Moderne Gleitschirme werden immer nickstabiler. Viele Hersteller nutzen dafür Profile mit sogenannten Reflex-Eigenschaften
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| Der Chili 6 von Skywalk ist der erste Schirm in dieser Modellreihe mit spürbaren Reflex-Eigenschaften des Profils. // Quelle: Skywalk - Tristan Shu |
Heute? Schirme bleiben nach dem Aufziehen ruhig über dem Piloten stehen. Im Flug dämpfen sie Nickbewegungen fast von selbst, wenn man sie nicht bewusst aufschaukelt. Piloten haben weniger Mühe, die Kappe stabil zu halten – was die Schirmkontrolle, das aktive Fliegen, sowohl körperlich als auch im Kopf weniger anstrengend macht.
Hinter dieser Entwicklung steckt eine technische Neuerung, die den Gleitschirmbau seit Jahren zunehmend prägt: Früher brachten vor allem das Pilotenpendel und Bremsinputs den Flügel aus einem niedrigen Anstellwinkel zurück in die Normalfluglage. Heute verwenden Konstrukteure Profile, die aerodynamisch dazu neigen, ihre Nase von selbst aufzurichten. Solche Profile nennt man Reflexprofile.
Wie Reflex aerodynamisch funktioniert
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| Reflex-Profil-Schema (Klick zum Vergrößern) |
Der Neutralpunkt (NP) ist das aerodynamische Zentrum eines Profils. Hierum dreht sich das Profil wie auf einer Achse, wenn sich der Anstellwinkel ändert. Bei Gleitschirmen liegt der NP typischerweise bei etwa einem Viertel der Flügeltiefe.
Der Druckpunkt (DP) ist der Punkt, an dem sich alle Auftriebskräfte eines Profils rechnerisch bündeln. Seine Position hängt von der Profilform und dem aktuellen Anstellwinkel ab.
Liegt der Druckpunkt vor dem Neutralpunkt, heben die aerodynamischen Kräfte die Nase des Profils an. Das ist der Reflex-Effekt. Das heißt: Ein Reflex-Profil würde sich im freien Flug (ohne tief angehängtes Gewicht) sogar nach hinten überschlagen. Beim Gleitschirm wird das nur durch das Pilotenpendel verhindert, das den Flügel stabilisiert.
Der Momentbeiwert Cm, auch Nickmoment genannt, beschreibt die Stärke des aufrichtenden Effekts. Ein positiver Cm führt dazu, dass das umströmte Profil tendenziell die Nase hoch nimmt (nose-up). Ein negativer Cm bedingt ein nose-down. Ausgeprägte Reflex-Profile, wie sie bei Motorschirmen verwendet werden, haben einen Cm, der über +0,2 liegen kann. Die Cm-Werte moderner Gleitschirmprofile bleiben allerdings weit darunter und sind eher im Bereich zwischen 0 und 0,1 zu suchen.
Da Gleitschirme aus Stoff genäht und damit verformbar sind, ändern sich Cm und die Reflex-Eigenschaften im Flug dynamisch. „Reflex-Form und theoretisches Nickmoment sind nur die halbe Miete“, sagt Hannes Papesh von Phi. Die Pitchdämpfung wird in der Praxis noch von vielen weiteren konstruktiven Details beeinflusst.
Bei einem S-Schlag-Profil wölbt sich die Skelettlinie – das ist der mittlere Abstand zwischen Ober- und Untersegel – im hinteren Bereich wie ein Spoiler nach oben. Das erzeugt ein aufrichtendes und damit stabilisierendes Moment, das Klapper verhindert. Besonders sichtbar wird der S-Schlag bei Motorschirmen, wenn die hinteren Trimmer für den Schnellflug geöffnet werden. Solche extrem stabilen Modelle werden von manchen Marken auch Full-Reflex-Schirme genannt.
Bei klassischen Gleitschirmen für den Freiflug galten S-Schlag-Profile allerdings lange als ungeeignet – aus zwei Gründen:
Der Druckpunkt (DP) ist der Punkt, an dem sich alle Auftriebskräfte eines Profils rechnerisch bündeln. Seine Position hängt von der Profilform und dem aktuellen Anstellwinkel ab.
