Das Gurtschließen-Debakel (1)

Finsterwalder hat eine Sicherheitsmitteilung für zwei Typen von Gurtzeugschließen veröffentlicht. Viele (ältere) Gurtzeuge vieler Hersteller sind erst einmal gegroundet. 
Die betroffenen Gurtzeugschließen von Finsterwalder: links Click-Lock, rechts T-Lock. // Quelle: DHV


T-Lock und Click-Lock, diese beiden Typen von Gurtzeugschließen der Marke Finsterwalder, sind am Markt sehr weit verbreitet. Sie sind in Gurtzeugen vieler namhafter Hersteller verbaut, darunter Advance, Ava-Sports, Apco, Finsterwalder & Charly, Karpofly, Sky Paragliders, Skytrekking, Sol und Woody Valley. Entsprechend weitreichend sind die Folgen, die eine aktuelle Sicherheitsmitteilung von Finsterwalder (s. DHV-Web und PDF) nach sich zieht.

Alle Gurtzeuge dieser Marken, die am Brustgurt (zwischen den Karabinern) T-Lock- oder Click-Lock-Schließen von Finsterwalder tragen, dürfen vorerst nicht mehr genutzt werden - zumindest wenn sie laut dem Datum ihrer Stückprüfung mehr als vier Jahre alt sind.

De facto bedeutet dies, dass Tausende Piloten weltweit, wenn sie die Sicherheitsmitteilung denn beachten und befolgen, erst einmal ohne nutzbares Gurtzeug dastehen und somit möglicherweise mangels Ersatz nicht mehr fliegen können.

Wer ein Gurtzeug jüngeren Datums besitzt, sollte übrigens nicht gleich frohlocken. Die von Finsterwalder neu festgelegte technische Nutzungsdauer der T-Lock- und Click-Lock-Schließen von vier Jahren greift auch in Zukunft. Das heißt, dass ein heute zwei Jahre altes Gurtzeug in weiteren zwei Jahren ebenso nicht mehr geflogen werden dürfte.

Welche technische Lösung des Problems von Finsterwalder und den einzelnen Gurtzeugherstellern angeboten werden wird, ist derzeit noch nicht bekannt. Da die Schließen am Brustgurt ein tragendes Element der Gurtzeuge bilden, sind sie dort entsprechend fest vernäht. Ein einfacher Do-it-Yourself Austausch durch die Piloten wird nicht möglich sein. Das gesamte logistische Ausmaß dieses Gurtschließen-Debakels ist noch nicht absehbar.

Das technische Problem der Schließen ist folgendes: Im Brustgurt verbaut, nehmen die Schließen ständig wechselnde Kräfte auf, z.B. durch schrägen Zug, wenn der Pilot sein Gewicht verlagert. Dabei kann es mit der Zeit zu Abnutzungserscheinungen an den Schließen und Verschlussstücken kommen - mit dem Effekt, dass sie im Extremfall unter Last öffnen können. Ein Pilot könnte dann unter Umständen aus dem Gurtzeug fallen. In jüngerer Vergangenheit ist es in zwei Fällen zu einem solchen Versagen der Schließen gekommen. Sicherheitshalber hat Finsterwalder deshalb nun die Nutzungsdauer der genannten Gurtzeugschließen in Brustgurten auf vier Jahre begrenzt.
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3 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Gerade der Hersteller, der so viel Wert auf Dauerlastfestigkeit bei Karabinern legt!! Bin gespannt, zu wessen Lasten dann der Austausch der betroffenen Schließen erfolgen soll/wird ....

Bei Finsterwalder scheint noch mehr im Argen zu liegen.
Es heißt dass er ohne wirtschaftliche Notwendigkeit Charly Produkte in Seeg im Allgäu, seine "Filiale" (größer und moderner als die Zentrale in München) schließen wird.

Robert hat gesagt…

Gerade der Hersteller, der so viel Wert auf Dauerlastfestigkeit bei Karabinern legt!! Bin gespannt, zu wessen Lasten dann der Austausch der betroffenen Schließen erfolgen soll/wird ....

Anonym hat gesagt…

warum eigentlich seit so so vielen Jahren immer wieder der gleiche bullshit... ;-)
Also, es gibt nach wie vor Verschlüsse die "nie" kaputt gehen oder irgend einen Haken haben. Ich fliege und rate schon seit Jahren zu nichts anderem mehr.
Leider wird in unserem tollen Sport schon immer alles erstmal zugelassen und verkauft.
Höher, schneller, und vor allem komplizierter.


Ralf Münch