Rekordjagd in Brasilien - erster Streich

Die Schweizerin Yael Margelisch hat einen neuen Strecken-Weltrekord der Frauen erflogen. Es ist der erste Paukenschlag in der gerade eröffneten "Jagdsaison" im Nordosten Brasiliens. 

Yael Margelisch beim Ausgleiten ihres Rekordfluges in der Abendsonne
Nordostbrasiliens. // Quelle: Swissleague, Y. Margelisch
448 Kilometer weit kam Yael Margelisch bei ihrem Flug über den trockenen Nordosten Brasiliens. Gestartet war sie per Windenschlepp in Caico, wo seit Anfang Oktober ein größeres Aufgebot an Schweizer Piloten versammelt ist, um auf Rekordjagd zu gehen. Ziel ist es, einen neuen Streckenweltrekord aufzustellen.

Zumindest in der Frauenwertung ist das jetzt schon geschafft. Yael übertraf den bisherigen Rekord der Brasilianerin Marcella Uchoa aus dem vergangenen Jahr (Lu-Glidz berichtete) um mehr als 30 km. Die offizielle Bestätigung durch die FAI steht allerdings noch aus.

Im Frühjahr hatte Yael schon einen – in diesem Fall auch schon bestätigten – Frauen-Weltrekord für ein geschlossenes FAI-Dreieack über 264 km aufgestellt (s. Yaels Meisterstück). Damals wie jetzt war sie mit ihrem Freund Clement Latour gemeinsam unterwegs.


Teamfliegen ist angesagt

Bei der alljährlichen Rekordjagd in Brasilien etabliert sich zunehmend das Fliegen im Team. Die Brasilianer hatten das schon vor einigen Jahren eingeführt und vorgemacht, dass man als Gruppe im Flachland viel effizienter voran kommt und sich gegenseitig helfen kann. Die jetzt in Brasilien fliegende Abordnung der Swissleague geht jeweils in Dreierteams an den Start. Und das gilt für den gesamten Flug: Denn die Piloten werden gleich parallel mit drei Abrollwinden in die Höhe geschleppt.

In den nächsten Wochen wird eine Reihe weiterer Top-Piloten, auch aus anderen Ländern, in verschiedenen Teams an unterschiedlichen Orten in Brasilien auf Rekordjagd gehen, jeweils aus der Winde heraus. Neben Caico ist mittlerweile Assú ein erprobter Ausgangspunkt. Beide liegen weit über 100 Kilometer weiter östlich als die Hügel von Quixadá, wo noch vor wenigen Jahren die meisten Rekordversuche in Brasilien per Fußstart begannen.

Der Windenstart gilt mittlerweile als die bessere Wahl für solche Vorhaben. Die Piloten müssen weniger mit Starkwind und Kompressionszonen am Start kämpfen, sie werden bis nah an die morgens noch tief liegende Wolkenbasis geschleppt, und durch den simultanen Start mit mehreren Abrollwinden nebeneinander haben Teams viel größere Chancen, wirklich vom ersten Bart weg gemeinsam auf Strecke zu gehen.

Es dürfte nur noch eine Frage der Zeit und der passenden Bedingungen mit ausreichend starken Höhenwinden sein, bis in Brasilien tatsächlich auch der erste 600er mit dem Gleitschirm geflogen wird. Der aktuelle Rekord liegt bei 562,4 Kilometer.