Liegt der Druckpunkt vor dem Neutralpunkt, heben die aerodynamischen Kräfte die Nase des Profils an. Das ist der Reflex-Effekt. Das heißt: Ein Reflex-Profil würde sich im freien Flug (ohne tief angehängtes Gewicht) sogar nach hinten überschlagen. Beim Gleitschirm wird das nur durch das Pilotenpendel verhindert, das den Flügel stabilisiert.
Der Momentbeiwert Cm, auch Nickmoment genannt, beschreibt die Stärke des aufrichtenden Effekts. Ein positiver Cm führt dazu, dass das umströmte Profil tendenziell die Nase hoch nimmt (nose-up). Ein negativer Cm bedingt ein nose-down. Ausgeprägte Reflex-Profile, wie sie bei Motorschirmen verwendet werden, haben einen Cm, der über +0,2 liegen kann. Die Cm-Werte moderner Gleitschirmprofile bleiben allerdings weit darunter und sind eher im Bereich zwischen 0 und 0,1 zu suchen.
Da Gleitschirme aus Stoff genäht und damit verformbar sind, ändern sich Cm und die Reflex-Eigenschaften im Flug dynamisch. „Reflex-Form und theoretisches Nickmoment sind nur die halbe Miete“, sagt Hannes Papesh von Phi. Die Pitchdämpfung wird in der Praxis noch von vielen weiteren konstruktiven Details beeinflusst.
Der markante S-Schlag
Anfangs nutzten die Hersteller Reflexprofile nur bei Motorschirmen. Marken wie Paramania und Dudek experimentierten schon Anfang der 2000er damit. Sie setzten Profile mit einem ausgeprägten sogenannten S-Schlag ein.Bei einem S-Schlag-Profil wölbt sich die Skelettlinie – das ist der mittlere Abstand zwischen Ober- und Untersegel – im hinteren Bereich wie ein Spoiler nach oben. Das erzeugt ein aufrichtendes und damit stabilisierendes Moment, das Klapper verhindert. Besonders sichtbar wird der S-Schlag bei Motorschirmen, wenn die hinteren Trimmer für den Schnellflug geöffnet werden. Solche extrem stabilen Modelle werden von manchen Marken auch Full-Reflex-Schirme genannt.
Bei klassischen Gleitschirmen für den Freiflug galten S-Schlag-Profile allerdings lange als ungeeignet – aus zwei Gründen:
Erstens erzeugt der spoilerartige Hinterflügel mehr Widerstand. Das mindert Gleitleistung in ruhiger Luft. Bei Motorschirmen gleicht der Motor diesen Nachteil aus, doch Freiflieger legen Wert auf maximale Leistung.
Zweitens verlagert das aufrichtende Moment des S-Schlags den Hauptanteil des Auftriebs weiter nach vorn. Dadurch hängt mehr Last an der vordersten Leinenebene. Das kann Probleme bei der Zulassung bereiten. Denn bei den vorgeschriebenen Klappertests gemäß EN-Norm oder LTF können Testpiloten Schwierigkeiten haben, das Profil überhaupt über die A-Gurte normgerecht zu "brechen".
Beide Einschränkungen haben allerdings an Bedeutung verloren – dank technischer Fortschritte in der Gleitschirmkonstruktion und der Zulassungsnormen. Einige Beispiele:
- Stäbchen stabilisieren die Profile, auch im Hinterflügel (C-Wires)
- Profile mit einer Shark-Nose an der Eintrittskante halten den Innendruck über einen größeren Anstellwinkelbereich konstant und verbessern damit die Profiltreue.
- Zwei- und Zweieinhalb-Leiner reduzieren den Leinenwiderstand. In Kombination mit mehr Streckung lassen sich damit die Leistungsnachteile von Reflex teilweise ausgleichen.
- Mit der Zulassung von Faltleinen bei Tests von erst EN-D-, später auch EN-C-Schirmen, lassen sich selbst bei Zweileinern mit sehr pitchstabilen Profilen normkonforme Klapper ziehen.
- Moderne Simulationssoftware erlaubt es den Konstrukteuren, Dutzende Profilvarianten durchzurechnen. So lassen sich die Einflüsse von Reflex-Eigenschaften simulieren, bevor der erste Prototyp genäht wird.
