Die neue Schlüpfrigkeit beim PWC

Beim PWC Superfinale ist Halbzeit. Die Tasks sind spannende, taktische Rennen. Bei den Piloten zeigt sich der Drang nach aerodynamischer Optimierung.

Richard Gallon fliegt mit selbstgebauter Wind-Leit-Scheibe.
// Quelle: Richard Gallon
Beim Superfinale des PWC in Kolumbien ist Halbzeit. Am Montag war Ruhetag. Bisher wurden vier der fünf angesetzten Tasks auch geflogen. Task 4 wurde noch vor dem Start gecancelt, als die Piloten allerdings schon in der Luft waren. Sie mussten sich dann mit Steilspiralen, Wingovern und angelegten Ohren vor einer überentwickelnden Wolke retten. Manch ein Schirm samt Pilot wurde noch am Landeplatz ordentlich durchgewaschen.

Das Wetter ist in diesem Jahr in Roldanillo deutlich feuchter und labiler als üblich. Das Meteo-Phänomen La Niña lässt grüßen. Die Piloten müssen für ihre Flugtaktik stets der Wolkenentwicklung große Aufmerksamkeit widmen. Es gilt jene Routen zu finden, die auch bei längerer Abschattung noch halbwegs zuverlässig Thermik liefern. Der Cauca-Fluss als Abrisskante und die angrenzenden Sumpfgebiete als latente Wärmespeicher haben sich des öfteren schon als Rettungsanker erwiesen. Und nicht immer wird der, der fleißig voran fliegt, am Ende auch belohnt. Bei Task 5 beispielsweise ging der gesamte Führungspulk im Wolkenschatten zu Boden, während die Nachzügler und jene, die das Unheil kommen sahen und taktisch einen Gang zurück schalteten, so lange im schwachen Steigen abwarteten, bis wieder eine Sonnenspur zu sehen war.

Hier zeigt sich ein taktisches Dilemma, in dem die Piloten stecken. Bei diesem Superfinale wird die Platzierung mit einer neuen Punkteformel ermittelt. Sie vergibt für die Führungsarbeit mehr Leading Points als früher. Waren bisher bei einem mit 1000 Punkten gewerteten Task maximal 117 Leading Points möglich, so sind es jetzt 162. Voranzufliegen lohnt sich also, doch manchmal sollte man weise die Nachhut bilden. Bisher hat der Franzose Honorin Hamard diesen Spagat am besten vollzogen. Er führt zur Halbzeit die Gesamtwertung an.

Maxime Pinot landet. Neben der Windschutzscheibe seines Gurtzeugs
setzt er auch noch auf aerodynamische Flügelchen an den Armen.
Nur die Gopro auf dem Helm trotzt aller Cw-Wert-Optimierung.
// Quelle: PWCA
Interessant zu beobachten ist der ungebrochene Drang nach aerodynamischer Optimierung. Am deutlichsten wird dies beim neuesten Race-Gurtzeug von Gin, dem Genie Race 4, das in Roldanillo von 10 Piloten geflogen wird. Das Gurtzeug weist wie andere Modelle eine große Heckflosse auf. Die Belüftung davon erfolgt allerdings nicht mehr durch seitlich störend aufgesetzte Hutzen, sondern durch eine Luftzufuhr in der Spitze des Beinsackes samt innenliegendem Luftschlauch. Im Cockpit ist eine ausziehbare Windschutzscheibe integriert. Sie dient als eine Art Spoiler, der die Strömung über den Piloten hinwegleiten soll. Manche Piloten haben diese Idee schon aufgegriffen und für Gurtzeuge anderer Hersteller ähnliche Lösungen gebastelt (s. Bild oben).

Auf die Spitze treibt die neue Schlüpfrigkeit der Franzose Maxime Pinot. Er fliegt mit übergestreiften Flügelchen an den Unterarmen, um auch deren Cw-Wert zu verbessern. Ob diese Technik unterm Strich wirklich etwas bringt, sei dahingestellt. Zumal Maxime zugleich auf seinem Helm eine kantige Gopro trägt. Der Drang nach Bildern wiegt dann doch mehr als die letzte aerodynamische Konsequenz.


Die Top Ten des Superfinales nach fünf Tasks (vier davon gewertet):
  1. Honorin Hamard, FRA, Enzo3 - 2954
  2. Nicola Donini, ITA, Enzo3 - 2944
  3. Joachim Oberhauser, ITA, Enzo3 - 2923
  4. Charles Cazaux, FRA, Enzo3 - 2912
  5. Michael Sigel, CHE, Boomerang11 - 2910
  6. Laurie Genovese, FRA, Enzo3 - 2904
  7. Ernesto Hinestroza, DEU, Enzo3 - 2903
  8. Torsten Siegel, DEU, Boomerang11 - 2899
  9. Jean Marc Caron, FRA, Enzo3 - 2893
  10. Luc Armant, FRA, Enzo3 - 2888

Wer das Superfinale weiter verfolgen will, hier nochmals die wichtigsten Links:

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3 Kommentare:

JN hat gesagt…

Maxime möchte einfach die Abrisskante des Cauca-Flusses möglichst bis zum Letzten ausreizen können und braucht deshalb Schwimmflügelchen für den Notfall.

Oliver Thomä hat gesagt…

Wenn wirklich die Aerodynamic mit solchen Schwimmflügelchen verbessert wird, würde sich auch der Anstellwinkel erhöhen. Wird die Trimmung des Flügel entsprechend angepasst?

Anonym hat gesagt…

helm mit gopro gleicht wieder aus (ha ha)