Ein Sieg der Kameradschaft

Bei den Redbull X-Alps kamen zehn Teilnehmer bis ins Ziel. Die Abstände waren selbst nach 1038 km zum Teil denkbar knapp. Ein Grund: Die Teams arbeiteten mit-, nicht gegeneinander.

Benoit Outters und Paul Guschlbauer bei der gemeinsamen Zielankunft.
// Quelle: redbullxalps.com, Honza Zak
Wenn es eine Szene gibt, welche den Spirit der Redbull X-Alps 2019 besonders treffend charakterisiert, dann ist es der Zieleinlauf von Benoit Outters und Paul Guschlbauer. Einen ganzen Tag lang waren sie gemeinsam gewandert und geflogen und wieder gewandert, um am Ende auch gemeinsam durchs Sponsoren-Tor in Peille zu schreiten und sich so den dritten Platz zu teilen.

Eine solche Kameradschaft passt eigentlich nicht zu einem Renn-Wettbewerb. Doch für die X-Alps gelten andere Regeln. Wenn man sich zehn Tage lang quer durch die Alpen schlägt, den inneren Schweinehund dutzendfach überwindet, um wieder und wieder Tausende Höhenmeter nach oben zu stiefeln, nur um vielleicht schon bald wieder an einem dornigen Hang wieder einzulanden, dann verbündet man sich fast automatisch mit denjenigen, die die gleichen Leiden und Freuden teilen.

Und das nicht erst am Ende, sondern auch schon mittendrin. Bei dieser Ausgabe der X-Alps, mehr noch als in früheren Jahren, kam es immer wieder dazu, dass die Piloten als "Konkurrenten" gemeinsame Sache machten, sich als Pulk beim Fliegen oder als kleine Gruppe beim Wandern zusammen taten. Und zwar quer durch die Bank, immer wieder in neuen Konstellationen. Fast schien es so, als könne hier jeder mit jedem – vor allem im vorderen Bereich des Feldes.

Das hat auch mit der enormen Leistungsdichte zu tun. Nicht von ungefähr kamen dieses Mal zehn Teilnehmer bis ins Ziel. Mittlerweile hat die Professionalisierung auch schon in der Vorbereitung einen nie dagewesenen Grad erreicht. Sowohl fliegerisch, läuferisch wie auch logistisch spielten viele Piloten samt ihren Teams in der gleichen Liga. Über die Platzierung entschieden am Ende weniger die Unterschiede im Können, als teilweise einfach das lokale Wetterglück: In der stabilen Hitzeluft der letzten Tage zum Beispiel konnte ein erhaschte oder verlorene Thermikblase drei Plätze hoch oder hinunter in der Tabelle bedeuten.

Chrigel Maurers Toplandung auf dem Titlis im Livetracking. Diese
Szene brachte ihm den entscheidenden Vorsprung auf seine
Verfolger ein. // Quelle: redbullxalps.com, Screenshot
Auch die Veranstalter haben dieses Mal vieles richtig gemacht. Das Livetracking funktionierte von Anfang an und bot mit der 3D-Ansicht aus Pilotenperspektive sogar ganz neue Einblicke. Als Betrachter am heimischen Bildschirm konnte man noch stärker mitfiebern, wenn die Piloten versuchten mit ihren geländenahen Linien die größten Flugdistanzen herauszukitzeln.

Etwas unpassend allerdings die Überpräsenz der Sponsoren, vor allem von Audi mit dem e-Tron. War es wirklich nötig, bei allen möglichen Fotos und Filmaufnahmen diese massigen Geländewagen mit ins Bild zu rücken? Bei einem eigentlich natur-orientierten Rennen, bei dem Piloten nur zu Fuß und motorlos fliegend die Alpen bezwingen, ist das ein Anachronismus, bei dem die Idee des Hike-and-Fly sprichwörtlich unter die Räder kommt.

