Nur eine Chance in Dreis

Es war abzusehen, dass der heutige Tag für den Dreiser Weiher etwas schwierig würde. Der Wind war nur schwach vorher gesagt, zudem hauptsächlich aus NO. Das bedeutet leider: Vor dem Start trägt es kaum, und bei wenig Wind löst die Thermik häufig auch noch vor dem Hang ab. Am Start selbst steht man dann in den Randwirbeln und kämpft, um die Tüte zum Starten offen zu halten. Doch da der Temp für Dreis eine ganz brauchbare Wolken-Thermik versprach mit Arbeitshöhen üm 1300m, war es einen Versuch wert.

Auf der Hinfahrt fiel auf: Ein kräftiger Dunst, also viel Feuchtigkeit, in der Luft. Damit war zu erwarten, dass die Thermik heute etwas später einsetzen würde. Gegen 13 Uhr klarte es am Dreiser Weiher auf. Der Dunst zog nach Süden, es blieb blauer Himmel mit ein paar Wolkenfetzen übrig. Aber kaum Wind. Abwarten. Dann frischt es plötzlich ganz wenig auf. Eine Ablösung. Ich ziehe den Schirm hoch und halte ihn über mir, bis ich das typische Ziehen spüre, das immer auftritt, wenn am Dreiser Weiher eine Blase vor dem Hang ablöst. Dann heißt es: Entweder raus und rein in die Blase, oder man fängt sich einen Frontklapper durch den Abwind der Thermik. Ich starte und werde belohnt. Es geht sofort aufwärts. Ich fliege noch direkt an der Waldkante ein paar Schleifen, um genug Höhe zu tanken, um sicher zum NO-Hang rüber zu fliegen. Dort trägt es noch besser, die Thermik hebt mich mit 2 m/s bis auf 150m über Start (s. Google-Earth-Grafik). Dort verliere ich den Bart, als ich wieder etwas vorfliege, um nicht zu weit hinter die Waldkante versetzt zu werden. Mein Fehler. Bei dem geringen Grundwind und dem guten Steigen bestand eigentlich keine Gefahr. So habe ich die Chance, zur Basis zu gelangen, verschenkt. Hier wäre deutlich mehr drin gewesen. Mit der Thermik wuchs auch gleich eine Wolke, die (wegen der im Süden stehenden Sonne) leider genau den ganzen Weiher in Schatten legte. So war nach 20 Minuten schon wieder Landung angesagt.

Den Rest des Nachmittags blieb es beim thermischen Wolkenjojo. Immer dann, wenn sich erkennbar eine Blase löste, schattete bald eine Wolke die Thermikquelle ab. Da auch der Höhenwind sehr schwach war, blieben diese Wolken weitgehend stationär. Also war der Ofen gleich wieder aus. Von den rund 15 anwesenden Fliegern schaffte es keiner mehr, deutlich über Start zu kommen.

Zwischendurch blieb genügend Zeit, das Wolkenspiel am Himmel zu beobachten. Sehr interessant: Die pulsierende Thermikwolke über dem Weiher hatte eine Wirbelringstruktur - ein Zeichen mehr für den schwachen Höhenwind. Beim Auflösen schien teilweise die Sonne schon wieder durch die Mitte der Wolke, während rundherum noch ein weißer Wirbelkranz in Bewegung war.
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