Sicherheits-Mitteilung: Woody Valley GTO light 2

Bei einem Gurtzeug GTO light 2 von Woody Valley war die Rettungsschirmaufhängung im Schulterbereich nicht korrekt vernäht. Nun müssen alle Gurtzeuge kontrolliert werden.  

Die kleinen Bilder zeigen die Rettungsschirmaufhängung,
bei der die quer laufenden Sicherungsnähte fehlen. 
Diese Sicherheitsmitteilung (pdf) beruht nicht auf einem tragischen Unfall. Das folgende Problem hätte aber in einen solchen münden können: Denn nur durch aufmerksames Hinsehen war einem Händler bei der Erstmontage eines Rettungsgerätes in einem WV GTO light 2 aufgefallen, dass an der Schlaufe der Rettungsschirmaufhängung im Schulterbereich die Sicherungsnähte fehlten. Die Dyneema-Schlaufe war dort nur geklebt. Eine Auslösung der Retters im Flug hätte sie wohl kaum ausgehalten.

Nun sind alle Besitzer eines GTO light 2 aufgerufen, vor dem nächsten Flug in ihrem jeweiligen Gurtzeuge zu checken, ob die Verbindungsleinen korrekt vernäht sind. Ohne diese Kontrolle darf das Gurtzeug nicht mehr geflogen werden. Die Rettungsschirmaufhängung befindet sich in einem Fach im Nackenbereich des Gurtzeugs und ist über einen Reißverschluss zugänglich.


Nachtrag v. 25.8.: Mittlerweile liegt die Sicherheitsmitteilung auch in einer offiziellen mehrsprachigen Fassung als pdf vor. Der Link wurde entsprechend angepasst. 

12 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Anzahl der Sicherheitsmitteilungen für Gurtzeuge der letzten Jahre (ohne Karabiner- und Retterprobleme, Quelle DHV):
2016: 11
2017: 6
2018: 6
2019: 5
2020: bisher (nur?) 2

Insgesamt also 30 (!!) Sicherheitprobleme in viereinhalb Jahren, so gut wie nie vom Hersteller entdeckt (!!), meistens durch Zufall vom Nutzer, beim Check, manchmal nach Unfällen etc. Viele der Geräte sind keine "alten Sättel", sondern neu auf dem Markt. Betroffen sind natürlich hunderte von Besitzern der entsprechenden Modelle. Einzig positiv ist vielleicht der Trend der Zahlen, allerdings wurde über ein viertel Jahr nicht geflogen, und das Jahr ist noch nicht vorbei.

Oft heißt es in der Sicherheitsmitteilung sinngemäß: Die Geräte dürften erst wieder benutzt werden, wenn der Besitzer sie auf den Fehler gecheckt habe und ihn ggf. habe beheben lassen. - Von "Rückruf, Check, Ersatzgurtzeug für die Dauer des Ausfalls und ggf. Reparatur auf Kosten des Herstellers" (vulgo: Produkthaftung) schweigen die Hersteller in der Regel vornehm.

Man stelle sich das mal bei Auto oder Flugzeugherstellern vor: Da würden Produkte offenbar nachlässig konstruiert und kontrolliert auf den Markt gebracht, der Nutzer würde zum unfreiwilligen Versuchskaninchen, und nach Aufdeckung des Mangels gäbe es keine entsprechende Rückrufaktion mit Schadensersatz, Ausfallentschädigung etc.
Der Imageverlust wäre nicht zu beziffern (vgl. Boeing 737 8MAX, und den entsprechenden Aktienkurs Richtung Keller).

Aber wir Tuchflieger lassen uns die Schlampereien und die Nonchalance der Hersteller notfalls auf Kosten unserer Gesundheit, im schlimmsten Fall unseres Lebens gefallen.

In diesem Sinne wünsche ich ein gutes Gefühl wenn die Thermik am Gurtzeug zerrt ...

Günther Widmann Oberreute







Anonym hat gesagt…

Da hast du vollkommen Recht, wie ich finde.

Gruss Mayer

Manni Fuchs hat gesagt…

Super Günther, absolut richtig. Leider passieren auch diese Oberflächlichkeit, wie Materialeinsparung, Billigtüchern und schlechte Nähte etc. bei Schirmen. Beschwert man sich beim Händler, bzw. beim Hersteller, kommt trotzdem nichts dabei raus. Was soll der Einzelne machen, die Marktführer lassen uns abtropfen. Schade

Sepp hat gesagt…

Der einzelne kann nichts machen, aber der DHV könnte mal nachschauen, ob eine Misterprüfung noch Sinn macht, wenn ein Hersteller offenbar außerstande ist, eine Übereinstimmung mit dem Muster zu garantieren.

