XC-Cup unterteilt Wertungsklassen nach Streckung

Bei der Punktevergabe für Streckenflüge bezieht der XC-Cup ab dieser Saison auch die Streckung von Schirmen als Bewertungsfaktor mit ein. 

Der XC-Cup ist nach dem DHV-XC der größte regionale Streckenflugwettbewerb in Deutschland. Seit Jahren erfreut er sich großer und wachsender Beliebtheit. Das liegt auch an dem besonderen System der Punktevergabe.

Flüge sollen im XC-Cup über die Schirmklassen hinweg vergleichbar sein. Dafür werden die für die Strecke errechneten Punkte noch mit bestimmten Faktoren multipliziert - je nach EN-Klasse des Schirmes, mit dem der Flug geflogen wurde. Ein A-Schirm hat zum Beispiel den Faktor 2,6 , während ein D-Schirm nur mit Faktor 2,2 gewertet wird. Dadurch sollen die jeweiligen Leistungsunterschiede ausgeglichen werden.

Ab dieser Saison kommt noch eine weitere Abstufung hinzu. Neben der EN-Klassifizierung werden die Bewertungsfaktoren auch noch von der Streckung eines Schirmes abhängig gemacht. Galt bisher ein EN-B-Schirm per se wie ein A-Schirm als Sportklasse, so wird in 2016 hier weiter differenziert.

Die einzelnen Klassen sind - streckungsabhängig - noch einmal unterteilt. Ein EN-B mit einer Streckung von mehr als 4,6 wird als Sportklasse B gewertet und erhält dann nur noch den Faktor 2,5 statt 2,6. C-Schirme mit einer Streckung über 5,5 werden als Intermediate B gewertet, D-Schirme mit Streckung über 6,4 gelten als Performance B. (Die gesamte Faktorenregelung des XC-Cup ist hier zu finden).

Mit dieser Neuerung wollen die Organisatoren des XC-Cup dem Rechnung tragen, dass heute die EN-Einordnung von Schirmen nicht mehr per se als Leistungsmerkmal hergenommen werden kann. Es gibt Low- und Highend-B, es gibt gemäßigte und "ausgereizte" C usw. Als beste Näherung an die Leistungscharakteristik eines Flügels wird  von vielen die Streckung gesehen. Ähnliche Ansätze gibt es auch anderswo: Die spanische Gleitschirmliga beispielsweise fliegt seit 2015 nicht mehr nach EN-, sondern nach Streckungsklassen eingeteilt (lu-glidz berichtete).

Schwierig wird es bei der fairen Zuordnung dieser Streckungsklassen. Die XC-Cup Organisatoren haben sich erst einmal für eher verhaltene Grenzen entschieden, die kaum Diskussionen auslösen dürften. Denn sie sind tatsächlich so gewählt, dass alle klassentypischen, modernen Schirme im B-, C- und D-Bereich von ihrer Streckung her eh im jeweils oberen Teil der Abstufung liegen (also z.B. als C-Schirm bei Intermediate B).

Damit ein EN-C-Schirm bzw. DHV 2 im XC-Cup noch als Intermediate A gewertet würde, müsste seine Streckung unter 5,5 liegen. Dass Schirme dieser Klassen noch mit einer so geringen Streckung auf den Markt kamen, liegt schon rund zehn Jahre zurück. Der Advance Sigma 6, im Jahr 2005 eingeführt, wäre noch ein solcher Kandidat. Der hatte eine Streckung von 5,48.
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2 Kommentare:

Hans Bausenwein hat gesagt…

Ein Ansatz, den wir uns schon vor Jahren für die XC-Open World Series überlegt hatten.
Wir finden das sehr gut! Wichtig ist die Definition für die Streckung festzulegen. z.B. die gemessene Spannweite am Untersegel zu Grunde zu legen und nicht das Bogenmass am Obersegel. Hier gibt es unterschiedliche Ansätze der Hersteller, was die Regelung in der Praxis schwierig zu kontrollieren macht.

Die Regelung für XC Wettbewerbe diese nach EN-Zertifizierungsklassen einzuteilen halten wir für überholt.

Hans Bausenwein und Andreas Rieck

www.xcopen.org

Jörg Nuber hat gesagt…

Leider ist dieser Ansatz auch nicht gerecht, da er Hersteller, die gute, sichere Schirme mit vergleichsweise hoher Streckung bauen, benachteiligt. Allerdings ist die Streckung als Leistungsparameter geeigneter als die EN-Klassifizierung, das stimmt schon. Diese hat ja nun mal überhaupt nichts mit Leistung zu tun.

Grundsätzlich muss man sich aber die Frage stellen, ob Piloten mit leistungsfähigeren aber dafür anspruchsvolleren Schirmen beim XC-Fliegen überhaupt im Vorteil sind. Zeüwar haben sie theoretisch (etwas!) mehr Gleitleistung und Speed, dafür lässt sich nicht so einfach vollgas fliegen und die Hochleister-Piloten ermüden schneller. Meiner Meinung nach gleicht sich das aus. Nicht umsonst fliegen viele der Weltbesten XC-Flieger ihre Strecken mit niedrig gestreckten EN-B Schirmen.

Aus meiner Sicht könnte man beim XC-Fliegen auf Klassen und Faktoren auch ganz verzichten.