Toplandeverbot am Mont Blanc

Nach der Massenlandung von vielen und dem Tod eines Piloten auf dem Mont Blanc haben die örtlichen Gemeinden ein Toplandeverbot ausgesprochen.

Die neue Zone des Toplandeverbots auf dem Mont Blanc.
// Quelle: mairie.saintgervais.com
Für mehr als 100 Piloten war die Toplandung auf dem Mont Blanc am vergangenen Mittwoch ein Traum (Lu-Glidz berichtete), in einem Fall wurde sie aber zum Albtraum. Denn der Wiederstart im Schnee bei nahezu Nullwind war sehr anspruchsvoll. Ein französischer Pilot stürzte beim zweiten Startversuch in die felsigen Flanken der italienischen Seite des Mont Blanc und zog sich dabei tödliche Verletzungen zu.

Die Tragödie veranlasste die lokalen Gemeinden am Mont Blanc, das Toplanden auf dem Mont Blanc zu verbieten. Als Verbotszone legten sie einen Kreis mit 600 Meter Radius um den Gipfel fest.

Der Vorfall zeigt, dass solche Toplandungen im Hochgebirge wohlüberlegt sein sollten. Denn in der dünnen Höhenluft füllen die Gleitschirme schlechter, und sie heben erst bei einer deutlich höheren Geschwindigkeit ab als normal.

In der Euphorie, an solchen besonderen Thermiktagen so einfach in große Höhen aufzufliegen, läuft man schnell Gefahr, die Schwierigkeiten eines Hochgebirgs-Starts zu unterschätzen. Zumal die wenigsten Piloten überhaupt Erfahrung mit Starts in über 4000 Meter Höhe haben dürften.

15 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Oh Mann, ist das wieder typisch: Am Mont Blanc sterben jährlich etliche Bergsteiger und niemand kommt auf die Idee die Besteigung zu verbieten. Oder das Skitourengehen wegen den vielen Lawinentoten in den Alpen. Oder das Schwimmen bei 500 Badetoten pro Jahr in Deutschland…

ich hat gesagt…

Interessanter Gedanke (y)

Anonym hat gesagt…

Ob das Toplandeverbot auch für die italienische Seite des Berges gültig ist mag ich zu bezweifeln... :)

Grüsse

Andreas

OttoS hat gesagt…

Am Mont Blanc sterben jährlich etliche Bergsteiger und niemand kommt auf die Idee die Besteigung zu verbieten.
Das stimmt so nicht ganz. Auch am Mont Blanc gibt es Bestrebungen den Zustieg zu begrenzen. Und die Bilder vom Stau am Mount Everest haben sicher die meisten noch im Sinn.
Wie so vieles im Leben, wird etwas, dass ein Massenphänomen wird zum Problem. Erfahrene Bergsteiger die den Mount Everest besteigen sind in der Regel kein Problem. Organisierte und kommerzielle Expeditionen die unerfahrene Leute praktisch in großer Zahl nach oben tragen schon. 32 ausgesuchte Athleten die am Titlis auf 3000m landen sollen sind wohl unkritisch, 100 Freizeitpiloten die das gleiche zur selben Zeit tun wollen schon eher. 10 Piloten im kleinen Fluggelände können sich arrangieren, bei 50 oder 100 haben wir ein Problem.
Die Dosis macht das Gift. Wenn dann Unerfahrenheit oder Überheblichkeit dazu kommt wird's schwierig.
Und wir sind i.d.R. zu Wenige um einen Faktor darzustellen. 25.000 Bergsteiger pro Jahr am Mont-Blanc sind halt ein Wirtschaftsfaktor in der Region. Und selbst da macht sich das Unbehagen schon bemerkbar und Beschränkungen sind denkbar.

Aber in einer Welt, in der einem ein "Alles-ist-möglich" vorgegaukelt wird und sich oft auch jemand findet der damit Geld verdienen kann (und natürlich genügend die dafür bezahlen) oder auch nur der Selbstdarstellungsdrang in einer Instagram-Welt Befriedigung sucht, wird sich dieser Prozess immer und immer wiederholen.

Und ich nehme mich da grundsätzlich nicht aus, um Missverständnisse vorzubeugen. Aber generell ein Mindestmaß an Respekt und etwas weniger Gedankenlosigkeit wären schon ein guter Anfang.