Fokus auf Stabilität
Parallel zu solchen Entwicklungen haben sich auch die Schwerpunkte in der Gleitschirmentwicklung verschoben. Früher zählten reine Gleitzahlvergleiche noch mehr als heute. Mittlerweile sind bei den Schirmen leistungstechnisch keine Sprünge mehr zu erwarten. Umso mehr rückt das Handling, die Stabilität und die Einfachheit des Fliegens gerade auch in turbulenter Luft in den Fokus.„Ein Schirm, der für maximale Gleitleistung optimiert ist, hätte kein Reflex-Profil“, sagt Nova-Konstrukteur Philipp Medicus. „In turbulenter Luft wiegt der Vorteil, dank mehr Stabilität zwei km/h schneller fliegen zu können, den Nachteil etwas schlechterer Gleitzahlen auf.“
Der Trend hin zum Einsatz von Reflex-Profilen auch bei klassischen Gleitschirmen begann mit der Einführung der Zweileiner. Ohne Reflex wären diese für viele Piloten kaum beherrschbar.
Mit wachsender Erfahrung fanden Konstrukteure dann Wege, Profile mit Reflex-Eigenschaften auch bei Schirmen der unteren Klassen einzusetzen und damit eine EN-Zulassung zu bestehen. Heute besitzen immer mehr Schirme bis hinunter in die A-Klasse Profile, die zumindest eine leichte nose-up-Wirkung haben, also einem leicht positiven Cm-Momentbeiwert. Eine Ausnahme bilden Acro-Schirme, weil bei denen das Vorschießen (nose-down) für dynamische Manöver ja erwünscht ist.
Moderne Reflex-Profile sind gar nicht so leicht als solche zu erkennen. Denn sie weisen meistens keinen so starken S-Schlag auf, dass er am Obersegel sichtbar wird.
Der Trend hin zum Einsatz von Reflex-Profilen auch bei klassischen Gleitschirmen begann mit der Einführung der Zweileiner. Ohne Reflex wären diese für viele Piloten kaum beherrschbar.
Mit wachsender Erfahrung fanden Konstrukteure dann Wege, Profile mit Reflex-Eigenschaften auch bei Schirmen der unteren Klassen einzusetzen und damit eine EN-Zulassung zu bestehen. Heute besitzen immer mehr Schirme bis hinunter in die A-Klasse Profile, die zumindest eine leichte nose-up-Wirkung haben, also einem leicht positiven Cm-Momentbeiwert. Eine Ausnahme bilden Acro-Schirme, weil bei denen das Vorschießen (nose-down) für dynamische Manöver ja erwünscht ist.
Neo-Reflex-Profile
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| Profile mit nose-down (oben) versus nose-up (unten) // Quelle: P. Medicus |
Michael Nesler von Profly spricht deshalb auch von „Neo-Reflex-Profilen“. Die Neuerung dabei: Ihre Tendenz, die Nase anzuheben, entsteht durch subtile Anpassungen der Krümmung und Dickenverteilung entlang der Profilsehne. Hier spielt häufig die Form und Wölbung der Profilunterseite die entscheidende Rolle (s. Bild).
Diese "milden" Reflex-Profile haben nur einen leicht positivem Cm. Das bietet Vorteile: Sie sind deutlich leistungsstärker als Full-Reflex-Profile und verändern ihren aerodynamischen Charakter weniger vehement, wenn die Bremse gezogen wird. Damit können auch EN-A- und EN-B-Schirme mit gewissen Reflex-Eigenschaften die EN-Zulassungstests bestehen.
Wichtig zu wissen: Bei Full-Reflex-Motorschirmen sollte man im Schnellflug die Bremse gar nicht bedienen, da jeder Bremseinsatz den S-Schlag so verformt, dass die Reflex-Stabilität verloren geht. Gleitschirme mit "Neo-Reflex" reagieren da etwas weniger empfindlich. Dennoch bleibt Vorsicht geboten. Je gestreckter und leistungsorientierter ein Schirm, desto zurückhaltender muss man im beschleunigten Flug mit der Bremse sein. Zweileiner sollte man im Speed zwingend nur über die hinteren Tragegurte steuern.
In turbulenter Luft muss der Pilot natürlich immer noch aktiv fliegen. Aber hier kommt die B- oder BC-Steuerung ins Spiel. Im beschleunigten Flug ist sie sogar ein Muss. Ein kurzer, impulsiver Zug an den B-Handles kann bei manchen Modellen den Reflex-Effekt sogar kurzzeitig noch verstärken.
Es gibt aber eine gute Nachricht: Wer einen gesunden Respekt vor turbulenten Wetterlagen und Strömungsverhältnissen behält, kann mit Reflex-Profilen und einer daran angepassten Steuerweise tatsächlich sogar sicherer und entspannter unterwegs sein!
