Fliegen in Zeiten von Corona (3)

Angesichts der staatlichen Restriktionen beziehen auch Gleitschirmverbände wie der DHV und der SHV ihre Positionen in der Corona-Krise.

Die Gleitschirmverbände positionieren sich zum Thema Corona.
// Quelle: Open Domain, bearbeitet
Der Deutsche Gleitschirm- und Drachenflugverband (DHV) hat seine Geschäftsstelle in einen Corona-Modus versetzt. Die meisten Mitarbeiter arbeiten im Homeoffice und sind dort per Email, aber nur bedingt telefonisch erreichbar. Genaueres zu den Regelungen ist auf der Website des DHV nachzulesen. Die eigens eingerichtete Seite "Aktuelle Informationen zur Corona-Lage" soll laufend aktualisiert werden.

Derzeit klärt der DHV darüber auf: Die Wertungen des DHV-XC sind ab sofort und bis auf weiteres ausgesetzt. Es können zwar  weiterhin Flüge hochgeladen werden, doch die werden automatisch unter der Rubrik "Flugbuch" abgespeichert. Wie insgesamt mit den Wertungen, den schon eingereichten Flügen und den Flügen einer möglichen Rest-Saison nach dem Ende der Corona-Restriktionen umgegangen wird, soll zu gegebener Zeit entschieden werden.

Der DHV weist darauf hin, dass bis dato in Deutschland kein behördliches Flugverbot für Gleitschirmflieger gilt. Es könne also nach eigenem Ermessen geflogen werden. Dennoch schreibt der DHV: "Wir empfehlen jedoch anlässlich der Situation die fliegerischen Aktivitäten zu reduzieren und sich angemessen nach den Regeln des Robert-Koch-Instituts (RKI) zu verhalten."

Verboten sind, auf Basis einer Allgemeinverfügung der Bundesregierung und der Länder, jede Art von Flugschulungen, einschließlich Theoriekursen. Mit anderen Worten: Die Flugschulen in Deutschland müssen ihren normalen Betrieb vorerst einstellen.

Ganz ähnlich ist die Situation in der Schweiz. Hier hat der SHV auf seiner Website mitgeteilt, dass jegliches organisierte Fliegen, sei es in privaten Gruppen, Clubs oder eben bei Flugschulen, verboten sei. Club-Busse dürften nicht fahren, auch Tandem-Flüge seien untersagt. Nicht organisierte blieben aber erlaubt. Auch alle Veranstaltungen des SHV (Versammlungen, Kurse, Wettbewerbe etc.) würden abgesagt oder verschoben. Diese Regelung gelte erst einmal bis zum 19. April. Der Schweizer X-Contest wird ebenfalls vorläufig eingestellt.


Sorge um Flugschulen 

Die größte Sorge der Verbände gilt aktuell den Flugschulen sowie deren festen und freien Mitarbeitern. Diese werden durch den Corona-Lockdown besonders hart getroffen. Sowohl DHV als auch SHV wollen hier beratend zur Seite stehen. Vom SHV gibt es bereits eine erste Seite mit Hinweisen zu möglichen Finanzhilfen.

Für Piloten spannend bleibt die Frage, inwieweit bzw. wie frei sie individuell und per Hike-and-Fly noch zum Fliegen gehen können. Es gibt andere Länder wie Norwegen, deren Luftraum schon für jegliche private VFR-Flüge per NOTAM gesperrt wurde. Vielleicht machen solche Regelungen Schule? Es gibt auch Beispiele von Gemeinden wie etwa Kella in Thüringen, die das Fliegen bzw. die Nutzung von Startplätzen in ihrem Gebiet untersagt haben.

9 Kommentare:

Jörg Nuber hat gesagt…

Eine schwierige, individuelle Entscheidung für jeden einzelnen Piloten. Die Ansteckungsgefahr kann durch sorgfältiges Verhalten (nur H&F, kein Shuttle, keine gemeinsame Anreise oder Startplatztransport, keine Kontakte, 1,5m Abstand, keine Öffis, kein Trampen) gebannt werden. Bleibt noch die Unfallgefahr und die subjektiv empfundene mangelnde Solidarität (andere sind krank oder kämpfen um ihre Arbeit etc. und wir Egoisten hängen in der Luft ab).

Man kann aber auch andersherum argumentieren: Die Unfallgefahr kann durch besonders umsichtiges Fliegen gegen Null minimiert werden (Piloten, die das nicht sicherstellen können, sollten allerdings definitiv verzichten). Vor allem aber dürften körperliche Betätigung in der Natur, frische Luft, Sonne und positive Gedanken für das Immunsystem und die Gesundheit starke Booster sein. Damit setzt man das eigene Infektionsrisiko herab und entlastet somit das Gesundheitssystem wiederum.

Aus meiner Sicht haben beide Perspektiven ihre Berechtigung. Deshalb sollten wir uns hier mal das typisch deutsche schwarz-weiß-moralisierende Denken verkneifen und jeden selbst entscheiden lassen.

