezeigt wird die Technik, die Ohren mit den äußersten C-Leinen zu ziehen, wie es andere Hersteller wie Niviuk für manche ihrer Schirme empfehlen.

Grundsätzlich sei hier gewarnt: Nicht jede der Möglichkeiten ist mit allen Schirmen gleichermaßen gut zu erfliegen. Wer eine neue Methode für seinen Schirm erstmals testen möchte, sollte dies mit Bedacht und ausreichender Sicherheitshöhe tun. Manche Schirme mögen B- oder C-Ohren nicht und sind dabei nahe am Strömungsabriss.

15 August 2015

Chrigel dominiert Hochalpen-PWC

Da fragt sich sogar der Wettbewerbsschirm,
ob er in die kräftige Thermik hinein starten will.

// Foto: Camille Pouvelle
Es ist schon länger her, dass sich der Paragliding World Cup mit einem Lauf in die Schweizer Hochalpen traute. Unbeständiges Wetter hatte zu häufig viele Wettbewerbsträume zunichte gemacht. Doch beim gestern zu Ende gegangenen PWC in Disentis kamen die Piloten auf ihre Kosten. Racen in felsiger Gletscherlandschaft als Kulisse, mit kräftigen Thermiken bis zu 8 m/s und ebenso kräftigen Talwinden war angesagt.

Und einer zeigte einmal mehr den anderen, wer der König in der Disziplin Schnellflug in den Bergen ist: X-Alps-Champ Chrigel Maurer. Er führte immer wieder das Feld an, setzte sich ab, fand auch seine Bastelstellen, um wieder eingeholt zu werden, gewann einen von fünf geflogenen Tasks, war aber auch bei den anderen jeweils strategisch so gut dabei, dass er am Ende die Overall-Wertung gewann. Mit auf dem Podium standen Stefan Wyss und Michael Küffer als Zweiter und Dritter - ebenso Schweizer, was ebenfalls wiederholt demonstriert, wie schwer es ist, die Schweizer in ihrer eigenen Landesluft zu schlagen.

Bester Deutscher war der frech auftrumpfende Deutsche Meister Ferdinand Vogel (Platz 8), dem sogar ein intelligent herausgeflogener Tasksieg und ein 2. Platz gelang. Helmut Eichholzer aus Österreich wurde Sechster.

Die Frauenwertung gewann Seiko Fukuoka Naville mit großem Abstand. Sie kam sogar in der Männderdomäne der Overall-Wertung auf den 20. Platz, was angesichts ihrer Nachteile als körperliches Leichtgewicht unterm Wettbewerbsschirm eine wirklich herausragende Leistung darstellt.

12 August 2015

Gleich der nächste EN-A-Rekord

Quelle: XContest.org
Es ist kaum ein paar Tage her, dass U-Turn-Pilot Benjamin Becker einen 204 km flaches Dreieck als Rekordflug mit einem EN-A-Schirm aufstellte (lu-glidz berichtete), da gibt es schon eine neue Bestmarke: 209 Kilometer, und dieses Mal sogar als echtes FAI-Dreieck. Geflogen hat es Robert Schaller auf einem Nova Prion 3 mit Start an der Grente.

Interessant ist sein Kommentar zum Flug: "Was ich mit diesem Flug sicher nicht sagen möchte ist: Hey Leute, fliegt mehr A-Schirme. Fliegt was immer ihr sicher fliegen könnt und was euch Spaß macht. Für ein 200 Kilometer FAI-Dreieck ist die Klassifizierung eurer Schirme nicht entscheidend."

Robert Schaller ist Team-Pilot von Nova. Im Frühjahr sorgte er schon mit seinem Hike-and-Fly-Projekt Southern Paragliding Cross für Aufsehen (s. lu-glidz Interview). Seine bisher weiteste Strecke war ein 213 km FAI-Dreieck mit einem Mentor 3 am Speikboden.

Der 11.8.2015 war allgemein ein Rekordtag an der Grente, wo sich mal wieder die Creme der Streckenflieger traf (soweit sie nicht beim aktuellen Paragliding World Cup in Disentis ihre Kreise zog). Allein 26 große FAI-Dreiecke mit mehr als 200 km stehen in den diversen Onlinecontests. Den Tagessieg holte sich Alexander Robé mit 268 km.