Tipp: Schirmhandling nach dem Retterwurf

Gestern erst habe das Video des parallelen Retterwurfes gepostet, bei dem einer der Rettungsschirme bis zum Aufschlag (im Wasser) ein deutliches Pendeln beibehält. Im Zuge der Recherchen zum Hintergrund des Videos bin ich auf den Blog ZREA von Randi Eriksen gestoßen. Randi ist die Frau von Alain Zoller, dem Chef von Air Turquoise (Paratest). Sie berichtet dort sporadisch von ihren Erfahrungen aus der Welt der EN-Testpiloten.

Scherenstellund mit Downplane // Foto: Paragliding Academy
In letzter Zeit hat sich Randi stärker mit dem Thema Retter und Rettertest beschäftigt. Vieles liegt hier noch im Argen. Denn es gibt nicht nur Retter, die eine starke Pendelneigung haben. Entscheidend ist auch die Art und Weise, wie man nach dem Retterwurf mit seinem Hauptschirm umgeht. Lässt man ihn einfach offen weitersegeln, kann es zu einer gefährlichen Scherenstellung und  dem sogenannten Downplane kommen: Der Gleitschirm entwickelt so viel Auftrieb, dass er den Piloten aus dem Schwerpunkt unter der Rettung herauszieht. Das verstärkt das Sinken dramatisch. Bis zu 14 m/s Sinken im Downplane hat Randi schon mit üblichen Kombinationen aus Retter und EN-B-Schirm gemessen. Ein solcher Aufschlag auf festem Grund ist lebensgefährlich!

Daraus folgt die klare Erkenntnis: Wer nach dem Retterwurf noch die Zeit dazu hat, sollte sich auf jeden Fall darum kümmern, seinen Hauptschirm flugunfähig zu machen. Randi berichtet in einem ihrer Posts von drei Verfahren, die sie mehrfach vergleichend erprobt hat:
  • B-Stall: Der Hauptschirm wird durch das Ziehen der B-Ebene gestallt. Allerdings verlangt das am Anfang viel Kraft, und auch weiter viel Kraft, diesen Zustand zu halten. Im ungünstigen Fall kann es trotzdem zu einem leichten Downplane mit erhöhtem Sinken kommen.
  • Hauptschirm lösen: Wer Trennkarabiner hat, kann seinen Hauptschirm nach dem Retterwurf einfach vom Gurtzeug lösen. Das verlangt freilich ein sehr geordnetes Vorgehen, was vielen in der Stressituation nicht immer gleich gelingt. Außerdem: Wenn die Schirmkonfiguration vor dem Lösen schon in der Downplane-Stellung war, kann das Freigeben des Hauptschirms zu einer starken Pendelbewegung führen. Je nach Resthöhe und Notschirm könnte diese sogar bis zum Boden anhalten. Im Idealfall ergibt diese Variante freilich das ruhigste Sinken mit der geringsten Geschwindigkeit.
  • Bremsleinen einholen: Randi empfiehlt, die Bremsleinen beidseitig gleichmäßig zu wickeln, bis die erste Leinenkaskade an der Bremsleinenrolle anstößt. Das braucht am wenigsten Kraft und Konzentration. Dann greift man eine der seitlichen Leinen und zieht darüber den Schirm zu sich heran, um ihn am Ende als geknülltes Stoffpaket vor sich zu raffen. Es bleibt freilich immer noch ein Nachteil: Der Stoffberg vor dem Bauch behindert möglicherweise die Sicht zum Boden, um sich auf die Landung besser vorzubereiten.
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2 Kommentare:

ThomasN hat gesagt…

Ecki vom Achensee hat mal diverse Retter getestet, Videos davon gemacht (link habe ich nicht da) und empfiehlt den B-Stall gegen den Downplane-effekt.
Aus eigener Erfahrung: Der Nicht-Fallschirmspringer ist nicht trainiert genug, die Landung zu kontrollieren. Das geht so schnell, dass es fast egal ist, was man sieht oder nicht (wenn man den Schirm reingeholt hat). Wichtig ist: Beine zusammen und leicht anwinkeln. Elegant wird's eh nicht ;)

Heiko J. hat gesagt…

B-Stall ist nicht immer einfach durchzuführen, nicht nur wegen den Kräften beim Einleiten! Wenn sich die Rettung geöffnet hat und der Hauptschirm nach vorne kommt (man also die Kappe auf Höhe des Horizonts sieht), dann sind die Tragegurte für den B-Stall sehr weit vorne und weg vom Körper. Ich kam bei einem Sicherheitstraining nicht mehr da dran :-(