Severin Puschkarski hat gesagt…

Ich begrüße es, dass vom DHV, SHV und AeroClub/SportAustria nun klare und sinnvolle Stellungsnahmen vorliegen.
Solo HF ohne öffentliche Verkehrsmittel ist ohne moralische Belehrungen oder Rechtfertigungen erlaubt.
So dramatisch auch alles ist - vollständig einbunkern müssen wir uns glücklicherweise (noch) nicht!

Matthias König hat gesagt…

Nunja auf der einen Seite sollen wir in Großraumbüros oder Werkstätten zum Arbeiten gehen und auf der anderen Seite alles unterlassen was irgendwie potentiell daneben gehen könnte. Zumal die Auftragslage und die Versorgung täglich weiter sinkt(das geht noch gegen Null). Der Arbeitsweg ist ein Risiko, tanken und bezahlen muss man dadurch regelmäßig (Türen, Pin und Bargeld sind bei diesen Summen nicht kontaktlos), entsprechend der Arbeit ist man wiederum gezwungen öfters in Supermärkte zu gehen (Kantinen zum Teil dicht, man will aber auch Nahrung zu sich nehmen) uvm... Entweder oder... Man hat schlichtweg gezockt ohne wirtschaftliche Einbußen hin zu kommen und hat verloren. Der Kleine Mann darf das wieder ausbaden. Solange man das nicht zugibt wird die Bereitschaft auf Verzicht gering bleiben. Das Vertrauen steigt mal wieder ins Unermessliche. Ja fliegen muss nicht zwingend sein, man kann auch ohne. Aber denken darf man noch. Interessant sind momentan die Grüppchenbildungen in Orten und an Parkplätzen. Die Bars wandern auf die Straße...

Matthias Wehrle hat gesagt…

Wer JETZT nicht fliegen geht wegen diesem Hype, der sollte sonst auch nicht fliegen gehen. Ich verhalte mich nämlich in meinem ganzen Leben so. Macht GS fliegen mehr Sinn, wenn ich auf eine gute Gesundheitsversorgung baue? Dann darf ich aber auch nicht Auto fahren, mit dem Rennrad ins Geschäft oder generell arbeiten gehen oder zu Hause irgendwelche Arbeiten verrichten.

Warum dieser Hype um das Virus aktuell so viral geht (tolles Wortspiel) erklärt sich mir auf eine ganz andere Weise. In meinen Augen (und vor allem aus Sicht von Experten) wird diese Panik gerade dazu genutzt, um am Finanzmarkt einige Korrekturen vorzunehmen. Dazu kann sich jeder der daran Interesse hat (und das sollte jeder, da kaum jemand isoliert davon lebt) die aktuellen YT-Videos von Dr. Markus Krall oder Dirk Müller anschauen.

Kommt alle gut durch den Wahnsinn hindurch - ICH gehe heute erst mal fliegen. Das tut mir ganz gut.

Jörg Nuber hat gesagt…

Unsere Startplätze am Hohenneuffen wurden vom Vereinsvorstand heute in vorausschauendem Gehorsam geschlossen, obwohl man mit entsprechendem Verstand durchaus noch H&F hätte betreiben können. Also nichts mehr mit "ICH gehe heute erst mal fliegen."

Antonia Bohner hat gesagt…

@Mathias: Fliegen sehr gerne - solange es möglich/vertretbar ist. Verschwörungstheorien helfen gerade aber überhaupt nicht weiter! Eine Verschwörungs-Hypothese wird übrigens nicht glaubhafter, wenn sogenannte Experten in die Klammer gesetzt werden :-).

Viele Grüße und schöne Flüge!

Monika Charvatova hat gesagt…

Da wirds dann jetzt Zeit für einen neuen Podcast also übers fliegen, damit wir mal eine Ablenkung von dem Virus bekommen.

Lucian Haas hat gesagt…

@Monika: Podcast kommt, und schon sehr bald. Und weitere Folgen dann auch, denn in Corona-Zeiten muss man sich halt vom Fliegen erzählen... ;-)

Joachim Bär hat gesagt…

Schliesse mich Matthias Meinung an
Gerade Gleitschirmflieger sollten sich ja genug mit dem Thema Angst(auch Vorsicht) auseinandergesetzt haben. Gibt ja genug gute Vorträge und Psycho.- Bücher.
Es ist die Angst die uns Tötetet und uns nicht mehr das Leben leben lässt.
Wir klammern uns an die Bremse und Spiralen bis zum Aufschlag. Päng!!
He Leute sind Flieger Freigeister oder Nicht?!Glaube leider schon lange nicht mehr!
Immer noch Top Aktuell:
"Angst" von Herbert Gröhnemeyer

https://www.youtube.com/watch?v=CpXo8BmIDIg&app=desktop

Geht fliegen Grüsse Joachim