Auf Thermiksuche mit Wärmebildern

Lassen sich Wärmebildkameras für das Thermikfliegen nutzen? Armin Harich machte in Namibia das Experiment. Lu-Glidz sprach mit ihm über seine Erfahrungen.

Ein Wärmebild und sein Realfarben-Pendant:
Der Dust Devil ist als Säule heißen Staubs sichtbar.
// Quelle: Vimeo-Video, bearbeitet
Als Armin Harich im Dezember 2015 mit Fliegerkollegen zu einer Streckenflugexpedition nach Namibia aufbrach (Lu-Glidz berichtete), hatte er auch eine besondere Technik mit im Gepäck: Flir One ist eine einfache Wärmebildkamera, die sich mit einem Iphone koppeln lässt (gibt es auch als Android-Variante). Damit ausgerüstet, wollte Armin testen, inwieweit Bilder der aktuellen Wärmeabstrahlung des Bodens - aus der Luft betrachtet - dabei helfen können, heißere von kühleren Zonen in der Landschaft zu unterscheiden und somit Thermikquellen besser aufzuspüren. Armins Erkenntnissen nach könnte die Technik vor allem bei Blauthermik eine nicht zu unterschätzende Hilfe sein.

Armin, wie kamst Du auf die Idee, eine Wärmebildkamera mit nach Namibia zu nehmen?
Armin Harich: Ich hatte schon ein Jahr vorher den Vorgänger, habe die Kamera aber aus Zeitmangel nur ganz kurz mal in der Luft getestet. In Namibia wollte ich diese Möglichkeit weiter ausprobieren und habe mir dafür den Nachfolger geholt. Als wir dann ein paar Tage zum Spazierenfliegen hatten, habe ich sie mal eingehender getestet.

Im Video sind tatsächlich Temperaturunterschiede in der Landschaft zu erkennen. Hast Du dich im Flug danach gerichtet?
Armin Harich: Ja, ich habe die Wärmebildkamera zumindest mal eine Stunde lang intensiver genutzt. Es war ein Spazierflug bei Blauthermik gegen den Wind. Ich habe dann immer beim Losgleiten die mögliche Route am Boden auf den Wärmebildern angeschaut und fünf Minuten später nochmal. Dabei habe ich die Infos der Wärmebildkamera bewusst sehr konsequent genutzt. Der Test hat auch sehr gut funktioniert. Ohne die Kamera wäre ich anders geflogen, und es wäre vermutlich deutlich schwerer geworden, oben zu bleiben.

Das Wärmebild zeigt ja nur, wo der Untergrund welche Temperatur hat. Glaubst Du anhand der farbigen Bilder auch erkennen zu können, wo die Thermiken tatsächlich ablösen?
Armin Harich: Man sieht nicht die Temperatur direkt, sondern die Wärmeabstrahlung des Bodens. Je nach Emissionsgrad sind die angezeigten Temperaturwerte auch nicht ganz korrekt. Zudem kommt noch eine weitere Einschränkung: Aus zehn Kilometer Entfernung betrachtet nimmt die angezeigte Temperatur des Untergrundes deutlich ab. Das liegt wohl am vergleichsweise kalten Staub und Dreck, der in der Luft schwebt und die Messungen stört. In der Praxis sehe ich darin aber kein besonderes Problem, wenn man unsere Gleitzahlen und Arbeitshöhen bedenkt. Zehn Kilometer sind da ja schon sehr weit geschaut.

Kann man mit der Wärmebildkamera Thermikbärte auch irgendwie direkt erkennen?
Armin Harich: Normalerweise nicht, die Bärte sind ja keine Wärmestrahler. Eine Ausnahme sind die Dust Devils, die es in Namibia häufig gibt. Da war die Wärme zu sehen, da die Staubteufel warmen Mineralstaub vom Boden mit hochsaugen und den Dusty auch in der Höhe weiter nachheizen (s. Beispielbild oben).

Kann ein erfahrener Flieger wie Du die thermikträchtigen Regionen einer Landschaft nicht auch ohne Kamera schon sehr gut einschätzen?
Armin Harich: Mäßig bis gut, würde ich sagen. Ich schätze aber, dass bei Blauthermik der Blick mit der Wärmebildkamera zum Boden dem Piloten ähnlich gut helfen kann wie der Blick zu den Wolken an Tagen mit Wolkenthermik. Die Kamera führt einem deutlich klarer vor Augen, wo es aktuell am Boden wärmer oder kälter ist. Ansonsten kann man es ja immer nur vermuten. Man lernt so auch schneller, die unterschiedliche Heizqualität der Landschaft zu verstehen. Zudem kann sich das Wärmebild innerhalb von Minuten ganz leicht verändern. Möglicherweise lassen sich anhand dessen sogar lokale Ablösungen mit der Kamera erkennen.

Ein starke Überhitzung des Bodens führt auch zu einer stärkeren Erwärmung der darüber liegenden Luft. Das kann aber auch zu kleineren, vehementeren Blasen führen. Sind für gut zentrierbare Thermiken nicht gerade die großen, nicht ganz so heißen Flächen interessant, weil sich darüber ein größeres Luftvolumen erwärmen kann, bevor es ablöst?
Armin Harich: Ich schaue einfach, wo es viel Wärme am Boden hat und wo die warme Luft sich dann ablösen kann. Je mehr Warmluft, desto besser um große Aufwinde zu produzieren.
Klare Abrisskanten in Form von kalten Flächen oder Hindernissen, die für Turbulenz sorgen, helfen den Einstieg zu finden.

Wirst Du die Wärmebildkamera künftig auch bei Deinen Flügen im deutschen Flachland einsetzen?
Armin Harich: Ich werde dieses Jahr weniger zum Fliegen gehen, da ich etliche Projekte mit unseren Flysurfer-Kites umsetzen werde. Aber ich habe vor, die Wärmebildkamera so zu befestigen, dass ich sie ohne Bedienung im Flug nutzen und testen kann. Ich gehe davon aus, dass noch andere Piloten die Chance erkennen werden, um mit einer günstigen Wärmebildkamera die Entstehung von Thermik besser zu verstehen und daraus zu lernen. Man kann die Kamera auch am Boden sehr gut nutzen. Egal ob Anfänger oder Profi, die Technik kann jedem weiterhelfen.

Zur Anschauung noch ein Roh-Video der Wärmebildkamera mit Armins Kommentaren während eines Fluges in Namibia.


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