Die CIVL Competition Class kommt ab 2015

Bei ihrer Jahrestagung hat die CIVL, Gleitschirm- und Drachensektion der FAI, am Wochenende die Einführung einer CIVL Competition Class (CCC) beschlossen. Die neuen Zulassungsregeln für Wettbewerbsschirme, die bei FAI-Wettbewerben der Klasse I (z.B. WM und EM) geflogen werden, treten zum 1.1.2015 in Kraft. (Hier die aktuellen CCC-Regeln als pdf.)

Sie löst die 2011 eingeführte Regelung ab, wonach nur Schirme, die mindestens EN-D entsprechen, bei Wettbewerben geflogen werden dürfen. Da die FAI fordert, dass Schirme, die im Wettbewerb geflogen werden, mindestens drei Monate zuvor schon auf dem Markt sein müssen, ist zu erwarten, dass die ersten Schirme mit CCC-Siegel noch vor Mitte Oktober 2014 erhältlich sein werden. Die erste Gleitschirm-WM, die nach CCC-Regeln geflogen wird, findet im Januar 2015 im kolumbianischen Roldanillo statt.

Die CCC basiert auf der EN-Norm, unterscheidet sich von dieser aber in ein paar entscheidenden Punkten. So sind in der CCC etwa bauliche Beschränkungen aufgeführt. Unter anderem darf die Streckung der Schirme 7,9 nicht übersteigen; die A-Leinen dürfen beim Beschleunigen um höchstens 18 Zentimeter gegenüber dem hintersten Tragegurt verkürzt werden; Tragegurte müssen bauliche "Begrenzer" besitzen, die ein Überziehen des Beschleunigers verhindern; für definierte Schirmmaße wie die Hinterkantenlänge (+/- 1 %) oder die Position der Leinenaufhängungen (+/- 1 cm) gelten enge Toleranzen der Serienschirme im Vergleich zum getesteten Muster. Alle entscheidenden Maße müssen zudem im Handbuch aufgeführt werden, sodass die Piloten auch selbst ihre Schirme auf CCC-Maßhaltigkeit überprüfen können.

Die Flugtests basieren auf der EN-Norm 926-2, mit einigen wichtigen Änderungen: So müssen die Testpiloten nicht mehr offiziell fünf Sekunden die Entwicklung von Klappern etc. abwarten, sondern dürfen schon nach drei Sekunden eingreifen. Zudem dürfen einige Manöver (Klapper und Fullstall) bei der Zulassunge auch von firmeneigenen Testpiloten vorgeflogen werden, solange die Teststellen über eine eindeutige Videodokumentation "on-board" die korrekte Manöverausführung überprüfen können. Getestet werden Schirme nur an der oberen Gewichtsgrenze mit einem Wettbewerbsgurtzeug.

Die CCC macht auch Gewichtsvorgaben für die Wettbewerbsschirme. Die Hersteller sind verpflichtet, mehrere Größen im Programm zu haben, wobei die kleinsten Schirme bis max. 100kg (ab 2016 bis 90 kg) Fluggewicht belastet werden dürfen und die größten Schirmgrößen mindestens 25kg (ab 2016: 35 kg) darüber liegen mussen. Hersteller müssen künftig also mindestens zwei oder mehr zugelassene Schirmgrößen besitzen, damit diese Modelle CCC-konform sind.

Welche Auswirkungen die CCC auf die Entwicklung der Wettbewerbsschirme haben wird, bleibt abzuwarten. Nach ersten Einschätzung von Experten dürften CCC-Schirme wahrscheinlich wieder etwas schneller fliegen als heutige Competition-Schirme mit EN-D. Zudem könnten sie auch wieder etwas "heißer" werden in den Reaktionen auf Störfälle. Das frühere Eingreifen durch den Testpiloten und das Vorfliegen durch firmeneigene Testpiloten, die gezielt dafür üben können, Testmanöver harmloser auszuführen, eröffnet den Herstellern neue Spielräume.

Weitere Beschlüsse der CIVL-Jahrestagung gibt es zusammengefasst auf den Newsseiten der CIVL.
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