Steuerweise anpassen
Reflex-Profile entfalten ihre pitch-stabilisierende Wirkung am besten im völlig ungebremsten Zustand. Hersteller empfehlen daher, moderne Schirme auch etwas anders zu fliegen als früher: Im Geradeausflug hält man die Bremsen nur noch auf Kontakt, ohne die Hinterkante zu verformen. So dämpft das Reflex viele Nickbewegungen automatisch, was wiederum auch höhere Geschwindigkeiten ermöglicht.In turbulenter Luft muss der Pilot natürlich immer noch aktiv fliegen. Aber hier kommt die B- oder BC-Steuerung ins Spiel. Im beschleunigten Flug ist sie sogar ein Muss. Ein kurzer, impulsiver Zug an den B-Handles kann bei manchen Modellen den Reflex-Effekt sogar kurzzeitig noch verstärken.
Werden Klapper heftiger?
Da Schirme mit Reflex-Profilen ein mögliches Unterschneiden selbständig regulieren, indem sie die Nase hoch nehmen, gelten sie als klappstabiler. Sie können aber auch heftigere Reaktionen zeigen, sollten sie doch einmal klappen. Das liegt dann allerdings weniger an der Aerodynamik der Reflex-Profile, sondern ist vielmehr ein indirekter Effekt, der sich durch das Verhalten der Piloten ergibt: Die höhere Stabilität verleitet schnell dazu, auch in turbulenterer Luft noch länger im Gas stehen zu bleiben. Mehr Geschwindigkeit und stärkere Turbulenzen erhöhen jedoch die Energie, die ein Flügel absorbieren muss. Da hilft auch irgendwann das Reflex-Profil nicht mehr. Wird dessen Toleranzgrenze überschritten, brechen solche Flügel umso heftiger weg.Es gibt aber eine gute Nachricht: Wer einen gesunden Respekt vor turbulenten Wetterlagen und Strömungsverhältnissen behält, kann mit Reflex-Profilen und einer daran angepassten Steuerweise tatsächlich sogar sicherer und entspannter unterwegs sein!
Etwas andere Starteigenschaften
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| Schirme mit RAST können beim Start temporär ein starkes Reflex-Profil ausformen. // Lu-Glidz |
Besonders gut lässt sich so etwas bei RAST-Schirmen von Swing beobachten. Diese füllen beim Aufziehen erst einmal den Vorderflügel vor der eingezogenen RAST-Wand. So kann vorübergehend ein sehr ausgeprägtes S-Schlag-Profil entstehen (s. Foto). Füllt sich wenig später auch der Hinterflügel, geht der starke S-Schlag und seine nickdämpfende Wirkung wieder verloren.
Bei manchen Schirmen haben Reflex-Eigenschaften noch einen weiteren Nebeneffekt beim Start. Die Kappen tendieren beim Aufziehen dazu, eher langsamer zu steigen, auf 45 bis 60 Grad etwas hängen zu bleiben oder sogar wieder zurückzufallen, wenn sie nicht bewusst mit Ruhe und Geduld über diesen Punkt gezogen bzw. geführt werden. Hier hilft es auch nicht, schneller zu laufen. Denn der Nose-up-Effekt kann dann sogar kontraproduktiv dafür sorgen, dass der Schirm länger hinter dem Piloten bleibt.
Ideal sind ein erster Anfangsimpuls und dann ein langes, gefühlvolles Führen der gestreckten A-Gurte fast im Stand bis in die Senkrechte. Erst dann sollte man den Schirm bei Bedarf noch mit den Bremsen kontrollieren und sich freuen, wenn die Kappe wenig später mit leichtem Zug nach vorn ihre Bereitschaft zum Abheben signalisiert.
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5 Kommentare
Schon wieder ein sensationell lehrreicher Artikel, danke!
AntwortenLöschenInteressanter Artikel. Ich habe seit neustem ein modernen Schirm, der sich mit C Steuerung steuern lässt. Ich finde aber leider wenig Informationen, worauf man dabei achten sollte. Vielleicht wäre ja mal ein Artikel dazu gsnz gut. :)
AntwortenLöschenSehr schön die Grundlagen dargelegt, allerdings finde ich sollten wir bei der Schlussfolgerung deutlich drastischer sein. Mit Ausnahme des Spezialfalls Trimmflaps gibt es keinen Grund einen beschleunigten Schirm anzubremsen, nahezu alle modernen Designs haben zumindest einen leicht positiven cm und das sollten wir nutzen. Beschleunigtes Fliegen sollte immer über die hinteren Tragegurte gesteuert werden.
