Wolkenbild: Labil mit Inversion

Vor etwa zwei Wochen bot sich einmal dieses Himmelsbild über der Bonner Altstadt. Interessant ist es, weil die Wolke sehr schön einiges über die Schichtung der Atmosphäre verrät.
So muss die Luft in den unteren Luftschichten einigermaßen labil geschichtet sein, sonst hätte sich die Cumulus-Wolke gar nicht gebildet.
Allerdings liegt über dieser labilen Grundschicht eine Inversion. Das ist daran zu erkennen, dass die Cumulus-Wolke oben tellerförmig auseinander geht. In der Höhe knapp unter der Inversion herrscht auch ein recht kräftiger Wind, der die Wolke an ihren Rändern so schön glatt streicht.
Etwas tiefer ist der Wind weniger flott unterwegs. Darauf deutet der "Bremsstreifen" hin, den die Wolke hinter sich her zieht. Der entsteht übrigens durch Eiskristalle, die aus der Wolke fallen, in den tieferen Schichten weniger schnell voran kommen und darum der Wolke hinterher hängen (auch wenn es auf den ersten Blick so aussieht, als würde der Wolke am Bauch durch den Wind etwas fortgerissen).
Dass aus einer recht kleinen Cumulus-Wolke überhaupt Niederschlag fällt, ist ein Hinweis darauf, dass es dort oben schon recht kalt sein dürfte. Denn in unseren Breiten entsteht Niederschlag typischerweise aus gefrorenem Wasser, das nur dann als Regen auf den Boden kommt, wenn die Eiskristalle auf dem Weg nach unten wieder tauen.
In diesem Fall erreicht der Niederschlag aus der Wolke gar nicht den Boden, sondern verdunstet schon auf dem Weg. Solche "Fallstreifen" unter einer Wolke heißen im Fachjargon übrigens Virga. Sie zeigen sehr schön, aus welcher Richtung der Höhenwind bläst.
Das Anfliegen von Wolken mit Virga ist übrigens nicht zu empfehlen. Niederschlag bedeutet immer kalte Fallwinde, die durch die Verdunstung des Niederschlags noch verstärkt werden (Verdunstungskälte). Dort wird es also ganz schön turbulent zugehen!
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