Urs hat gesagt…

Hi Günther

Bist du dir da ganz sicher? Mein T6 war seit dem Neukauf im Jahr 2017 schon dreimal von einer Rückrufaktion betroffen. Inzwischen konsumiert das Fahrzeug mehr Sprit, Ad Blue und leistet spürbar schlechter. Ein kostenloses Ersatzfahrzeug gab es während diesen Updates nie.

Und wie kommst du darauf, dass es in der GS-Branche kein Ersatzmaterial geben soll? Muss das in einer LTA erwähnt werden?

Wo gehobelt wird, fallen Späne. Entscheidend dabei ist doch, wie ein Hersteller solche Aktionen bewältigt.

Lieber Gruss, Urs

Urs hat gesagt…

Hi Günther

Bist du dir da ganz sicher? Mein T6 war seit dem Neukauf im Jahr 2017 schon dreimal von einer Rückrufaktion betroffen. Inzwischen konsumiert das Fahrzeug mehr Sprit, Ad Blue und leistet spürbar schlechter. Ein kostenloses Ersatzfahrzeug gab es während diesen Updates nie.

Und wie kommst du darauf, dass es in der GS-Branche kein Ersatzmaterial geben soll? Muss das in einer LTA erwähnt werden?

Wo gehobelt wird, fallen Späne. Entscheidend dabei ist doch, wie ein Hersteller solche Aktionen bewältigt.

Lieber Gruss, Urs

JN hat gesagt…

Es ist sehr traurig, dass jedes zweite neue Gurtzug Probleme rund um den Retter hat. Mal sind es die Aufhängungen, mal das Retterfach, der Griff, der Verschluss oder der Innencontainer. Was ich einfach nicht verstehe ist, wie man ein derart heikles, zentrales Thema immer wieder so nachlässig angehen kann. Da ist echt der Wurm drin, bei allen! Leider ist es auch so, dass bei fast jedem neuen Gurtzeug immer wieder etwas komplett Neues in Sachen Retter probiert wird. Warum kann man nicht mal versuchen, einen Quasi-Standard zu etablieren und nur in kleinen Schritten weiterzuentwickeln? Man hat das Gefühl, dass jedes zweite Gurtzeug in Sachen Retter wieder bei Null anfängt...

Michael hat gesagt…

Super finde ich auch, dass weder auf der Website noch auf der Facebookseite irgendeine Meldung darüber zu finden ist. Scheiße bauen und dann nicht mal kommunizieren. Super!!

Lucian Haas hat gesagt…

@Michael: Mittlerweile gibt es auch eine "offizielle" Sicherheitsmitteilung der Herstellers, zu finden u.a. beim deutschen Importeuer Turnpoint:
https://turnpoint.de/wp-content/uploads/2020/08/Sicherheitsmitteilung.pdf

Michael hat gesagt…

Das ist schön. Ich erwarte mir aber von einem seriösen Hersteller bei einem solchem doch nicht ganz unrelevanten Problem eine Mittteilung auf der Hersteller Homepage.Meine Meinung. LG

Lucian Haas hat gesagt…

@Michael: Da gebe ich Dir völlig Recht. Allerdings ist auf der Website von WV von ihrer Struktur her gar keine Unterseite für aktuelle News vorgesehen. Da besteht eindeutig Nachholbedarf. Genauso bei der Produktkontrolle. Ein solcher Fauxpas beim Zusammenbau eines Gurtzeugs sollte nicht passieren. Absolute Kontrolle kann es aber nirgends geben. Umso wichtiger ist es sich auch als Pilot bewusst zu sein, neue Ausrüstung immer sehr gründlich durchzuchecken. Allerdings wäre vielen wahrscheinlich die fehlende Naht bei einem vorgeklebten Dyneema-Band gar nicht aufgefallen. Gut, dass dies ohne tragischen Unfall erkannt wurde.

Markus hat gesagt…

Das ist schon ein ziemlich dicker Hund.

An dieser lebenswichtigen Stelle würde ich ein paar kontrastfarbige Riegelnähte erwarten, was technisch besser ist und leicht kontrolliert werden kann.
Weisse mittige Längsnaht auf weissem Band ist in meinen Augen ziemlich stümperhaft und kann nicht mal auf den Fotos der Sicherheitsmitteilung ordentlich erkannt werden.

Hier hat WW ein prinzipielles Problem, wobei auch andere Hersteller gerne schwarze Nähhte auf schwarzes Band setzen.