Carsten hat gesagt…

Es fragt sich hier, ob man sich, wenn man einmal im Leben die Gelegenheit hat, auf dem MontBlanc topzulanden, um ein Verbot schert. Mir wär das so was von wurscht kann man sich kaum vorstellen.

J.Karthe hat gesagt…

@ Carsten Vertrete deine Meinung - aber auch das Risiko

Anonym hat gesagt…

Ich find das Verbot lächerlich, aber nicht soo tragisch, denn der Flug ist sicher auch ohne Landung ein Erlebnis. Ich muss nicht unbedingt oben im Schnee stehen, um sowas genießen zu können.

Anonym hat gesagt…

pi
die schweizer und ihre verbote! - echt befremdlich - auf welcher rechtsgrundlage kann eine gemeinde solche verbote erlassen - ich würde gerne wissen, ob dies nicht das gleichheitsgebot verletzt (siehe bergsteiger) ... jmd. sollte einsprache erheben, resp. der shv wäre wieder mal gefordert - aber ach die schlafen ohnehin bei der hitze...

Lucian Haas hat gesagt…

Mont Blanc ist nicht Schweiz, sondern Frankreich... ;)

Stefan G. hat gesagt…

Ich kann den Beitrag von "Otto S hat gesagt.." gepostet am Juni27, 2019 11:42 PM nur unterstützen. Seine Ausführungen beinhalten m. E. ALLES zu dieser Thematik.

Fliegergruss
Stefan G.

Jochen hat gesagt…

Davon abgesehen dass ich vielen hier zustimme das dieses Verbot ein idiotischer Schnellschuss ist und weiter damit dass es nicht kontrollierbar sollte man sich den Post von Antoine Girard in seinem Facebook Post einmal in aller Ruhe zu Gemüte führen (https://www.facebook.com/antoinegirardfly/posts/1157797367753488?__tn__=K-RH-R) und mit sich ins Zwiegespräch gehen ob man sich das a) zutraut b) die entsprechende Ausrüstung hat c) auch dabei hat und d) es das Riskio wert ist.

Aber, und das scheint der Herr Bürgermeister von Chamonix mal wieder übersehen zu haben, dass es höchst fraglich ist ober überhaupt autorisiert ist dieses Verbot für den ganzen Gipfel auszusprechen. Denn der Grenzverlauf ist bis heute umstritten (https://de.wikipedia.org/wiki/Grenzverlauf_auf_dem_Mont_Blanc) und Italien hat kein solches Verbot erlassen.

Otto2 hat gesagt…

Die französische Einstellung zum Gleitschirmfliegen ist bekannt. Jeder ist für sich selbst verantwortlich,: keine Ausbildungs- oder Ausweispflicht, keine Zulassungplicht für die Geräte, nur eine Haftplichtversicherung für Drittschäden. Das es "nur" einen Startunfall bei dem Massenauflauf auf dem "extremen" Gipfel gab ist für mich ein positiver Aspekt dieser Selbstverantwortung. Der Erlass der Gemeinde zeigt einmal mehr die Dummheit und Korruptheit der Dorfkönige. Das "risikoreichere" Starten ist durch diesen Erlass klar weiterhin erlaubt, eine äusserst schwache Intelligenzleistung.
Ab 1. Juli ist Gleitschirmfliegen wie jedes Jahr generell verboten wegen der vielen Rettungsflüge durch Heils. Solche Rettungsflüge auf französisch sehen so aus: der Bergführer ruft den Helikopter zum Gipfel wegen "Erschöpfung" seines bergunerfahrenen aber begüterten Gastes. Ich war selbst oben und in einer Stunde flog der Helikopter 4 x. Da stören die nichtzahlenden Gleitschirme natürlich schon.

