DHV-Lehrvideos (1): Ohrenanlegen

Den Beschleuniger sollte man schon vor dem Ohrenanlegen betätigen, so die aktuelle Lehrmeinung des DHV.

Ohrenanlegen gemäß DHV: Die äußeren A-Leinen werden mit gestreckten
Armen halbkreisförmig nach unten gezogen. Zuvor wird der Schirm
schon etwa halb beschleunigt. // Quelle: Youtube-DHV, bearbeitet
Der DHV hat auf seinem Youtube-Kanal eine Reihe von kurzen Lehrvideos zu diversen Standardmanövern eingestellt. Gezeigt wird das, was der DHV als aktuelle Lehrmeinung vertritt und hofft, dass Fluglehrer dies auch so an ihre Schüler weitergeben. Zumindest wird von Fluglehreranwärtern erwartet, dass sie die Manöver den gezeigten Beispielen entsprechend vorführen können. In einer kleinen Serie auf Lu-Glidz stelle ich die Videos nach und nach vor und weise auf  Besonderheiten bzw. Neuerungen hin. Manche Piloten werden sicher bei der ein oder anderen Technik sagen: Warum das denn jetzt? Das habe ich noch nie so gemacht. Das wurde mir aber ganz anders beigebracht, etc.

Wichtig zu wissen ist, dass diese Lehrvideos vor allem als Standard für die Schulung und das Fliegen mit klassischen A- und B-Schirmen gedacht sind, mit denen die gezeigten Techniken in der Regel gut funktionieren. Allerdings hat jeder Schirm seine Eigenheiten, die es zu berücksichtigen gilt. Wenn ein Hersteller vom B-Stall abrät oder eine spezielle Technik fürs Ohrenanlegen im Handbuch des Schirmes beschreibt (etwa mittels B- oder C-Leinen), so hat dies sicher einen Grund und sollte beachtet werden.

Kommen wir nun zum Video des Ohrenanlegens. Für viele Piloten dürfte neu sein, dass laut DHV-Lehrmeinung der Pilot den Beschleuniger schon aktivieren sollte, bevor er die Ohren einholt. Das hat durchaus seinen Sinn. Denn beim Anlegen der Ohren verliert der Schirm vorübergehend an Fahrt, der Pilot pendelt leicht vor, wodurch sich der Anstellwinkel vergrößert. Die Kappe ist dann  näher an einem möglichen Strömungsabriss. Der zuvor halb getretene Beschleuniger kann einen Stall verhindern helfen.

Strömungsabriss als Risiko
In ruhiger Luft und im freien Luftraum wird ein Gleitschirm beim Ohrenanlegen normalerweise nicht stallen. Typischerweise benutzt man das Ohrenanlegen aber in bewegten Luftmassen, z.B. um aus der Thermik unter einer Wolke zu entfliehen oder beim Toplanden am Hang, um seine Höhe anzupassen. Hier können plötzliche Anstellwinkelvergrößerungen auftreten, z.B. wenn man in eine stärkere Thermik einfliegt oder in Bodennähe von einer Böe getroffen wird. In solchen Momenten kann das Einholen der Ohren tatsächlich der Auslöser für einen Strömungsabriss sein. Die Vorbeschleunigung des Flügels vergrößert hier das Sicherheitsfenster.

Eine zweite Auffälligkeit im Video ist das halbkreisförmige Herunterziehen der A-Leinen mit gestreckten Armen. Diese Technik hilft dabei, nur durch Fassen der äußeren A-Leinen schon relativ große Ohren einholen zu können. Das gilt für Schirme, die drei A-Leinen pro Seite  besitzen. Beim halbkreisförmigen Herabziehen rutschen die Hände an den Leinen entlang. So kommt man automatisch noch etwas höher und kann einfach nachfassen. Hinweis: Bei Schirmen, die eh nur 2 A-Leinen pro Seite besitzen und deshalb "von Natur aus" recht große Ohren haben, sollte man es mit der im Video gezeigten Form nicht übertreiben.

Zieht man die A-Leinen mit gestreckten Armen herunter und behält dabei die Bremsen in der Hand, wird zwangsläufig auch die Bremsleine zeitweilig recht weit mitgezogen (siehe Bild). Auch dies ist ein weiterer Punkt, warum es sinnvoll sein kann, den Beschleuniger schon zuvor ein wenig zu treten.

Sind die Ohren einmal drin, kann man voll beschleunigen, um Stabilität und Sinkwerte noch zu erhöhen. Wer darin geübt ist, Pitchbewegungen auch mit dem Beschleuniger auszugleichen, sollte sich freilich lieber noch ein paar Zentimeter Arbeitsweg lassen, um auch mit gezogenen Ohren noch aktiv fliegen zu können. Vor dem Ausleiten geht man wieder etwas aus dem Beschleuniger, führt die Arme nach oben, lässt die Ohren öffnen und gibt dann den Beschleuniger ganz frei.

Hier nun das entsprechende DHV-Lehrvideo Ohrenanlegen:

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3 Kommentare:

Heiko J. hat gesagt…

Ja ja, der Effekt "das haben wir früher anders beigebracht bekommen" wird häufiger auftreten! Und da liegt das eigentliche Problem: Wie bringt man die aktuelle Lehrmeinung an die "alten Hasen"? Viele werden darauf reagieren "Pah, brauch ich nicht. Hab ich schon immer so gemacht und bin gut damit geflogen." Ob das auch in Zukunft noch gut geht?

Lorenz hat gesagt…

naja, dieser Lehrmeinung bitte nicht blind vertrauen. Grad z.B. Ozone schreibt in ihren Bedienungsanleitungen dass geben grad das nicht gemacht werden darf, weil es sonst ev. einen Frontklapper generiert.
ev. könnte man sagen: je weiter vorne die A Aufhängepunkte sind desto eher die DHV Technik angewendet werden kann, oder eben umgekehrt...

Ozone warnt mit Grossbuchstaben davor ,dass man beschleunigt und dann erst die Ohren reinnimmt!!!! genau dies kann zu Frontklappern führen... naja kann man ja selbst etwas testen. ich mache auf jeden Fall das Ohrenmanöver beim Swift 4 ML im Trimmspeed und beschleunige dannach! Der Hersteller kennt seine Schirme besser als irgend ein DHV...

Harry S hat gesagt…

In den SiKu's wird ebenfalls gelehrt den Beschleuniger 50% treten und die Ohren reinholen und danach Gas ganz durchtreten. Mit meinem Ion hat das sehr gut Funktioniert. Es waren auch 2 Buzz Z4 dabei, die sind das selbe Manöver ohne Probleme geflogen. Muß aber jeder für sich selbst entscheiden wie er die Ohren anlegt.

Chris Geist schreibt zB. über den Z4 " Das Ohren Anlegen ist mit Beschleuniger effektiv".