Schweizer Überflieger

Chrigel Maurer flog am 2. Juni einen neuen FAI-Dreieck Weltrekord: 343 km. Am gleichen Tag knackten noch vier weitere Schweizer erstmals die 300er Marke.

Chrigels Rekordroute üer 343 km // Quelle: XContest.org
Der 2. Juni war der Tag der Schweizer, und vielleicht auch so etwas wie eine Erlösung. Jahrelang hatten Schweizer Top-Piloten etwas neidisch in ihre alpinen Nachbarländer geschaut: Frankreich, Österreich, Italien. Dort waren schon Flüge gestartet worden, die am Ende ein FAI-Dreieck mit mehr als 300km ergaben. Aber in der Schweiz? Fehlanzeige. Doch dann kam der 2. Juni 2019. Und die Wetteraussichten waren für Streckenflüge so gut wie lange nicht.

Das zeigt sich dann auch in den Ergebnissen: Die 300er Marke wurde an dem Tag in der Schweiz nicht nur ein, sondern gleich fünf Mal geknackt. Der Überflieger des Tages war einmal mehr der Überflieger der vergangenen Jahre: Chrigel Maurer. Er hatte schon lange von einem 300er geträumt. Und dann flog er es, mit Verve und Eleganz, von seinem "Hausberg", dem Niesen aus. 343 km sind nicht nur neuer Schweizer Rekord, sondern auch das weltweit bisher größte mit einem Gleitschirm geflogene FAI-Dreieck. Mit dieser Performance könnte er das in zwei Wochen startende X-Alps Rennen in drei Tagen beenden. Aber Chrigel schreibt selbst: Seiner Erfahrung nach gibt es solche Wetterbedingungen, bei denen alles passt für derartige Rekordflüge, nur alle zehn Jahre.

Umso besser, wenn ein solcher Tag auch noch auf einen Sonntag fällt. Dann können umso mehr Piloten fliegen gehen und Großes vollbringen. Das gilt vor allem für die Schweizer Philipp Steinger (319 km), Pascal Bissig (313km), Peter Kleimann (306 km) und Patrick von Känel (306 km). Denn auch sie flogen FAI-Dreiecke von über 300 km.

Die drei Erstgenannten gingen dabei von Diavolezza im Engadin aus auf Strecke. Philipp Steinger hatte dort schon im Mai gezeigt, welches Potenzial die Route hat. Jetzt gelang es ihm, das Dreieck auch komplett zu schließen, was letztendlich auf knapp 319 km summierte. "Jetzt kann ich beruhigt in Streckenflug-Rente gehen", schrieb er im Flug-Kommentar. So ganz ernst wird er das aber nicht gemeint haben.

Bemerkenswert auch der Flug von Patrick von Känel. Er flog wie Chrigel Maurer vom Niesen, wählte aber einen anderen ersten Wendepunkt. Zudem flog er die Strecke mit seiner Ausrüstung für die X-Alps, also Leichtschirm und vor allem auch Leicht-Gurtzeug, was auf die lange Flugzeit hin etwas anstrengender zu pilotieren sein dürfte.

3 Kommentare:

JN hat gesagt…

"Alle zehn Jahre" trifft es ziemlich genau. Kann mich noch gut erinnern, als Chrigel 2008 mit seinem 250er FAI in Fanas vorgelegt hat. Zehn Jahre später nun fast 100km weiter - und wieder liegt die Latte hoch...

Philipp Steinger hat gesagt…

Danke Lucian für den Bericht über unsere Flüge. Ihr wisst ja: Wir Schweizer können es nicht besser aber länger... "länger" hats jedenfalls tatsächlich gedauert bis unser 300er FAI- Kind geboren war. ;-)

Lucian Haas hat gesagt…

Diavolezza liegt im Engadin, nicht wie ursprünglich geschrieben im Tessin. Ich habe es korrigiert.