Südspanischer Luftraumfrust (4)

Die Diskussion um die Luftraumprobleme in Südspanien offenbart: Das Gleitschirmfliegen steckt im Grunde in ganz Spanien in einer Gesetzesklemme.

Die TMA Sevilla belegt fast ganz Andalusien mit einem Deckel
ab 1000 Fuß über Grund. // Quelle: XC-Planner
Der Gleitschirm ist in Spanien rechtmäßig nicht eigens definiert. Er fällt dort in die Rubrik Ultraleichtfluggerät, und für diese gilt in Spanien eine Regel: Auch im unkontrollierten Luftraum außerhalb von Kontrollzonen etc. darf legal nur bis auf 1000 Fuß (~330m) über Grund geflogen werden. Wer höher steigen wollte, bräuchte stets eine Sondererlaubnis von den Luftraumbehörden. Ansonsten bewegt er sich außerhalb der Legalität.

Viele Jahre haben sich die Gleitschirmpiloten in Spanien nicht darum geschert. Sie betrachteten ihr Hobby als "vuelo libre". Ohne speziellen Gesetzesrahmen erschien ihnen fast alles erlaubt, man musste sich nicht kümmern. Doch diese Einschätzung - teils auf Blauäugigkeit, Unwissenheit und Ignoranz beruhend - erweist sich immer mehr als Boomerang. In den vergangenen Jahren und vor allem Monaten ist die spanische Luftaufsicht AESA verstärkt auf die Gleitschirmfliegerei aufmerksam geworden. Und so wachsen die Sorgen, dass die spanischen Behörden stärker durchgreifen könnten, getreu dem Motto, dass nicht sein kann, was nicht sein darf.

Hauptregion der Auseinandersetzung ist aktuell Andalusien. Dort gab es schon heftige Diskussionen um verbotene Gleitschirmflüge innerhalb der CTR von Málaga. Das über Jahre schon etablierte Fluggebiet von Valle de Abdalajís wurde daraufhin offiziell geschlossen (Lu-Glidz berichtete). Doch damit ist das Thema nicht vom Tisch. Denn darüber hinaus ist auch fast ganz Andalusien mit einem weiteren Luftraum belegt, der TMA Sevilla, die schon auf 1000 Fuß über Grund beginnt.

Im beliebten Fliegerspot Algodonales, wo die spanische Meisterschaft stattfinden sollte, aber wegen unzureichender Luftraumfreigaben abgesagt werden musste, geht jetzt die Angst um. Sollten die Luftaufsichtsbehörden auf Recht und Gesetz pochen, stünde zumindest das Thermik- und Streckenfliegen in der Region in Zukunft unter einem schlechten Stern. Algo könnte seinen Ruf als ideales Fluggebiet für winter-gefrustete Nordeuropäer verlieren. Für einen Ort, der stark vom Gleitschirmtourismus profitiert, sind das schlechte Perspektiven.

Allerdings geht es nicht nur um Algo. Langsam dämmert es den spanischen Gleitschirmfliegern, dass sie bzw. ihr Verband es allgemein zu lange versäumt haben, Lobbyarbeit für sich zu machen. Es fehlt ein eigener juristischer Regulierungsrahmen als offizielle Anerkennung der Bedürfnisse, Rechte und Pflichten der Gleitschirmfliegerei. Ohne diesen wird es schwer, als Luftraumnutzer von den Behörden ernst genommen und respektiert zu werden.

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4 Kommentare:

Werner S. hat gesagt…

Da zeigt sich, was für gute Arbeit der DHV in Deutschland geleistet hat!
Und für 80% der Gleitschirm-Touristen in Andalusien reichen die 300m GND eh völlig aus.
Nur um die spanischen XC Wettbewerbe ist's schade :-(

Carlos hat gesagt…

Wie wird denn der kommende Winter in Algodonales? Steht jetzt überall die Guardia Civil und knallt jeden vom Himmel, der höher als 300m GND fliegt, oder sammelt die Leute am Landeplatz ein und sperrt sie weg?
Hat jemand aktuelle Informationen?

Ingo Leonard hat gesagt…

Ich habe zu diesem Thema auf dem Coupe Icare 2016 einen Vertreter der andalusischen Tourismusorganisation angesprochen und er war über diese 'Fehlinformation' regelrecht schockiert.
Er hat mir sehr glaubwürdig versichert, dass man auch in Algodonales aktuell fliegen könne.
Weiterhin wollte er sich mit Lucian - seinen Blog kannte er bis anhin noch nicht - in Verbindung setzen und die Sache genau klären. Er hat sich alles genau aufgeschrieben und ich war überzeugt, dass er dass auch wirklich klären würde. Da ich bis jetzt aber noch nichts davon lese, bröckelt meine Überzeugung.

Bei dieser Gelegenheit wurde ich noch darauf aufmerksam gemacht, dass es sehr ausführliche Fluggebietsbeschreibungen zu Andalusien als PDFs gibt.
Der angegebene Link war falsch, aber schliesslich wurde ich fündig:
http://www.juntadeandalucia.es/turismoycomercio/opencms/areas/servicios/centro-documentacion/publicaciones/turismo/turista/guias/

Dort gibt es je einen Führer auf Spanisch und Französisch. Auf Englisch gibt es den angeblich auch, aber der ist nicht auffindbar. Auf deutsch gibt es den Führer nicht, da die Anzahl deutschsprachiger Gleitschirmflieger für den andalusischen Tourismus offensichtlich unbedeutend ist.
Aber es steht sowieso zu befürchten, dass diese Publikationen einen eher historischen Wert haben.

Lucian Haas hat gesagt…

Mittlerweile habe ich einiges weiteres zu dem Thema gelesen. Demnach stellt sich die Lage um Algodonales wohl so dar (ohne Gewähr):
- Die typischen Startplätze um Algo können problemlos beflogen werden. Dort gilt Luftraum E, bis in eine Höhe von 4400m MSL (FL 145).
- Bei Streckenflügen Richtung Norden und Osten muss man allerdings bald aufpassen. Etwa ab Höhe SP Montellano im Norden gilt Luftraum D ab ~300m GND (TMA Sevilla). Bei Flügen nach Osten beginnt ebenso etwa 5 km hinter Olvera Luftraum D ab ~300m GND.
- Die Startplätze Teba und Cañete la Real liegen ebenso unter dem Deckel Luftraum D ab 300m GND. Soaring ist dort also möglich, aufdrehen und wegfliegen eher nicht.
- Die Flugregion Valle des Abdalajís liegt weiterhin in CTR Málaga und bleibt gesperrt.