Ein neuer Akt im CCC-Theater

Kurz vor der Gleitschirm-WM im mazedonischen Krusevo treibt der Konkurrenzkampf zwischen den Herstellern hinter den Kulissen schräge Blüten.

Der Tripleseven Gambit geht bei der WM in Krusevo an den Start.
// Quelle Tripleseven
Vom 5. bis 18. August findet in Krusevo die von der FAI veranstaltete Gleitschirm-WM 2019 statt. Der Wettbewerb wird u.a. auch deshalb spannend, weil dort erstmals seit einigen Jahren ein deutlich breiteres Feld an CCC-Wettbewerbsschirmen  an den Start gehen wird. Während in früheren Jahren hauptsächlich Ozone und Gin die Schirme für die Piloten stellten, sind dieses Mal auch CCC-Schirme von UP (Guru), Niviuk (Icepeak Evox), Flow (Spectra) und Tripleseven (Gambit) vertreten. Soviel Konkurrenz war schon lange nicht mehr.

Allerdings ist die Teilnahme der Schirme von Flow und von Tripleseven im Vorfeld zu einem Politikum geworden: Die FAI-Gleitschirmkommission CIVL schreibt vor, dass bei Wettbewerben der Kategorie 1 wie den Weltmeisterschaften nur Schirme an den Start gehen dürfen, die mindestens 60 Tage zuvor eine komplette Zertifizierung gemäß den CCC-Regeln durchlaufen  haben. Beim Spectra und beim Gambit war das aber nicht der Fall – zumindest wenn man die Regeln strikt auslegen würde.

Flow hatte den Spectra zwar schon im Frühjahr gemäß CCC-Vorgaben zugelassen, der Schirm war sogar schon bei diversen Wettbewerben gestartet. Aber die entsprechenden Dokumente hatte Flow nicht wie für die WM erforderlich bei der CIVL eingereicht, wohl aus Unwissenheit.

Tripleseven wiederum hatte die CCC-Zertifizierungspapiere zum Gambit pünktlich an die CIVL geleitet. Dort blieben die Unterlagen aber länger unbearbeitet. Erst spät fiel auf, dass beim Schocktest eine Sollbruchstelle verwendet worden war, die zumindest für die größte der vier zugelassenen Schirmgrößen (Gambit L) ein klein wenig zu schwach ausgelegt war. Hier lagen wohl Unwissenheit des Herstellers und des Prüfbetriebs, Ungenauigkeiten im CCC-Regelwerk, aber auch eine verschleppte Bearbeitung bei der FAI vor, die Tripleseven jede Möglichkeit nahm, den erkannten Fehler noch zeitnah auszubessern.

Rein formell hätte die CIVL sowohl für Spectra als auch Gambit kurzfristig ein Startverbot bei der WM erteilen müssen. Allerdings berieten die FAI-Vertreter die Lage und entschieden, beiden Modellen im Sinne der Piloten dennoch für die WM die Freigabe zu erteilen. Die Begründung kann in einem offiziellen Statement der CIVL nachgelesen werden.

Damit hätte alles gut sein können. Doch das Auftreten neuer und möglicherweise starker Konkurrenten ist manchen etablierten Marken im CCC-Business offenbar ein Dorn im Auge. Hinter den Kulissen machte Ozone in Person von Luc Armant Druck auf die CIVL. So beschreibt es zumindest Tripleseven in einem offiziellen Statement auf seiner Facebook-Seite. Armant wollte sich demnach nicht mit der Entscheidung abfinden und führte mangelnde Sicherheit als Argument gegen die Teilnahme des Gambit ins Feld.

Dadurch in die Enge getrieben, sichtete Tripleseven die schriftlichen Dokumente, die zu allen anderen CCC-Schirmen bei der CIVL vorliegen. Dabei zeigte sich: In puncto Schocktest ist auch bei den Modellen von Ozone, Gin und Niviuk nicht alles ganz korrekt, beziehungsweise es fehlen wohl einige nötige Unterlagen, auch wenn die entsprechenden Schirme zum Teil schon seit Jahren in Wettbewerben unbeanstandet an den Start gehen.

Argumentativ herrscht jetzt eine Patt-Situation zwischen den Konkurrenten. Alle werden ihre Schirme bei der WM an den Start schicken (bis auf den Gambit in Größe L).

Das jüngste CCC-Theater dürfte unter den Wettbewerbspiloten in Krusevo noch für einige schmunzelnde Diskussionen sorgen, gerade auch mit Blick auf die Rolle von Ozone. Denn vor fünf Jahren war der jetzt auf die Regeln pochende Hersteller selbst noch damit aufgefallen, es mit manchen Regeln für Wettbewerbsschirme nicht so genau zu nehmen (Stichwort: Enzogate).