AntwortenLöschenSchöner Artikel, allerdings nicht so ganz korrekt. Es hört sich für Laien alles logisch an, nur wenn man es hinterfragt treten Ungereimtheiten auf. Der Podz-Glidz #122 ist da sehr erfrischend, denn da wird tatsächlich mal die Physik bemüht.
AntwortenLöschenSo wird behauptet, die Kappe schießt beim aufziehen nicht über, weil das Profil einen positiven Momentenbeiwert hat. Das ist so nicht ganz richtig. So lange alle Fangleinen unter Spannung sind, kann das Profil sich nicht aufrichten. Das funktioniert erst, wenn der Druckpunkt vor die A-Ebene gewandert ist. Jedes Profil mit cm0 ≠ 0 weist über den Anstellwinkelbereich eine Druckpunktwanderung auf, bei negativem Momentenbeiwert nach hinten, bei positivem nach vorne. Wandert der Druckpunkt weit genug nach vorn vor die A-Ebene, richtet sich das Profil auf, allerdings sind dann alle Leinen nicht mehr gespannt. Das funktioniert also beim Aufziehen, nicht aber beim Ein- oder Ausfliegen aus der Thermik, denn da sind alle Leinen belastet. Die Erklärung funktioniert dort nicht.
Bei den RAST-Schirmen formt sich das Profil vor der Innenwand zuerst, die um die Nase anliegende Strömung erzeugt eine vorwärts gerichtete Kraft, besonders im ersten Moment des Aufzieh-Impulses. Je höher der Schirm steigt, um so weniger kann man die Leinen ziehen, bis im Zenit nur die Auftriebskraft der Kappe übrig ist. Die vorwärts gerichtete Kraft nimmt ab. Allerdings sieht man schön auf dem Foto, wie der hintere Profilbereich noch gar nicht geformt ist. Damit ist auch klar, es entsteht dort kein (!) aufrichtendes Moment, denn wie sollte denn die (hypothetisch) hinten abwärts gerichtete Kraft das Profil aufrichten, wenn keine Kraftübertragung möglich ist, da der Stoff flattert wie eine Fahne im Wind? Es wird kein Moment erzeugt. Wohl aber Widerstand. Vorne am Profil wird die Luft verdrängt und schneller, der Druck sinkt. Im hinteren Bereich erfolgt der Druckaufbau, bis am Ende wieder (nahezu) der Umgebungsdruck erreicht ist. Dies passiert auf dem Foto eindrucksvoll nicht. Die Strömung kann der Kontur nicht folgen, massiver Widerstandsanstieg ist die Folge. Und das erklärt auch, warum die Kappe deutlich weniger überschießt. Die triviale Erklärung, es läge wohl am Profil (welches noch nicht existiert, da hinten noch nicht unter Druck), kann nicht korrekt sein.
Den Begriff "Reflex-Profil" gibt es nur im Marketing der GS- (und vielleicht Kite-) Firmen. Das, was M. Nesler "Neo-Reflex" nennt, suggeriert es sei neu. Aber bereits etwa das NACA23112 aus den 1930er Jahren war so aufgebaut und ab etwa 75% der Profiltiefe symmetrisch und damit besonders gut auch etwa für aufgeblasene Strukturen geeignet, die es damals nicht gab, das Profil hatte eine Wölbung von 2% und trotzdem einen positiven Momentenbeiwert. Eingesetzt wurde es etwa bei der F-4 Bearcat oder später als Rotorprofil bei der MBB Bo105.
Nase hochnehmen geht nur bei entlasteten Leinen. Korrekt. Entlastet muss aber nicht "durchhängend" bedeuten. Wer z.B. beim Aufziehen des Schirmes die A-Leinen mit leichtem Druck führt und dann im Zenith oder kurz davor loslässt, entlastet sie kurzfristig. Schirme mit CM0>0 stoppen dann bereitwilliger.
LöschenAuch Lastwechsel im Flug (z.B. bei Turbulenzen, Herausfallen aus starken Thermiken etc.) können eine kurzzeitige Entlastung der Leinen bedeuten, bei denen die Reflex-Eigenschaften von Profilen schon spürbar werden.
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