Seit wann ist der Patscherkofel im Zillertal?

"Fluggebiete Europa" heißt ein neuer Führer, den auch der DHV in seinem Shop anbietet. Leider strotzt das Kartenmaterial vor Fehlern und ist vielerorts unbrauchbar.

Dieser Fluggebiete-Führer ist in weiten Teilen das Papier nicht wert,
auf dem er gedruckt ist. // Quelle: Cloudbase
Es macht keinen Spaß, einen Verriss über ein Produkt zu schreiben, von dem man weiß, das andere Menschen viel Zeit und Herzblut hinein gesteckt haben. Doch das neue Buch "Fluggebiete Europa" der Cloudbase Travel&Media UG lässt mir keine andere Wahl.

In den Karten sind viele Fluggebiete so deplatziert eingezeichnet, dass dieser Führer seine Nutzer vielerorts zu völlig falschen Zielen leitet. Tatsächlich bleibt nur die Empfehlung an den Verlag: Nehmt diese Auflage vom Markt, macht den Kartenteil in korrekter Fassung neu, und bringt dann eine nutzbare 2. Auflage heraus. Aktuell sind die 39,80 €, die das Buch kostet, für die Nutzer eine Fehlinvestition.

"Das ist aber harter Tobak", mögen manche Lu-Glidz-Leser denken. Nur: Wenn man - erst aus Neugier, dann aus wachsendem Entsetzen heraus - stichprobenartig ein bekanntes Fluggebiet nach dem anderen in den Karten überprüft, und in mehr als 90 Prozent der Fälle diese an völlig falschen Positionen wiederfindet, so ist halt irgendwann der Punkt erreicht, an dem man denkt: Einzelne Fehler könnte man ja verzeihen, aber wenn der Fehlerteufel geradezu tief im System steckt, gilt es so etwas zu benennen.

Hier nur ein paar Beispiele (die Fluggebietskennungen sind dem Buch entnommen):
  • AT138 "Patscherkofel" ist auf den Karten ins Zillertal gerutscht.
  • IT170 "Monte Baldo" ist nicht bei Malcesine, sondern auf der anderen Seite des Gardasees eingetragen.
  • IT 159 "Antenne Costalunga" ist nicht bei Bassano, sondern jenseits des Brentatales verortet.
  • DE313 "Küppchen/Lasserg" residiert nicht an der Mosel, sondern am Rhein.
  • DE492 "Schriesheim/Ölberg" prangt mitten in Heidelberg.
  • DE923 "Tegelberg" erscheint im Flachland nördlich des Bannwaldsees.
  • AT114 "Schmittenhöhe" ist am Pass Thurn zu finden.
  • CH34 "Säntis" sitzt mitten im Appenzeller Hügelland.
  • FR176 "Le Treh" findet man mehr als 10 km nördlich seines eigentlichen Standortes.
Undsoweiter, undsofort. Fast wirkt es so, als hätten die Mitarbeiter, die die Startplatzfähnchen in die Karten setzten, im Grafikprogramm Dart gespielt.

Nun ist sicher nicht alles schlecht und falsch in diesem Buch. Das lange Register der Startplätze weist wirklich sehr viele Einträge aus 45 Ländern auf (angeblich mehr als 10.500). Und die GPS-Koordinaten, die dort im Textteil angegeben sind, scheinen auch eher zu stimmen (soweit meine Stichproben zeigten). Wirklich nutzbar wird die Liste aber nur in Kombination mit dem Kartenteil. Und der ist leider völlig verkorkst.

Warum der Verlag bei seinem Fluggebieteführer die Qualitätskontrolle so sträflich außer Acht gelassen hat, muss er sich nun selber fragen. Leider ist das Ergebnis ein Witz, über den man nicht einmal lachen kann.

Hinweis: Nach meinen Stichproben sind die massiven Fehler vor allem im Kartenteil Zentraleuropas und der Alpen mit dem Maßstab 1:750.000 zu finden. Bei einer nur groben Überprüfung einiger Startplätze in Spanien und Italien (Maßstab 1:1.500.000) waren diese weitgehend korrekt platziert. Ob das auch für den Rest Europas gilt, mögen andere herausfinden. Mein Vertrauen in dieses Buch ist tief genug erschüttert, als dass ich mich weiter damit beschäftigen wollte.

Fluggebiete Europa
Taschenbuch: 480 Seiten
Verlag: Cloudbase; Auflage: 1 (11. November 2016)
Sprache: Englisch, Französisch, Deutsch, Italienisch, Spanisch
ISBN-10: 3981837401
ISBN-13: 978-3981837407
Preis: 39,80 €

Nachtrag: Als Reaktion auf diesen Beitrag erhielt Lu-Glidz bereits eine Email von Seiten des DHV. Darin heißt es: "Der Herausgeber des Buches „Fluggebiete Europa“ hat uns informiert, dass in der jetzigen Auflage durch einen Fehler der Druckerei falsche Angaben zu Fluggebieten gemacht werden. Der DHV hat deshalb ab sofort den Vertrieb eingestellt, Vorbestellungen sind weiterhin möglich. Eine zweite korrigierte Auflage wird bei Erscheinen in Kürze wieder über den DHV-Shop zu beziehen sein."

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4 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Mist jetzt hab ich das Ding bestellt

Anonym hat gesagt…

Da fragt man sich, auf welche Datenbanken zurück gegriffen wurde, um via Koordinaten exakt im Kartenmaterial den Ort x,y und z zu platzieren/referenzieren?
Mir bekannte Startplätze sind oft bzgl. ihrer GPS-Koordinaten falsch platziert.
Leider sind die jeweiligen exakten Koordinaten nur gut, wenn die Datenbank - aus der sie "gezogen" wurden - auch kontrolliert/überprüft worden ist.

Historisch werden hier wohl seit Jahren Fehler mitgeschleppt!

Lucian Haas hat gesagt…

Die Fehler in den Karten sind nicht auf Fehler in Datenbanken zurückzuführen. Denn die GPS-Koordinaten im Textteil des Führers sind (soweit ich sie geprüft habe) korrekt. Nur die Startplatzfähnchen in den Karten sind an die falschen Stellen gedruckt.

Es soll übrigens "bald" eine zweite, korrigierte Ausgabe geben. Der aktuelle Verkauf ist erste einmal eingestellt.

Anonym hat gesagt…

könnte an Nutzung verschiedener Formate liegen... Konvertierung hat eventuell die Positionen auf der Karte verschoben