Robby Loeltgen hat gesagt…

Toplanden auf dem Mont Blanc - dem höchsten Berg der Alpen - muss das sein? Ist nicht bereits der Über(um-)flug ein herausragendes Ereignis? Vielleicht mit einem schönen Foto vom Gipfel mit Bergsteigern die z.T. sehr viel Engagement investiert haben, um dies zu erreichen. Mir persönlich hätte das definitiv ausgereicht. Ich vermute, nur wenige der toplandenden Piloten verfügten über das bergsteigerische Können und die bergsteigerische Ausrüstung um diesen, an sich lebensfeindlichen Ort, zu Fuß (vielleicht nach einem Defekt des Fluggeräts oder der Unmöglichkeit eines Starts bei Nullwind) wieder verlassen zu können.
Es erübrigt sich die Frage nach dem Sinn oder Zweck von anschließenden Verboten, da Selbige ohnehin nur schwer kontrollierbar sind und sich die Option einer Toplandung nun wahrlich nicht jede Woche ergibt. Die Frage die zu stellen wäre, ist allein: Muss alles was möglich ist, auch tatsächlich passieren? Ich persönlich bin froh, dass ich den Gipfel des Mont Blanc allein mit wenigen weiteren Bergsteigern genießen durfte. Und als Gleitschirmpilot werde ich freiwillig nur definitiv dort landen, wo ich auch wieder absteigen kann. Und wer unbedingt in dieser Höhe einmal mit dem Schirm starten möchte, dem steht es frei zu Fuß dort hoch zu laufen.

Jörg Hausbrand hat gesagt…

Sehr vernünftige Beiträge von allen, aber ein Gedanke fehlt: Es ist 1. nur trotz aller sicher richtigen Bedenken u. den bei vielen fehlenden Voraussetzungen, z.B. mindestens richtige Kleidung, für einen Flug auf diese Höhen u. gar eine Toplandung wie ich es gesehen habe in einigen Videos, es ist nur offenbar weniger als 0,5% aller Piloten derartig schlimm verunfallt. Sicher gab es auch noch eine Anzahl von Fastunfällen, wie ich auch gelesen habe,

ABER: 1.) Warum sollen wegen ihm die über 99,5% bestraft werden?
2.) Warum will man versuchen, der Evolution in die Hände pfuschen?

DENN: Es bringt ohnehin nichts, weil a) unkontrollierbar, b) nicht mit allen Beteiligten abgestimmt, c) andere Bergbetätigungen u.U. mehr Unfälle bewirken, d) die wirklich sich Angesprochenen 3..5% das - wie im Straßenverkehr - garantiert teils aus Unvermögen, teils aus Unwillen missachten u. letztlich e) diese Leute, so hart wie es ist, sowieso irgendwo anders durch ihre Haltung u. Unvermögen der realistischen Gefahreneinschätzung verunfallen werden.

Es ist also völlig egal, es wird immer einen geringen Prozentsatz auch an Menschen geben, die sich unnötig in Gefahr begeben und im Extremfall auch sterben werden.

Durch Vorschriften wird man diese "Fast-Naturgesetze" nicht aushebeln, was man ja bestens im Straßenverkehr sieht. Und keiner sagt, dann verbieten wir jeglichen Verkehr!
Oder hier noch besser: Weil die EN-C- und EN-D-Leistungsschirme für ungeübte Piliten lebensgefährlich sind, verbieten wir deren Produktion und Verkauf an alle anderen.

Jörg Hausbrand
Heidenau i. Sa.
j.hausbrand@gmx.de

Gleitshrimp hat gesagt…

Zum "interessanten Gedanken" Verbot auch für Bergsteiger?

Ich denke es macht einen Unterschied ob man sich vorbereitet, wie die meisten Bergsteiger am Mont Blanc an so eine Sache ranwagt oder ob man sich fahrlässig unvorbereitet, wie wohl einige Flieger an diesem Tag, in solche Höhen begibt.
Urteilen sollte man nicht, kritisch hinterfragen und diskutieren schon.
Wie es scheint gibt es solche Tage wie diesen alle paar Jahre einmal.
Vorhersehbar sind solche Tage also wohl schwer. Da kurbelt dann halt hoch, wer halt dann grad zufällig da ist!
Die meisten konnten es wohl aber es sind wohl auch schlimme Fehler passiert.
Ganze ehrlich... sieht nicht gut aus, grad für Außenstehende oder Verantwortungsträger.
Mir ist aber auch nicht bekannt, dass irgendwann einmal jemand auf die Ansprüche oder Gefahren mit Nachdruck und/oder wirklich nachhaltig hingewiesen hätte?
Ich denke da hätte schon früher mal etwas von den Bergbahnen, ansässigen Flugschulen oder vielleicht sogar den Locals kommen müssen?
Egal wie, jetzt muss sich jeder Gedanken machen und das ist der Punkt.