DHV-Tester haben jetzt Konkurrenz

Ein Monopol ist gefallen: Der DHV ist nicht mehr die einzige Institution, die in Deutschland Gleitschirme testen und entsprechende Gütesiegel vergeben kann. Mit Datum vom 26.09.2007 hat das Luftfahrt Bundesamt die European Academy of Parachute Rigging von Guido Reusch als zweite Musterprüfstelle in Deutschland für Gleitsegel, Rettungen und Gurtzeuge anerkannt. Die EAPR wird Tests nach dem europäischen EN-Standard und - für den deutschen Markt - gemäß dem deutschen Gütesiegel (d.h. der vom DHV entwickelten Norm) anbieten.

Der Verlust des Monopols bereitet dem DHV einiges Kopfzerbrechen. Denn die Musterzulassungen sind nicht nur ein gewichtiger Teil des Renomees und der Macht des Verbandes, sondern auch eine wichtige Einnahmequelle. Und beim Geld hört bekanntlich der Spaß auf.

Viel Freude über den Monopolverlust des "übermächtigen" DHV gibt es v.a. bei den Gleitschirmherstellern. Die hätten nämlich gern, dass Gleitschirme europaweit nach nur einer Norm (EN) getestet und zugelassen würde. Das lehnt der DHV bisher ab. EAPR-Leiter Guido Reusch hingegen bekennt sich als 100% europäisch und verfolgt als Ziel, dass die EN-Testnorm für Gleitschirme auch in Deutschland anerkannt wird. Vielleicht kommt jetzt Bewegung in diese Geschichte?

Zumindest wagt sich Nova-Konstrukteur Hannes Papesh schon mal sowohl im DHV-Forum wie im Schlechtfliegerforum mit offener, ausführlicher und weitgehend sachlicher Kritik an manchem Gebahren des DHV in die Öffentlichkeit - quasi mit der EAPR als neuem Trumpf in der Hand, um nicht gleich vom DHV in die Schranken gewiesen zu werden. Hannes' Beitrag ist zwar lang, aber zur Verständnis der "politischen" Lage sehr interessant zu lesen.

Angesichts dieser Entwicklung erscheinen die vom DHV für 2008 geplanten schärferen Gütesiegelvorschriften in einem neuen Licht bzw. bekommen einen gewissen Beigeschmack: Sollte hier möglicherweise der Verband manche GüSi-Tests vor allem auch deshalb "schärfer" machen wollen, um sich mit dem Argument der höheren Sicherheit besser gegen das EN-Siegel abgrenzen zu können und somit für den deutschen Markt die Hausmacht zu sichern?

Die Diskussion zu diesem Thema ist gerade erst angestoßen und wird sich sicher noch einige Zeit in den einschlägigen Foren und Gleitschirmmagazinen weiterziehen. Interessant ist dieses Thema sicherlich für die DHV-Regionalversammlung in Neuss am kommenden Samstag, wo DHV-Sicherheitspapst Karl Slezak auch die technischen Hintergründe der GüSi-Norm 2008 vorstellen wird. Vielleicht ergibt sich aus der Verquickung mit der Verbandspolitik eine interessante Diskussion.

Übrigens: Noch hat das LBA die vom DHV dort beantragten Änderungen des GüSi 2008 noch nicht akzeptiert. Sollte es dennoch bald so kommen, wären sie laut Antrag ab Januar 2008 gültig. Die Hersteller beklagen, die Umstellung sei nicht mit ihnen abgestimmt und vom DHV so kurzfristig auf den Weg gebracht worden, dass sie gar nicht so schnell ihre eigene Entwicklung anpassen könnten...
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1 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Interessant, was so alles dahintersteckt.
Als normales DHV Mitglied, was sich meist nicht weiter Gedanken, um Sinn und Unsinn mancher verbandsinternen Sachen macht und vor allem wegen der Versicherung und ermäßigter Prüfungsgebühren in den DHV eingetren ist, aber auch brav seinen Beitrag zahlt, mit dem Gedanken eine Vertretung für Gleitschirmflieger in Deutschland zu unterstützen, kommen mir da ja doch Zweifel auf, ob meine Mitgliedsbeiträge immer sinnvoll eingesetzt werden.
Anderereits hoffe ich einfach mal weiter, dass der DHV gemeinnützig handelt, und sich für die Gleitschirmfliegerei (natürlich auch Drachen) SINNVOLL einsetzt, wie es in der Vergangenheit wohl auch in den meisten Fällen geschehen ist, wobei mir angesichts dieses Themas durchaus Zweifel kommen!
Naja, bleibt nur als Mitglied seinen Verband wachsam im Auge zu behalten...
Cu,
Tobi