Hier noch, der Vollständigkeit halber, die Abschluss-Platzierung der Redbull X-Alps 2019:

1. Christian Maurer (SUI1), 9 Tage, 3 Stunden, 6 Minuten
2. Maxime Pinot (FRA4), 9 Tage, 21 Stunden, 52 Minuten
3. Benoît Outters (FRA1), 10 Tage, 8 Stunden, 45 Minuten
Paul Guschlbauer (AUT1), 10 Tage, 8 Stunden, 45 Minuten
5. Manuel Nübel (GER1), 10 Tage, 11 Stunden, 26 Minuten
6. Simon Oberrauner, (AUT2), 10 Tage, 12 Stunden, 5 Minuten
7. Gaspard Petiot (FRA2), 10 Tage, 13 Stunden, 12 Minuten
8. Patrick von Känel (SUI2), 10 Tage, 13 Stunden, 46 Minuten
9. Aaron Durogati (ITA1), 10 Tage, 17 Stunden, 22 Minuten
10. Tom de Dorlodot (BEL), 10 Tage, 22 Stunden, 33 Minuten
11. Toma Coconea (ROU), 78.1 km zum Ziel
12. Gavin McClurg (USA1), 206 km zum Ziel
13. Tobias Grossrubatscher (ITA2), 212.7 km zum Ziel
14. Markus Anders (GER2), 215.8 km zum Ziel
15. Nick Neynens (NZL1), 263.3 km zum Ziel
16. Eduardo Garza (MEX), 265.4 km zum Ziel
17. Evgenii Griaznov (RUS), 270.3 km zum Ziel
18. Juraj Koren (SVK), 290.1 km zum Ziel
19. Adrian Keller (SUI3), 350.5 km zum Ziel
20. Cody Mittanck (USA3), 399 km zum Ziel
21. Thomas Juel Christensen (DNK), 423.8 km zum Ziel
22. Baris Celik (TUR), 449.1 km zum Ziel
23. Willi Cannell (USA2), 471.4 km zum Ziel
24. Marko Hrgetic (HRV), 478.3 km zum Ziel
25. Kaoru Ogisawa (JPN), 500.9 km zum Ziel
26. Helmut Schrempf (AUT3), 503.4 km zum Ziel
OUT Chikyong Ha (KOR), 530km zum Ziel
DNF Antoine Girard (FRA3), 554km zum Ziel
OUT Kinga Masztalerz (NZL2), 580km zum Ziel
OUT Alex Villa (COL), 743km zum Ziel
OUT Dominika Kasieczko (POL), 870km zum Ziel
OUT Rodolphe Akl (LBN), 990km zum Ziel

Hinweis: Willi Canell, Marko Hrgetic und Helmut Schrempf erhielten kurz vor Schluss des Rennens noch eine Zeitstrafe von 48h wegen Luftraumverletzungen. Sie wurde in Streckenkilometer umgerechnet und abgezogen. Ihre Positionierung in der Abschlusstabelle entspricht deshalb nicht jener im eigentlichen Rennverlauf. Antoine Girard musste mit Knieproblemen aufgeben. Die mit "out" Gekennzeichneten wurde im Verlauf des Rennens als jeweils Letztplatzierte "eliminiert".

2 Kommentare:

JN hat gesagt…

Das Gemeinsam- und Pulkfliegen ist generell ein Zeichen der Professionalisierung in unserem Sport. Man stelle sich vor, ein Rennrad-Champion würde die Tour de France mit ein paar Kilometer Abstand "alleine" bestreiten wollen - er wäre chancenlos. Mittlerweile haben einige Competition-Piloten auch mal ein paar XC-Flüge gemeinsam gemacht und gezeigt, dass das hervorragend funktioniert und meistens zu höheren Schnittgeschwindigkeiten führt. Im zentralen Comp wird schon immer nicht wirklich gegeneinander geflogen, sondern miteinander (erst im Endanflug ändert sich das). Allenfalls konkurrierende Pulks auf unterschiedlichen Linien fliegen "gegeneinander". Meines Erachtens wird sich das Pulkfliegen auch im XC durchsetzen (und logischerweise bei den X-Alps auch, die ja eine Mischung aus Comp und XC sind).

Jürgen hat gesagt…

Ich habe das Rennen auch im Live-Tracking verfolgt und ... ja es hat mich wieder vom Arbeiten abgehalten ;-)
Als klar war, dass Chrigel das Ding wieder nach hause fliegt/läuft, war es auf den hinteren Plätzen umso spannender.

Wenn man sich allerdings die Videos aus dem X-Alps Youtube-Channel anschaute, konnte einem schlecht werden. Neben der miesen Videoqualität konnte man den Eindruck gewinnen, dass nicht das Rennen oder die Piloten im Vordergrund stehen, sondern die Sponsoren, präsentiert von einem nervigern engl. Reporter!