Das Ende von Meteo Libre

Die französische Gleitschirmwetterseite Meteo Parapente setzt künftig auf ein Abo-Modell. Wer vollen Zugang will, muss 24 Euro zahlen. 

Meteo Parapente bietet zoombare Wettergrafiken plus Punktprognosen.
// Quelle: Meteo-Parapente.com
Als der junge französische Gleitschirmpilot Nicolas Baldeck vor rund drei Jahren das Projekt Meteo Parapente startete, hatte er noch einen Traum: Zum Vol Libre gehört Meteo Libre, so seine Überzeugung. Wetterdaten sollten für jeden Piloten frei im Internet verfügbar sein, und zwar nicht nur in Form allgemeiner Meteo-Infos, sondern idealerweise in Form von fein berechneten Thermikprognosen. Dafür adaptierte Nicolas das frei verfügbare Segelflug-Wettermodell RASP und programmierte eine neue, auf zoombaren Karten basierende Ausgabeform.

Die Seite Meteo-Parapente erhielt viel Lob und machte sich bald einen Namen in der Szene. Nicolas steckte viel Zeit und auch privates Geld in den Betrieb. Anfangs rechnete er sein RASP-Modell für Mitteleuropa noch auf einem ausgedienten Großcomputer, den er von einer Bank "geerbt" hatte. Der Cluster stand in seinem Flur und verursachte allein 400 Euro Stromkosten pro Monat. Nicolas erhielt finanzielle Unterstützung, unter anderem von Supair und dem französischen Verband FFVL. Doch unterm Strich reichte das nicht aus, um auf Dauer bestehen zu können. Erst als er einen Sponsor fand, der ihm Server und Speicherplatz in einem modernen Rechenzentrum kostenlos zur Verfügung stellte, schien das Projekt gesichert. Leider sprang ihm der Sponsor im Sommer 2015 wieder ab.

Meteo Parapente stand kurz vor dem Aus. Gerettet wurde die Seite nur, weil just zum gleichen Zeitpunkt der französische Wetterdienst Meteo France entschied, Daten seines feinen Modells Arome kostenfrei anderen Nutzern zur Verfügung zu stellen. Nicolas stellte kurzerhand Meteo Parapente von GFS auf Arome als Datenquelle um (lu-glidz berichtete). Dadurch konnte er sich den eigenen schnellen Computer für die Modellrechnungen sparen.

Allerdings schaffte Nicolas es nicht, gleich alle Ausgabeparameter wie Thermikhöhe und Thermikstärke an die neue Datengrundlage anzupassen. Von vielen Nutzern erntete er dafür Kritik. Sie forderten die alten, umfangreicheren RASP-Prognosen zurück. Nicolas fühlte sich persönlich getroffen, seine viele Arbeit nicht gesehen. Mitte September war sein Frust so groß, dass er im Affekt kurzerhand den Stecker zog. Wer damals Meteo Parapente ansurfte, bekam eine komplett schwarze Seite angezeigt - nur mit dem Schriftzug "c'est fini" und dem Hinweis, Meteo Parapente und die Idee des Meteo Libre seien gestorben.

Einen Tag später war die Seite aber wieder da und Nicolas zu einer neuen Einsicht gelangt: Meteo Libre, mit aller Freizügigkeit des Geiz-ist-Geil-Internets, könne auf Dauer allein mit Sponsoring nicht funktionieren. Nur wenn die Nutzer selbst bereit sind, ihren Teil zur Finanzierung der erbrachten Leistung beizutragen, ließe sich ein solches Angebot aufrecht erhalten und vielleicht sogar erweitern. Und so startete er ein neues Experiment.

Mehr Spenden bzw. Abonennten = mehr Leistung

Das Abo-Barometer auf Meteo Parapente verspricht schon
den Ausbau der Seite. // Quelle: Meteo-Parapente.com
Nicolas rief die Nutzer von Meteo Parapente zu Spenden auf. Allerdings entspricht das vorgegebene Procedere im Endeffekt einem Abo-Modell. Denn die Seite sieht eine Mindestspendensumme von 24 Euro im Jahr vor. Nur wer diese Summe (oder mehr) einzahlt, wird auch 2016 weiter in vollem Umfang auf Meteo Parapente zugreifen können. Jeder Spender soll dafür ein personalisiertes Passwort erhalten.

Als Anreiz zum Spenden ging Nicolas selbst eine neue Verpflichtung ein: Je mehr Spenden zusammenkommen, desto mehr werde er in die Weiterentwicklung von Meteo Parapente investieren. Bei weniger als 6000 Euro Spendeneingang bis Jahresende (umgerechnet 500€ / Monat für 2016), würde das Projekt sterben. Bei weniger als 12.000 Euro sollte Meteo Parapente in der bestehenden Form mit Arome als Datenbasis plus dem früheren RASP-Modell erhalten bleiben. Mittlerweile sind aber schon über 20.000 € geflossen, wie das Spendenbarometer auf der Seite anzeigt. Für diese Summe hat Nicolas angekündigt, nicht nur RASP wieder einzubinden, sondern auch die Darstellung der Arome-Wetterdaten zu verbessern. Sollten es mehr als 24.000 Euro werden, soll Meteo Parapente sogar noch weiter wachsen: Eine größere Prognoseregion, die dann auch ganz Deutschland und den gesamten Alpenraum umfasst, zusätzliche Prognosetage und zudem auch passende Apps für Smartphones und Tablets hat Nicolas in Aussicht gestellt.

Wer Meteo Parapente unterstützen und sich seinen Abo-Zugang für 2016 sichern möchte, der findet auf der Startseite von Meteo Parapente die entsprechenden Online-Formulare (wenn auch nur auf Französisch). Hinter "Votre Email" muss man seine Emailadresse eintragen. Diese sollte gültig sein, weil man darüber auch das in 2016 nötige Passwort erhält. Zahlungen sind am besten per Paypal oder Kreditkarte möglich ("par CB ou Paypal").
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1 Kommentare:

Armin Harich hat gesagt…

Das wahr wohl eine gute Entscheidung. Auch wenn ich es bis jetzt praktisch nicht genutzt habe, unterstütze ich es.
Eventuell auch eine Idee für deinen Blog.